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Julia Lehmann 20.05.2017 06:10 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Bangen um die Obsternte

Eberswalde (MOZ) Kirsche und andere standen schon in Blüte, als es nochmal richtig kalt wurde. Auf bis zu minus sieben Grad fiel das Thermometer in Brandenburg in einigen Aprilnächten. Die Erträge der Obstbauern wird das laut Gartenbauverband Brandenburg stark schmälern.

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Prüfender Blick: Den Johannisbeersträuchern von Kleingärtner Wolfgang Krüger aus Eberswalde hat der Frost im April stark zugesetzt. Ganz verloren ist die Ernte nicht. Aus den noch grünen Beeren werden bald rot leuchtende. Der 78-Jährige rechnet aber mit w

© MOZ/Thomas Burckhardt

Graupel, Schneefall, Minusgrade - wem das Wetter im April bei den zurzeit sommerlichen Temperaturen schon nicht mehr gegenwärtig ist, hier der Rückblick: "Vor Ostern gab es einen Kälteeinbruch. Gerade die Nächte um den 19. und 20. April waren extreme Frostnächte", sagt Andreas Jende. Der 48-Jährige ist Geschäftsführer des Gartenbauverbands Berlin-Brandenburg. Viele der 50 dort organisierten Betriebe hätten gemeldet, dass die nächtlichen Temperaturen mit bis zu minus sieben Grad schwere Folgen bei Obst- und Gemüse hinterlassen hätten.

"Die Kirschblüte ist fast vollständig zerstört worden", sagt Andreas Jende. Kirschen aus Brandenburg werde es in diesem Jahr wohl nur wenige geben, prophezeit er. Auch bei Aprikosen, Pfirsichen und Äpfeln geht er von unterdurchschnittlichen Erträgen aus. Erdbeeren könnten ebenfalls betroffen sein. Bei den frühen Sorten sind die Blüten abgefroren. Jende geht davon aus, dass 30 bis 70 Prozent der Erdbeerernte verloren geht und die Pflanzen kleinere Fruchtkörper ausbilden. "Leider gibt es für die Landwirte nur wenig Möglichkeiten ihre Pflanzen, davor zu schützen", sagt Jende.

Eine übliche Methode ist die Frostschutzberegnung, mit der man die Temperatur um drei bis fünf Grad anheben kann. Frostereignisse sind in den Frühlingsmonaten stets latent gegeben. Nicht umsonst haben sich die Tage vom 11. bis 15. Mai als kritische Zeit, als Eisheilige, eingebürgert. Dennoch: "Wir stellen fest, dass immer häufiger warme und sehr kühle Perioden aufeinanderfolgen", sagt Jende.

Dauerhafte Schäden hat das weder für Obst- und Gemüse noch für Zierpflanzen. Für die Bauern fallen aber die Erträge und somit auch der Umsatz aus. In die Pflanzenpflege investieren sie dennoch ganzjährig.

Was passiert eigentlich mit Blüten und Blättern, wenn sie dem Frost ausgesetzt sind? Harald Schill, Direktor des Forstbotanischen Gartens der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, kann das am realistischen Beispiel erklären. Die braunen, schrumpeligen Blätter an der Mandschurischen Walnuss im Garten sprechen eine klare Sprache. "Da erfolgen Schäden auf Zellebene", erklärt Schill. Ein junges Blatt bestehe aus noch weichen Zellwänden, die sich erst später verholzen. Wenn Flüssigkeit gefriert, dehnt sie sich bekanntermaßen aus. Die Folge: Die Zellen platzen, das Gewebe wird zerstört.

"Das Frühjahr war deshalb so grausam, weil der März so warm war", sagt Harald Schill. Bäume und Sträucher hätten da bereits mit dem Blätter- und Blütenwachstum begonnen. Dann kam der Umschwung. Die ausgebildeten Blätter sterben ab. Um neue zu bilden, benötigt die Pflanze viel Energie. Blüten und Blätter werden weniger üppig.

Besonders eingeschleppte Pflanzenarten wie die Wildkirsche und -apfel oder Edelkastanie sind für derart niedrige Temperaturen nicht geschaffen. Einheimische Arten wie die Fichte würden dagegen Temperaturen bis zu 70 Grad unter Null aushalten, erzählt Harald Schill.

Spuren der Kälte beklagt auch Wolfgang Krüger in seinem Kleingarten in der Sparte Sonnenstein e.V. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon einmal so starke Frostschäden hatte", sagt der 78-Jährige. Und er hat seinen Garten seit 1983. Johannisbeeren, Pfirsiche und Apfel sind zum Teil nicht zu retten. Seine Rhododendron-Büsche hatte er mit Planen abgedeckt.

Alle Hoffnung fahren lassen wollen weder Kleingärtner noch Gartenbauverband. Andreas Jende weist auf den Start der Erdbeersaison am 24. Mai hin. Viele Freilandfelder sind dann bereit zur Selbstpflücke. "Meine Botschaft ist, sich selbst ein Bild von der diesjährigen Ernte zu machen", so Jende.

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