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Labor der digitalen Zukunft

Charité-Forscher Peter Tang führt eine spezielle Datenbrille vor, mit der Blutgefäße, Organe oder Tumore dreidimensional dargestellt werden und die künftig bei Operationen zum Einsatz kommen soll.
Charité-Forscher Peter Tang führt eine spezielle Datenbrille vor, mit der Blutgefäße, Organe oder Tumore dreidimensional dargestellt werden und die künftig bei Operationen zum Einsatz kommen soll. © Foto: dpa
Henning Kraudzun / 03.04.2017, 19:14 Uhr
Berlin (MOZ) Das Einstein Center Digital Future bündelt Spitzenforschung sämtlicher Berliner Hochschulen. Am Montag wurde das mit ambitionierten Zielen angetretene Institut eröffnet: Es soll die Hauptstadt zum weltweiten Zentrum der Digitalisierung machen.

Irgendwann kippt "Nao" erschöpft nach hinten. Der humanoide Roboter wurde von einem Team der Humboldt-Universität so programmiert, dass er aufmerksam auf Geräusche und Gesichter reagiert. Aber zur Eröffnung des Zentrums für digitale Zukunft mit mehr als 100 Gästen leidet er unter Reizüberflutung.

Claas-Norman Ritter tippt ein paar Befehle in seine Tastatur und schon ist sein Forschungsobjekt wieder vorzeigbar. Zusammen mit Kollegen hat er das "Gehör" des Roboters in den vergangenen Jahren verbessert. "Er kann beispielsweise das Quietschen einer Tür von den Geräuschen unterscheiden, die er selbst verursacht", sagt Ritter.

In einem anderen Raum demonstriert eine Forschergruppe der Charité, wie Ärzte künftig im virtuellen Raum operieren können. Dort sind verästelte Blutgefäße oder Tumore fast greifbar. "Das ist wie ein Navigationssystem", erklärt Johann Pratschke, Direktor der chirurgischen Klinik. Die Kollegen müssten dazu spezielle 3D-Brillen aufsetzen. In vier bis fünf Jahren, so glaubt der Professor, ist das System, das sich aus Daten von Computertomografien speist, marktfähig.

Auch weitere Beispiele im Einstein Center in der Berliner Dorotheenstraße zeigen, welche Forschungsergebnisse auf dem Feld der Digitalisierung erreicht wurden. Nun wollen sämtliche Hochschulen der Hauptstadt ihre Kompetenzen in einem Projekt bündeln. Die 50 geplanten Junior-Professuren werden nicht nur von der öffentlichen Hand, sondern auch von der Wirtschaft finanziert. Insgesamt fließen 38 Millionen Euro in die bis 2023 angelegten Forschungsvorhaben in den Bereichen Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und Technik.

"Diese Kooperation zwischen Wissenschaft, Politik und Unternehmen ist bislang einzigartig", sagt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Gleichzeitig soll das Institut wichtige ethische und rechtliche Fragen beantworten. "Die Politik wird davon profitieren, wenn sie mit der digitalen Entwicklung Schritt halten will", sagt Müller.

Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität, würdigt die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Forschung. "Digitalisierung ist schnell, vielfältig und für manche bedrohlich", sagt er. "Die Bürger erhalten jetzt einen Anlaufpunkt, um die Auswirkungen dieser Entwicklung kennenzulernen." Auch Günter Stock, Vorstandsvorsitzender der Einstein-Stiftung, benennt diese Herausforderung: "Wir müssen die Bevölkerung auf die Reise in die digitale Zukunft mitnehmen", fordert er. Gleichzeitig sollten Innovationen auch häufiger als bislang zu Investitionen führen.

Zwei Professorenstellen wurden bislang besetzt, für 30 weitere laufen die Berufungsverfahren. Deren Aufgaben wurden auch von den beteiligten Unternehmen formuliert. So erhofft sich die Bundesdruckerei neue Erkenntnisse zur IT-Sicherheit. "Die Identität eines Menschen verlagert sich immer mehr in die digitale Welt", sagt Ulrich Hamann, Vorstandschef des Unternehmens. Hier stehe man vor großen Herausforderungen. Auch der Online-Händler Zalando finanziert eine Forscherstelle. "Wie haben unglaublich viele Daten", sagt Produktmanager Philipp Erler. "Die technische Seite verstehen wir gut, aber wir wollen mehr über die Ansprüche der Kunden erfahren."

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