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Tatort Lücke

© Foto: MUseum Eberswalde
Viola Petersson / 16.05.2017, 05:43 Uhr
Eberswalde (MOZ) Tatort - das klingt nach Ermittlungsarbeit und kriminalistischem Spürsinn. Genau darum geht es auch beim Projekt "Tatort Lücke". Es gilt, hinter das Geheimnis von Lücken im Stadtbild zu kommen. Museum und Kanaltheater haben sich mit der Idee bei der Bundeskulturstiftung um Förderung beworben.

Das erste Rathaus am Markt, es ist verschwunden. Das Messingwerk zum Teil ebenso. Die südliche Bebauung entlang der heutigen Friedrich-Ebert-Straße - weg. Auch den Kaiser-Wilhelm-Aussichtsturm gibt es nicht mehr. Kriege haben Lücken gerissen in der Stadt. Doch nicht nur die. Manches, wie das Ruhmesmuseum, fiel auch der gesellschaftlichen Entwicklung, politischen Umbrüchen zum Opfer. Oder schlicht der Abrissbirne. Musste Neubauprojekten weichen. Manche Lücke wurde geschlossen, manche blieb. Eine Wunde im Stadtbild.

Das Museum Eberswalde und das Kanaltheater wollen mit "Tatort Lücke" sogenannte Leerstellen in der Stadt aufspüren und untersuchen, Orte, die durch Zerstörung in Vergessenheit geraten sind. Orte, deren Geschichte vom Gras der Zeit überwachsen ist. "Tatort Lücke" sei ein Stadtkrimi, heißt es in der Konzeption. Die Stadtbewohner sowie ein Team vom Museum und vom Kanaltheater - sie alle seien Kommissare, Gerichtsmediziner, Profiler, Ermittler, besorgte Nachbarn, Zeugen. Sie schauen gemeinsam auf die Lücken und legen deren Geschichte frei, klären auf.

Und zwar in Form eines sogenannten Re-Enactments (engl. für Wiederaufführung, Nachstellen). Also als Neuinszenierung. "Wir kombinieren die Faszination des Krimis mit dem Format des Re-Enactmans", so die "Tatort Lücke"-Regisseure. Die theatrale Wiederholung ermögliche es, Zusammenhänge neu herzustellen, und eröffne zugleich neue Blickrichtungen. In einem Verfahren, das noch in diesem Jahr mit einer "Eröffnungsperformance" starten könnte, sollen sechs Leerstellen für die Inszenierungen ausgewählt werden. Danach, so die Initiatoren, beginne die eigentliche Arbeit, die Recherchephase. Dafür richtet die Ermittlergruppe ein "Hauptquartier" ein - im Dachgeschoss des Stadtmuseums. Aber sie begibt sich natürlich auch direkt an die Orte des Geschehens, an die Tatorte. Ab März 2018 sollen die Ergebnisse der kriminologischen Untersuchungen dann präsentiert werden. Bei sechs Premieren. Parallel wird ein digitaler Wissensspeicher aufgebaut, der die Forschungsresultate dokumentiert und nachhaltig zugänglich macht.

Anliegen des Projektes ist es, dem Museum neue Besucherkreise, neue Partner zu erschließen und neue Formate in der Arbeit mit Geschichte auszuprobieren. Dies wiederum mit dem Ziel, die Beschäftigung mit der Heimatgeschichte stärker in der Stadtgesellschaft zu verankern. Museum und Kanaltheater haben sich mit dem Projekt im Rahmen des Programms "Stadtgefährten" bei der Kulturstiftung des Bundes um eine Förderung beworben. Bei Projektkosten von 150 000 Euro winken Zuschüsse von 135 000 Euro. Die Würfel bei der Stiftung sind bereits gefallen. Am 10. Mai. Am Mittwoch soll die Entscheidung bekannt gegeben werden. Die Spannung steigt also. Kai Jahns, Produktionsleiter des Kanaltheaters, hat unterdessen schon seine "Lieblingslücke", wie er es nennt, gefunden: Las Vegas. Eberswalder, die jetzt im Dunkeln tappen sollten, müssen sich etwas in Geduld fassen. Bis zur Lösung des Falls vielleicht in einem Jahr.

Das Eberswalder Kanaltheater arbeitet seit fünf Jahren als sogenanntes Community-Theater, das heißt: Profis arbeiten gemeinsam mit Laien zusammen. Mit stadtgeschichtlichen Themen hat sich das Ensemble bereits in zwei Stücken auseinandergesetzt, in "Die heilige Gaby des SVKE" (Geschichte des Fleischwerkes) sowie "verschleppt jung ohne ich" (Schicksal von Überlebenden des KZ-Außenlagers Eisenspalterei).

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