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Matthias Haack 07.04.2017 18:25 Uhr
Red. Neuruppin, lokales@ruppiner-anzeiger.de

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Mit dem Ältesten verjüngt Marineclub seine Flotte

Rheinsberg (RA) Rheinsbergs Marineclub (MCR) modernisierte seine Flotte. Ein Verjüngungsprozess ist dennoch nicht angeschoben. Am Sonnabend wurde "Norbert" in einer kleinen Runde zu Wasser gelassen. Er liegt nun neben dem zweiten Kutter namens "Rhin".

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Ins Herz geschlossen: Getauft wurde das fünfte Wasserfahrzeug des Vereins auf "Norbert". Das ist der primäre Vorname vom ersten Vorsitzenden, der vor zehn Jahren verstarb.

© Martin Bergemann

"Norbert" heißt der Neue und ist doch eigentlich der Alte beim MRC. Er rückte nun an jene Stelle, die bis vorigen Herbst "Triton" eingenommen hatte. Zehneinhalb Jahre lang hegten und pflegten die Clubmitglieder den von einem Berliner Verein gemieteten Kutter. Seit ein paar Monaten ist "Triton" wieder in Grünau. Ab Herbst schraubte, bohrte, ersetzte und schliff die Crew um MCR-Vorsitzenden Günter Steffens am Nachfolger. Zum Bestand zählen demnach jetzt ein Motor-, ein Segel- und ein Ruderboot für die Jugend sowie die zwei Kutter.

Bei der Internetsuche waren die Rheinsberger im Herbst auf ein Angebot vom Mecklenburgischen Seesportverein gestoßen. Für eine Summe im mittleren vierstelligen Bereich kam das Wasserfahrzeug aus dem Schweriner Ortsteil Gartenstadt in die Prinzenstadt. Beinahe die gleiche Summe investierte der MCR fürs Umrüsten, zeigt sich Steffens stolz auf die vielen Handwerker in seiner Crew. Endlose Stunden und Energie wurden bis zum Wasserlassen in den Kutter gesteckt. Denn in Schwerin diente er noch als Segelboot. In Rheinsberg wird dagegen mehr das Kutterrudern praktiziert.

Einer der vielen, die im letzten halben Jahr extrem ins Aufarbeiten investierten, ist Andreas Putzler. Obwohl sein Anfahrtsweg 26 Kilometer beträgt, pendelte er permanent zwischen Seebad Rheinsberg und seiner Werkstatt. Zudem geht auf den 45-Jährigen zurück, dass er den MCR vor zwei Jahren auf die nationale Bühne hievte. Dank seiner Motivation nahm das Rheinsberger Mixed-Team das 5 000-Meter-Kutterrennen in Angriff. Zweimal angetreten, zweimal gewonnen. Dass der MCR sogar vierfacher Deutscher Meister ist, liegt am Erfolg über die "Sprintdistanz" (ein Kilometer). Mit im Meister-Kutter - meistens sogar als Schlagmann: Andreas Putzler. Der Baumgartener erhielt am Sonnabend die Ehrennadel des Kreissportbundes in Bronze sowie in Anspielung auf seine Vorliebe vom Vereinschef einen Cola-Bembel überreicht.

Im Januar teilte Günter Steffens der Witwe des vor zehn Jahren verstorbenen Vereinschefs mit, dass aus dem Kreis der Marinegirls der Vorschlag gekommen sei, den Kutter "Norbert" zu taufen. "Ich sollte mich vorbereiten auf diesen Tag, legte mir Herr Steffens ans Herz", sagte die Rheinsbergerin bei der Taufzeremonie. Vorher war "auch noch so eine schöne Einladung auf meinen Tisch geflattert". Sie habe mit sich gerungen, diesen schwierigen Termin wahrzunehmen, gestand Brigitte Rudloff. Den Ausschlag gab ihre Tochter Andrea: "Mutti, es ist doch eine Ehre, dass die Sportler ihn noch in Erinnerung haben. Du wirst da hin gehen."

"Für meinen Mann war der Seesport bei der GST das Ein und Alles. Darin ging er auf", blickte sie zurück. Das sei schon in den ersten Jahren so gewesen, als er noch in Potsdam war. Koch hatte ihr Mann dort gelernt, ehe es die Familie in die Tucholskystadt verschlug. Zuletzt stand die Küche in der Reha-Klinik Hohenelse unter seiner Hoheit. Ihm wurde 2003 die Goldene Verdienstnadel des Verbands der Köche Deutschlands ans Revers geheftet.

Mit einem weinenden und einem strahlenden Auge verfolgt Brigitte Rudloff die Entwicklung des regionalen Wassersports. Dass inzwischen Frauen in die Männerdomäne eindringen, sei sehr gut. Bedauerlich findet sie aber, dass "so wenig Kinder dabei sind. Das tut schon weh." Mit einem Schmunzeln beantwortete sie die Frage und auch das Gespräch, ob ihr Ehemann einen zweiten Vornamen hatte. "Ja. Hermann. Gerufen wurde allerdings nur Norbert."

Brigitte Rudloff stand mitten unter den vier Dutzend Vereinsmitgliedern, als Günter Steffens kurz den Wechsel in der Vereinsflotte von "Triton" auf den ein Jahr älteren "Norbert" darlegte. Zu den Gästen gehörte Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU). Er erinnerte in seiner Rede an die Beziehungen zwischen Mensch und Technik sowie speziell zu Booten. "Wer gibt schon Flugzeugen einen Namen?", stellte er in den Raum. Das sieht bei Schiffen und Kuttern anders aus. Mit "Norbert" bleibt die Erinnerung an den ersten Club-Vorsitzenden jedoch dauerhaft.

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