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Suchtberater bekommen es immer häufiger mit Crystal-Meth-Abhängigen zu tun

Drogenseuche in der Lausitz

Crystal Meth
Crystal Meth © Foto: dpa
Henning Kraudzun / 31.03.2017, 08:30 Uhr
Potsdam (MOZ) In Brandenburgs gibt es immer mehr Menschen, die von der illegalen Droge Crystal Meth abhängig sind. Das belegen Zahlen und Statistiken der Suchtberatungsstellen. Betroffen ist vor allem der Süden des Landes. Der Norden wird von dieser Droge nach wie vor noch verschont.

Es sind Fälle wie dieser, die Suchtexperten alarmieren. Eine Frau in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) hatte vor einigen Jahren die Leitstelle wegen eines vermeintlichen Brandes alarmiert. Ihr Haus stehe in Flammen, soll sie mitgeteilt haben. Als die Feuerwehrleute anrückten, fanden sie die Mutter mit ihren Kindern an einer Bushaltestelle. Nichts brannte. Offenbar eine Wahnvorstellung der Drogenabhängigen.

Auch ein anderer Einsatz stimmt nachdenklich: So hatte ein Raser auf der A15 bei Cottbus einen Streifenwagen der Autobahnpolizei fast in die Leitplanke abgedrängt. Als die Beamten den Fahrer nach mehreren Kilometern stoppen konnten, ging er aggressiv auf sie los und musste gefesselt werden. Eine Blutprobe ergab später, dass der 29-Jährige neben Alkohol auch Methamphetamin konsumiert hatte.

Die Droge, auch Crystal Meth genannt, ist seit Jahren zu einem ernsthaften Problem in der Lausitz geworden. Die Konsumenten kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten: Manager nehmen Crystal, um dem Leistungsdruck standzuhalten, Schichtarbeiter, um durchzuhalten. Aber auch alleinerziehende Mütter greifen zu der Droge, wenn sie sich mit der Betreuung ihrer Kinder überfordert fühlen. Selbst Politiker wie der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck wurden von der Polizei erwischt. Bei der Droge, die bei ihm gefunden wurde, soll es sich um Crystal Meth gehandelt haben. Ein Strafverfahren gegen Beck wurde eingestellt, die politische Karriere ist dennoch zerstört.

"Vielen sieht man den Konsum von Crystal Meth erst einmal nicht an", sagt Michael Leydecker, Leiter der Suchtberatung Tannenhof Berlin-Brandenburg. Körperlicher Verfall sei erst nach Jahren sichtbar - wie bei einer Alkoholsucht. Ein Problembewusstsein entstehe allerdings meist erst dann, wenn die Crystal-Abhängigen vor den Scherben ihres Lebens stünden.

Die Statistiken seiner Suchtberatungsstellen zeigen, wie schnell sich die leistungsfördernde und euphorisierende Droge in der Lausitz ausbreitet. Unter 500 Klienten, die 2016 die Einrichtung in Cottbus aufsuchten, waren knapp 70 Crystal-Meth-Abhängige - mehr als doppelt so viele als 2012. Die gefährlichen Kristalle hätten andere harte Drogen dort schon verdrängt, sagt Leydecker. In Forst hatten im Vorjahr bereits ein Viertel der insgesamt 111 betreuten Süchtigen ein großes Problem mit Crystal Meth. Auch in Hilfseinrichtungen in Dahme-Spreewald hatten die Kollegen von Leydecker im vergangenen Jahr 55 Crystal-Meth-Abhängige betreut, doppelt so viele wie 2012. Ein ähnlicher Trend in Senftenberg: In der Suchtberatung des Landkreises Oberspreewald-Lausitz haben sich die Fälle seit 2009 versiebenfacht. Dort steht auch das Jugendamt vor großen Herausforderungen, da viele Familienkonflikte mit einem Crystal-Konsum in Verbindung stehen.

Über den "Ameisenhandel" an der tschechischen Grenze gelange Methamphetamin nach Deutschland, sagt Leydecker. Durch die organisierte Kriminalität werde es auf Großstädte in Sachsen und Thüringen sowie die Lausitz verteilt. Die Dealerströme reichen bis in die Hauptstadt, wo Crystal in der Schwulenszene beliebt sei.

Andere Landesteile Brandenburgs dagegen bleiben weitgehend verschont. "Uns ist hier noch kein Fall eines Crystal-Meth-Abhängigen bekannt", sagt Jens Wulster, Suchtberater des DRK in Hennigsdorf (Oberhavel). Angesichts der dramatischen Folgen würden Jugendliche die Finger von der Droge lassen. Auch ein Sprecher des Polizeipräsidiums erklärt, dass Crystal Meth fast ausnahmslos im Süden Brandenburgs sichergestellt worden sei. Zwar registrierten die Ermittler im vergangenen Jahr landesweit 21 Drogentote und somit doppelt so viele wie 2015. "Aber niemand ist an den Folgen von Crystal gestorben", erklärt der Sprecher.

Angesichts der Probleme hat sich 2015 eine ressortübergreifende Expertengruppe im Land gegründet, um Strategien im Kampf gegen die Droge zu entwickeln. Nach den bisherigen Erfahrungen ist die Betreuung der Konsumenten besonders intensiv, da Therapien häufig abgebrochen werden. Zudem sind die körperlichen Schäden oftmals so gravierend, dass ein selbstständiges Leben kaum noch möglich ist.

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