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Viola Petersson 08.04.2017 06:40 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Faszination Backsteingotik

Chorin (MOZ) Er gilt als erster Denkmalpfleger Preußens und als Retter von Kloster Chorin: Karl Friedrich Schinkel. Genau 200 Jahre nach der Wiederentdeckung der Anlage durch den Baumeister beleuchtet eine Dauerausstellung die Geschichte des Gemäuers. Am Freitag wurde die Exposition mit einem Festakt eröffnet.

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Fachkundige Erläuterungen: Bauhistoriker Dirk Schumann (2. v. l.), zugleich einer der Kuratoren, erklärt Staatsministerin Monika Grütters im Cellarium, dem früheren Keller, wie das Kloster entstanden ist. Er spricht über die Formsteine und den Schmuck, be

© stapel

Am Anfang war ein Beschwerdebrief. 1817 monierte Schinkel in dem Schreiben ans Königliche Finanzministerium den Zustand von Kloster Chorin. Er appellierte an die Regierung, sie möge dem Pächter "gefälligst" die Bewahrung der Anlage auferlegen und so den Verfall stoppen. "Bey der Seltenheit dergleichen Denkmäler in dieser Provinz wird die Erhaltung eines solchen zur Pflicht", mahnte Schinkel. Das Schreiben gilt als Initialzündung, als Beginn der Denkmalpflege, der das Kloster seine Rettung verdankt.

Und deshalb steht es auch am Anfang der neuen Dauerausstellung. Lesen muss der Besucher den Brief nicht. Schauspieler Lorenz Liebold zitiert per Audiobeitrag aus dem Schreiben. Parallel kann der Gast Futtertröge und Viehtränken betrachten. Reste, bauliche Spuren, die im einstigen Brauhaus noch an die Stallnutzung zu Schinkels Zeiten erinnern. Eine Zeit, da Schweine und Kühe im Kloster gehalten wurden. Und da die Anlage sogar als Steinbruch herhalten musste.

Auch Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, ist beim Rundgang erstaunt ob der Deutlichkeit der Worte und des Nachdrucks, mit dem Schinkel für ein Ende des Kloster-Missbrauchs eintrat und die nationale Bedeutung des Denkmals klarmachte. Schon mehrfach sei sie Gast in Chorin gewesen. "Zu Konzerten beim Musiksommer an lauen Sommerabenden", verrät sie am Rande. Dabei habe sie bislang "nur" die Ruine erlebt. Mit der Exposition erfahre sie nun auch etwas über die Geschichte des Klosters. Für Grütters, die aus Münster stammt und die sich selbst als "Fan der Backsteinbaukunst" bezeichnet, ist diese Architektur nach wie vor ein "norddeutsches Phänomen" und ein "Wunder".

Wenig später erklärt die Staatsministerin in ihrer Festrede vor mehr als 200 Ehrengästen, dass Schinkel "an diesem Ort das historisch Einmalige erkannt" habe. Und entgegen seiner eigenen Maxime ("Überall ist man nur da wahrhaftig lebendig, wo man Neues schafft.") habe er hier in Chorin nichts Neues geschaffen, sondern Altes bewahrt. Womit er das Kloster rettete und eben den Grundstein für Denkmalpflege in Preußen legte. In dieser Tradition stehend, habe ihr Haus deshalb gern die Dauerausstellung finanziell unterstützt. Insgesamt fließen etwa 500 000 Euro vom Bund aus dem Programm "Invest Ost" in die Exposition, die 2018 noch um einen Teil erweitert wird. Dieser wird das geistliche Leben der Zisterziensermönche abbilden.

Reiner Walleser, Abteilungsleiter im brandenburgischen Kulturministerium, bemüht wiederum Fontane, um den märkischen Dichter auch sogleich zu widerlegen. "Alles ist tot hier, alles schweigt" notierte der Schriftsteller noch in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Doch Chorin sei heute ein überaus lebendiger Ort mit einem sehr vielfältigen kulturellen Programm - vom Choriner Musiksommer bis hin zu Kunstausstellungen im ehemaligen Infirmarium. Allein eine Exposition zur Bedeutung des Ortes fehlte bislang. Die jetzige Dauerausstellung schließe genau diese Lücke. Gleichzeitig lobt Walleser die Gemeinde Chorin, die vor vier Jahren die Bewirtschaftung des Klosters übernommen und einen Eigenbetrieb gegründet hat. Die Kommune habe damit eine große Verantwortung übernommen, "keine Kleinigkeit", wie der Ressortleiter Kultur findet. Vielmehr zeuge dieses Engagement von "Mut und Weitblick". Anerkennende Worte, die Bürgermeister Martin Horst, den Vorsitzenden des Werkausschusses Jan Engel und Klosterchefin Franziska Siedler in ihrem Bemühen bestärken dürften.

Mit der Einrichtung der neuen Dauerausstellung und eigens dafür wurden Teile des Klosters erschlossen, die bislang nicht zugänglich waren. Beispielsweise das Cellarium, der Vorratsraum der Mönche. Auf diesen Aspekt weist vor allem Landeskonservator Thomas Drachenberg hin. Die Sanierung des Westflügels sei die "letzte große bauliche Maßnahme seit 1994" gewesen. "Lust und Last sind jetzt geschafft", so Drachenberg. Um prompt zu präzisieren: Bei einem Denkmal gebe es eigentlich nie eine letzte Etappe. Denn es komme nun darauf an, "Pflege und Reparatur" zu organisieren. Und zwar kontinuierlich. Aufgabe der Denkmalpflege sei nicht die Rekonstruktion, sondern "das Erhalten der Substanz", auch wenn diese "unvollständig und ruinös" sei, definiert Drachenberg das Selbstverständnis und den Anspruch des brandenburgischen Denkmalpflegeamtes. Chorin sei ein "großartiges Beispiel für den Umgang mit Baugeschichte".

Und: Es belege eindrucksvoll, "warum wir heute so viel Geld für Denkmalpflege ausgeben", sagt Monika Grütters, die die Bundeszuschüsse im Kloster als "gut angelegt" ansieht.

Die Ausstellung ist ab sofort für Besucher geöffnet; um 11, 13 und 15 Uhr führen am Sonnabend die Kuratoren durch die Exposition im Cellarium und Brauhaus.

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