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Sportschüler solidarisieren sich

Setzen sich für die Judoka der Sportschule ein: Abiturientin Maike Wagner (l.) und Schülersprecherin Beatrice Zacharias, die beide beim Handball-Drittligisten Frankfurter HC spielen
Setzen sich für die Judoka der Sportschule ein: Abiturientin Maike Wagner (l.) und Schülersprecherin Beatrice Zacharias, die beide beim Handball-Drittligisten Frankfurter HC spielen © Foto: René Matschkowiak
Thomas Gutke / 28.03.2017, 19:04 Uhr - Aktualisiert 30.03.2017, 11:26
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der Widerstand gegen die mögliche Schließung des Leistungsstützpunktes Judo wächst. Eine Petition für den Erhalt des Standortes hat mittlerweile rund 2500 Unterstützer. Auch die Handballerinnen Maike Wagner und Beatrice Zacharias von der Sportschule haben unterzeichnet.

"Es wäre schlimm für Frankfurt und die Sportschule, wenn der Judobund den Stützpunkt aufgibt. Denn unsere Judoka sind nicht schlecht", sagt Beatrice Zacharias. Die Zwölftklässlerin ist Schülersprecherin an der Eliteschule des Sports. Auch Maike Wagner aus dem Jahrgang über ihr befürchtet: "Das hätte Folgen für das Renommee und die Zahl der guten Judoka, die dann noch auf die Sportschule wollen."

Die beiden werben daher für eine Online-Petition, die Gregor Wenzel vom JC 90 initiiert hat. Sie ist noch bis zum 20. April auf der Plattform openpetition.de unter dem Suchwort Judo zu finden. Bis Dienstag hatten bereits mehr als 2 500 Menschen unterzeichnet.

Anlass für die Unruhe, aber auch für die sportartübergreifende Solidarität ist der Umbau der Leistungssportförderung in Deutschland. Nach dem schwachen Abschneiden der Judoka bei den Olympischen Spielen soll es für den Deutschen Judobund künftig weniger Geld geben, der Leistungsstützpunkt in Frankfurt könnte wegfallen. Entschieden ist das noch nicht. Doch klar ist: Ohne die aus Bundesmitteln finanzierten Trainerstellen am Olympiastützpunkt müssten die Judoka der Sportschule nach der 10. Klasse zu einem anderen Leistungsstützpunkt wechseln. "Da besteht natürlich die Gefahr, dass viele Sportler von Anfang an sich gegen die Sportschule Frankfurt entscheiden und diese damit eine traditionelle und jahrzehntelang erfolgreiche Sportart verliert", heißt es in der Petition an den Judobund.

Beatrice Zacharias und Maike Wagner wissen aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn leistungsfördernde Strukturen wegbrechen. Maike Wagner spielt seit sie denken kann beim Frankfurter HC, der Wechsel zur Sportschule in der siebten Klasse war für sie da nur konsequent. Das Ziel war der Bundesligahandball. Doch dann kam es 2013 zur Insolvenz des FHC und dem Neustart in der 3. Liga - ein Schock. "Natürlich hatte das auch Auswirkungen auf die Sportschule. Ohne Bundesligamannschaft ist es schwieriger, gute Handballerinnen zu finden", sagt die 19-Jährige.

Ein Schul- oder Vereinswechsel kam für die zurzeit verletzte Torhüterin nicht in Frage. Sie blieb und macht in diesem Jahr Abitur. Nach dem traditionellen Kulturabend des Abschlussjahrganges Ende Januar beginnen in den nächsten Wochen die Prüfungen. "Es war eine tolle Zeit. Ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden. Denn die Bedingungen hier sind ideal, mit der Schule, dem Internat, der Mensa und dem Rehazentrum alles an einem Standort", sagt sie. Hinzu komme das hervorragende Unterrichtsklima an der Schule mit den Schwerpunktsportarten Judo, Boxen, Fußball männlich, Gewichtheben, Handball weiblich, Radsport, Ringen und Sportschießen. "Unsere Schulleiter Jürgen Behnke und Jens Herrmann haben sich immer für uns Sportler stark gemacht. Genauso wie Elternsprecher Christian Matuschowitz."

Was Maike Wagner bedauert: dass sich in Frankfurt nach dem Abitur Leistungssport und berufliche Bildung nur schwer miteinander verbinden lassen. "Ich würde gerne etwas mit Sport studieren, Sporttherapie oder Sportmanagement. Doch so etwas gibt es an der Viadrina nicht." Vergleichbare Perspektiven eröffne nur eine Anstellung bei der Bundeswehr oder der Sparkasse.

Beatrice Zacharias, die mit acht Jahren zum FHC wechselte, hat noch ein Jahr Schulzeit vor sich. "Für mich gab es damals keine Alternative zur Sportschule." Nach ihrem Abschluss will die 18-Jährige Medizin in Berlin studieren oder eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin machen. "Handball möchte ich trotzdem weiter in Frankfurt spielen, das Team ist wie eine Familie für mich."

Auch wenn die Sportstadt früher ein besseres Bild abgab, weil heute Erstliga-Vereine oder Anknüpfungspunkte in der Uni oder der Wirtschaft fehlen: "Frankfurt wird seinem Ruf als Sportstadt auf jeden Fall immer noch gerecht", findet Beatrice Zacharias. "Sonst würden nicht so viele Sportler bei Welt- und Europameisterschaften regelmäßig etwas reißen."

Doch das gehe auch künftig nur mit gut aufeinander eingespielten Rahmenbedingungen. Daher hoffen beide weiter auf eine Entscheidung zugunsten des Leistungsstützpunktes Judo. "Wir bleiben optimistisch."

Zur Online-Petition zum Erhalt des Judo-Standortes in Frankfurt (Oder): openpetition.de/!judoffo

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