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Vom Glaube und Unglaube

Umrahmt von Besuchern: Hermann Kleinknecht (Mitte) bei seiner Ausstellungseröffnung "InBilder"
Umrahmt von Besuchern: Hermann Kleinknecht (Mitte) bei seiner Ausstellungseröffnung "InBilder" © Foto: MOZ/Katrin Hartmann
Katrin Hartmann / 20.05.2017, 07:11 Uhr
Wriezen (MOZ) "InBilder - das sind Bilder, die wir in uns tragen. Schreckliche, aber auch tröstliche Erinnerungen." Einen Blick nach innen gewagt hat der Künstler Hermann Kleinknecht. Seine Werke mit Bezug auf Glaube und Unglaube sind noch bis Ende August im Turm der Marienkirche zu sehen.

Wer nicht genau hinguckt, sieht die Details nicht. Erst in einem bestimmten Winkel lässt sich der Spruch auf dem gold- und rotschimmernden Aluminiumstück lesen. "Jeder in dieser Stadt muss getötet werden", steht dort geschrieben. Etwa zehn Zentimeter darüber hängt die Abbildung eines Auges, dessen blaue Iris mit einer Zielscheibe überdeckt ist. "Das wachende Auge Gottes ist zur Zielscheibe geworden", sagt ein Mann, der das Kunstwerk von Hermann Kleinknecht näher betrachtet. Wahrlich ein Fundstück gegenwärtiger Zeit. Den schimmernden Schnipsel hat der Künstler auf dem Berliner Oranienplatz gefunden, sagt Hermann Kleinknecht. "Unglaublich", entgegnet der Besucher.

Es ist in der Tat unglaublich. Denn neben dieser verqueren Nachricht hat Kleinknecht viele Versionen der Maria aufgehangen. Mal als Relief, mal als restaurierte Skulptur, mal als Grafitzeichnung.

Glaube und Unglaube - zwei Gedankengänge, die nah bei einander liegen. Das wird zumindest in der am Donnerstag eröffneten Ausstellung "InBilder" von Hermann Kleinknecht deutlich. "Hermann Kleinknecht füllt den Raum, den wir in uns tragen mit Bildern", sagt Pfarrer Christian Moritz bei der Vernissage. "Der Titel, InBilder, verdeutlicht genau das, welche Gefühle bei uns geweckt werden", führt Moritz fort.

Auf fünf Etagen hat Kleinknecht Skulpturen, Malereien, Zeichnungen, Plastiken, Figuren und andere Werke ausgestellt, die sich mit dem Thema Reformation und Martin Luther befassen. Gleich in der ersten Etage ist ein Spiegelkasten zu sehen, aus dem mehrere Abbildungen Luthers schauen. "Das ist der doppelte Luther", sagt Hermann Kleinknecht. Ein Luther mit mehreren Gesichtern, weil der Reformator mehr als nur eine Seite hatte. "Denkt man nur an seine Einstellung gegenüber dem Judentum", erinnert Kleinknecht an die antisemitische Seite Luthers. Aus dieser Vielfalt hat der Künstler dem Wirken und Nachwirken der Reformation ein künstlerisches Gesicht gegeben.

Im zweiten Stock - dem sogenannten Dunkelraum - begegnen Besucher schwarzen Tüchern, die Anhäufungen verbergen, dazwischen eine unechte Krähe, die einen wegen ihrer täuschenden Echtheit zunächst erschrecken lässt. In den weiteren Stockwerken lassen sich Malereien von der Maria entdecken sowie eine rote Lederhaut, auf der seitlich die Namen von Kriegsorten weltweit eingebrannt sind.

Zunächst am weitesten vom Gedanken des Glaubens und der Reformation entfernt, scheint die Schlangenhaut einer Boa constrictor. "Wo ist die Verbindung zwischen Schlangenhaut und Jesus?", fragt Hermann Kleinknecht. Diese Verbindung, so wirkt es, ergibt sich dem Besucher erst bei genauerem Nachdenken - die Boa constrictor, auch Abgottschlange genannt, erinnert ans biblische Paradies. "Die Haut stammt aus dem Familienbesitz", sagt Hermann Kleinknecht. "Ich habe sie irgendwann einmal in mein Atelier mitgenommen und fand sie für die Ausstellung durchaus passend", so der Berliner Künstler, der in Eichwerder ein Atelier hat.

Die religiöse Verbindung vom biblischen Paradies zur Gegenwart schafft Kleinknecht mit einer schlichten Pappbox. Darin zeigt sich hinter einem Schlitz das Bild eines toten Jungen aus Syrien am Strand im türkischen Ferienort Bodrum, welches weltweit für Schlagzeilen in den Medien gesorgt hat. Ein Bild für Glaube und Unglaube. Ganz nah beieinander.

"InBilder" ist noch bis zum 31. August im Turm der Marienkirche zu sehen. Öffnungszeiten: Mo bis Fr von 9 bis 12 Uhr, Di und Do von 13 bis 17 Uhr und Sa und So nach telefonischer Vereinbarung unter 0176 24154654

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