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Theater am Rand feiert in Zollbrücke Premiere des Stücks über den französischen Komponisten

Wundersame Welt des Erik Satie

Musik und Pantomime: Monsieur Satie (Wolfram von Bodecker), Tobias Morgenstern und der Postbote (Alexander Neander, von links) beweisen, wie unterhaltsam ein Theaterstück auch ohne Sprache sein kann
Musik und Pantomime: Monsieur Satie (Wolfram von Bodecker), Tobias Morgenstern und der Postbote (Alexander Neander, von links) beweisen, wie unterhaltsam ein Theaterstück auch ohne Sprache sein kann © Foto: Günter Linke
Birte Förster / 26.03.2017, 19:20 Uhr
Zollbrücke (MOZ) Fast keine Sprache, aber viel Ausdruck: Das Stück "Monsieur Satie" über den französischen Komponisten Erik Satie feierte am Freitag im Theater am Rand Premiere. Das Publikum war begeistert.

Er war ein Exzentriker mit einer ganz eigenen Sicht auf die Welt. Noch heute ist seine Musik kaum vergleichbar mit der anderer klassischer Komponisten.

Seine Klavierwerke, die Titel wie "Trink deine Schokolade nicht mit den Fingern" oder "Von rechts und links gesehen - ohne Brille" tragen, haben mit raumfüllender Orchestermusik nicht viel gemeinsam. Vielmehr zeichnen sie sich durch Einfachheit, Absurdität und einen gewissen Witz aus.

Das Theater am Rand in Zollbrücke nähert sich dem Leben und Schaffen des Komponisten Erik Satie in dem Stück "Monsieur Satie", unter der Regie von Lionel Ménard, mit einer besonderen Inszenierung. Die Wesensart des Künstlers wird mit vielen überraschenden und humorvollen Einfällen wiedergeben. Auf der Bühne entsteht eine kleine, wundersame und zeitweise magische Welt.

Die Besonderheit: Das Stück kommt beinahe gänzlich ohne Sprache aus. Tobias Morgenstern liefert mit Akkordeon und am Flügel die musikalische Untermalung. Währenddessen agieren die Protagonisten Monsieur Satie (Wolfram von Bodecker) und ein Postbote (Alexander Neander) in ihrem Pantomimespiel mal dynamisch, mal ruhig und verträumt auf der Bühne. Ihr Schauspiel, mit der entsprechenden Musik dazu, erinnert zum Teil an Slapstick-Komödien aus der Stummfilm-Zeit. Erik Saties Musik wurde tatsächlich in zahlreichen Stummfilmen gespielt.

Die Bühnendarsteller arbeiten oft mit kleinen, aber feinen Details wie einer Raupe, die über den Kopf des schlafenden Komponisten kriecht, oder einzelnen Noten, die durch die Luft flattern und Satie immer wieder entweichen.

Beeindruckend ist auch, wie die Protagonisten mit Mimik und Gestik hantieren. So verwandelt sich der anfangs starre Blick des Komponisten, als die Musik ertönt und sein Mienenspiel fast schon Tänze vollführt. Dann beginnt auch er, den Takt anzugeben. Später bewegen er und der Postbote sich in Zeitlupe über die Bühne oder rasen eiligst mit dem Fahrrad davon.

Überhaupt machen Rhythmik und Tempo, der Wechsel der Geschwindigkeiten das Stück aus. Wenn Satie in seinem Pantomimespiel eine Flasche Wein öffnet, einschenkt und die Flasche schließlich klirrend fallen lässt, wird nur über die Geräuschkulisse deutlich, worum es geht. Die Präzision der Übergänge und das Timing sorgen im Publikum immer wieder für Lacher. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt.

Eng mit der Handlung verwoben werden auch ein Schattenspiel über einen kleinen Mann, der nach den Sternen greift, und ein Marionettenspiel. Eine Tür wird immer wieder umgewandelt, fungiert mal als Bett, Schrank oder Kino, in dem Stummfilmszenen präsentiert werden. Zu sehen ist Monsieur Satie, wie er die Stufen zum Montmartre erklimmt. In dem Pariser Künstlerviertel spielte Erik Satie lange im Kabarett Le Chat Noir, wo er mit seiner Musik experimentierte. Der im Jahr 1866 geborene Komponist verstarb 1925 in Paris. Zahlreiche Pianisten verschmähen sein unvergleichbares Werk, andere loben ihn in höchsten Tönen. Andererseits gilt er als wichtiger Vertreter der Neuen Musik.

Im Theater am Rand beweisen die drei Darsteller in jedem Fall, dass die Beschäftigung mit dem Leben und Werk des Komponisten lohnt. Die Jubelschreie und "Bravo"-Rufe sprachen am Ende für sich.

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