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Mixdorf wehrt sich gegen Windpark

Engagiert: Mitglieder der "Bürgerinitiative gegen einen Windpark in Mixdorf" erläutern im voll besetzten Sport- und Freizeitzentrum die Auswirkungen der geplanten Anlagen.
Engagiert: Mitglieder der "Bürgerinitiative gegen einen Windpark in Mixdorf" erläutern im voll besetzten Sport- und Freizeitzentrum die Auswirkungen der geplanten Anlagen. © Foto: MOZ/Hubertus Rößler
Hubertus Rößler / 29.03.2017, 07:30 Uhr
Mixdorf (MOZ) In Mixdorf und dem Schlaubetal formiert sich Widerstand gegen die geplanten Windkraftanlagen in der Region. Bei einer Einwohnerversammlung am Montagabend machten rund 350 Anwohner deutlich, das sie sich gegen die Pläne wehren wollen - auch mithilfe einer Bürgeriniative.

Ein ungläubiges Raunen geht durch das Publikum, als Mathias Wiese von der "Bürgerinitiative gegen einen Windpark in Mixdorf" Ansichten der Region präsentiert. Riesige Windräder versperren den Blick in die freie Natur, selbst auf der Promenade des Großen Müllroser Sees sind am Horizont die Anlagen zu sehen. Auch wenn es sich bei den Ansichten nur um animierte Bilder handelt, könnte dieses Szenario schon bald Realität werden. Denn in den zusammen 357 Hektar großen Windenergienutzung-Eignungsgebieten Nr. 61 Mixdorf-Grunow und Nr. 50 Merz-Mixdorf-Schneeberg soll ein Windpark mit jeweils bis zu 20 riesigen Windrädern entstehen - jedes mit einer Höhe von etwa 235 Metern.

Zu der Einwohnerversammlung in der großen Halle des Mixdorfer Sport- und Freizeitzentrums sind am Montagabend etwa 350 Menschen gekommen. Die meisten von ihnen sind Betroffene. Zu Gast ist auch Wolfgang Rump von der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland- Spree. Der Diplom-Geograph versucht, den dritten Entwurf des Teilregionalplanes "Windenergienutzung" zu erläutern. "Unsere Aufgabe ist es, Flächen auf ihre Eignung für Windparks zu überprüfen. Nach Anlegen der Ausschlusskriterien blieben hier von einer möglichen Gesamtfläche von 7378 Hektar noch 1,6 Prozent übrig", sagt Rump.

Als er berichtet, dass Daten zum Lebensraum der Fledermaus im Umweltamt "abhanden gekommen" seien, muss er sich teils heftige Anfeindungen anhören. "Sie können mir glauben, dass mir das hier keinen Spaß macht. Aber wir sind nicht im Auftrag der Windenenergie-Lobby unterwegs, sondern müssen die Vorgaben der Politik umsetzen. Wenn Sie also damit nicht einverstanden sind, beschimpfen Sie bitte nicht mich, sondern wenden Sie sich an die Bundes- und Landesregierung", erwidert der Leiter der Regionalen Planungsstelle.

Anschließend stellt sich die neu gegründete Bürgerinitiative vor. "Mit dem Solarpark Mixdorf leistet die Gemeinde bereits einen nicht unerheblichen Beitrag zur Energiestrategie des Landes Brandenburg. Die mehr als 100 000 Module sorgen für eine Nennleistung von 24,1 Megawatt und versorgen 5350 Familien mit sauberem Strom. Wofür brauchen wir dann noch die Windräder", fragt eine der Organisatoren.

Von den negativen Auswirkungen des geplanten Windparks sei nicht nur die Gemeinde Mixdorf betroffen, sondern das gesamte Schlaubetal. "Wir befürchten negative Auswirkungen auf das Schutzgut Menschen einschließlich der Gesundheit. Dazu zählt der Infraschall mit seiner gesundheitsschädigenden Wirkung - insbesondere für die Kindertagesstätte, die dem Windpark am nächsten liegt." Gehör, Gleichgewichtsorgane, Lunge und innere Organe könnten davon betroffen sein. Außerdem gebe es Belästigung durch Schlagschatten, Lärm und Lichtreflektionen der Rotoren, die für eine verminderte Lebensqualität der Einwohner sowie zu einer nachhaltigen Schädigung der Attraktivität des Schlaubetals für den Tourismus führen könnten.

Weiterhin wurde die erhebliche Beeinträchtigung des Schutzgutes Tiere und Pflanzen sowie der biologischen Vielfalt aufgeführt. "Das Schlaubetal gilt als Schatzkammer der Artenvielfalt. Dreiviertel aller in Brandenburg vorkommenden Tier- und Pflanzenarten finden sich hier. Ein Windpark würde den Lebensraum der Tiere nachhaltig schädigen", erklärt die Bürgeriniative.

Eine Einwohnerin spricht neben der Gesundheitsgefährdung und dem Eingriff in die Natur auch den Wertverlust der Immobilien an. "Wir haben unser Haus auch als Altersvorsorge gekauft. Wenn der Windpark käme, würde es dreißig Prozent an Wert verlieren. Unabhängig davon würden wir wegziehen, wie viele andere auch. Mixdorf würde dann langsam aussterben."

Auch Udo Schulz meldet sich zu Wort. Der ehemalige Vorsitzende der Bürgeriniative "CO2-Endlager stoppen" wohn seit diesem Jahr in Merz. "Wir haben damals den Energiekonzern Vattenfall in die Knie gezwungen, dann werden wir dies auch bei den Windrädern schaffen. Wichtig ist, dass wir alle Kräfte bündeln und gemeinsam auftreten", sagt Schulz und verkündet, dass er der neu gegründeten Bürgerinitiative beitreten will.

Diese ruft alle Einwohner auf, sich an einer Unterschriftensammlung zu beteiligen und Argumente gegen die Pläne schriftlich einzureichen. Mixdorfs Bürgermeisterin Marlies Janisch versichert, dass die Gemeinde die besten Anwälte engagieren werde, um den Windpark noch abzuwenden.

Weitere Informationen sowie die Online-Petition im Internet unter www.mixdorf-windkraft.de

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