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Wolf unter Verdacht: Lamm in Nieder Neuendorf gerissen

Tilman Trebs / 10.05.2017, 06:57 Uhr
Nieder Neuendorf (OGA) Auf einer Weide des Nieder Neuendorfer Pferdegartens Wildrosenhof ist am Montagmorgen ein gerissenes Lamm entdeckt worden. Die Eigentümer sind sich sicher: Es war ein Wolf. Der Kremmener Sachverständige Hans-Rainer Senger glaubt das allerdings nicht.

Es war gegen 8 Uhr am Montag, als Uwe Schneider vom Wildrosenhof das Mutterschaf laut blöken hörte. Irgendetwas stimmte nicht. Schneider schaute nach dem Rechten. Ein Lamm fehlte, das einzige schwarze in der Herde. Es war erst vor ungefähr zwei Monaten zur Welt gekommen und Schneider längst ans Herz gewachsen. "Es war das Letztgeborene, am Anfang schmächtiger als alle anderen. Aber es holte schnell auf." Als Schneider das Lamm am Montagmorgen fand, war von dem Tier nicht mehr viel übrig. Im Weidegras liegen das Fell und Knochen. "Es war komplett ausgeweidet, die Eingeweide aufgefressen", sagt Schneider. Am Dienstmorgen sind auch die Knochen weg. "Vielleicht hat sie heute Nacht der Fuchs geholt."

Dass der auch der Übeltäter in der Nacht zuvor war, glauben weder Uwe Schneider noch Hofbetreiberin Ulrike Struck. "Ein Fuchs beißt einem Schaf nicht den Kopf ab", erklärt Schneider. Auch ein Hund hätte mehr als Haut und Knochen übrig gelassen. Ulrike Struck sagt, dass ein Nachbar, dessen Weide nur 300 Meter vom Wildrosenhof entfernt auf Schönwalder Gemarkung liegt, erst vor wenigen Tagen einen Wolf entdeckt habe. "Auch bei Marwitz ist ja neulich ein Wolfspärchen gesehen worden." Und im Januar war ein junger Wolf auf der Autobahn bei Stolpe von einem Auto überfahren worden.

Ausgeschlossen, dass Wölfe in der Gegend ihr Unwesen treiben, ist also nicht. Dennoch glaubt der Kremmener Wolfsexperte Hans-Rainer Senger nicht, dass Isegrimm das kleine Lamm auf dem Gewissen hat. Er war noch am Montag zum Tatort geeilt. "Der Beutegreifer war kein Wolf. Dann sähen die Bissspuren anders aus", meint der pensionierte Tierarzt. Er gilt im Land als sogenannter "Wolfskundiger" und hat sich in einem Lehrgang zum Thema Wölfe fortgebildet. Nach seiner Ansicht, handelte es sich um einen Fuchs, dessen Kot auch auf der Wiese zu finden war. Über die Wiese verstreut hat der 72-Jährige aus Moorhof bei Kremmen Beckengürtel und weitere Knochenteile gefunden, das deute darauf hin, dass es ein Fuchs oder ein Hund gewesen sein könnte. Ein Wolf hätte nichts übrig gelassen. Außerdem konnte er nirgends Wolfähnlichen Kot finden. Senger habe den Zaun geprüft und der sei leicht zu überwinden gewesen. Wenn er Haare in den Resten gefunden hätte, wären die zu einem Gen-Test geschickt worden.

Ulrike Struck und Uwe Schneider überrascht die Erklärung. Noch am Montag habe der Experte vor Ort keinen Zweifel daran gelassen, dass ein Wolf das Schaf gerissen hat. Sie haben deshalb die Betreiber der Nachbarhöfe informiert. "Wir haben nichts gegen den Wolf", sagt Ulrike Struck. "Aber wenn es mehr werden, hat das eben auch Auswirkungen für Landwirte und Pferdehöfe. Das hat man hier offenbar gesehen."

Einige Nachbarn in Nieder Neuendorf lassen ihre Weiden inzwischen von Herdehunden schützen, sagt Ulrike Struck. Für sie kommen die Hunde nicht in Frage. "Bei uns auf dem Pferdehof sind oft Kinder. Das ist uns zu gefährlich." Sie will lieber ein zweites Muli anschaffen, ein Maultier, das Wölfe ebenfalls von Weiden fernhält. Auch wenn ihr Schaf am Montag nicht von einem Wolf gerissen wurde, ist für Ulrike Struck klar: "Der Wolf ist vor den Toren Berlins angekommen. Damit müssen wir nun umgehen."

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