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Maria Neuendorff 20.05.2017 07:29 Uhr

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Kleingärtner wollen sich mehr öffnen

Berlin (MOZ) Sie heißen "Sorgenfrei", "Gemütlichkeit" und "Harmonie". Doch die Zukunft mancher Kleingartenanlage in Berlin ist alles andere als rosig. Viele sind durch den Bauboom bedroht. Um eine Lobby zu bekommen, will der Kleingartenverband die Anlagen für die Allgemeinheit öffnen.

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Eine S-Bahn fährt am 13.09.2005 in Berlin an einer Kleingartenanlage vorbei.

© dpa

Seit vor zwei Jahren die Kleingartenanlagen am S-Bahnhof Plänterwald in den Fokus der Wohnungsbauer gerückt sind, haben sich dort zehn Vereine zu einer Initiative zusammengeschlossen. Gärtner fotografieren und dokumentieren jedes seltene Insekt. Die Wege wurden für den Publikumsverkehr verbreitert und vor kurzem ein Kleingartenpark für die Öffentlichkeit eingeweiht. "Das ist genau der richtige Weg", berichtet Günter Landgraf, Vorsitzender des Berliner Landesverbandes, am Freitag im Park Inn Hotel am Alexanderplatz. Dort trafen sich 250 Mitglieder aus ganz Deutschland zu einem Kongress, um die Zukunft des Kleingartenwesens zu diskutieren.

Ein wichtiges Thema ist der zunehmende Druck auf die Schrebergärten in den Städten. "Eine nachhaltige Stadtplanung muss uns mit einbeziehen", meint Peter Paschke, Präsident des Bundesverbandes der Gartenfreunde (BDG). Er will nicht, dass Wohnungsbau und Kleingärten gegeneinander ausgespielt werden. Denn das eine bedingt das andere, findet der Verbandschef. "Die Kolonien verbessern die Luftqualität und das Stadtklima, mindern Hitze und Lärm." Eine Lösung wäre Paschke zufolge, ökologisch bewirtschaftete Kleingärten als Ausgleichsflächen für Neubau anzuerkennen.

Im Gegenzug will sich der Verband, unter dem deutschlandweit rund eine Millionen Kleingärtner vereinigt sind, öffnen und mehr Erholungsraum für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Gemeinschaftsgärten, Grüne Klassenzimmer, öffentliche Spielplätze, parkähnliche Anlagen seien solchen Projekte, die zwar erst einmal mit Fördermitteln errichtet, dann aber von den einzelnen Vereinen kostenlos weitergepflegt werden könnten, erklärt Paschke

Denn obwohl Berlin mit 67 000 Parzellen und 738 Vereinen als Deutschlands Kleingartenhochburg gilt, ist es für viele Bewohner schwer, überhaupt noch eine eigene Scholle zu finden. "Auf der Warteliste stehen derzeit rund 14 000 Interessenten", sagt Günter Landgraf. Im Gegenzug seien derzeit zig Anlagen immer noch akut bedroht, weil die Kleingarten-Vereine generell keine Grundeigentümer sind. Die Schutzfrist für 134 Kolonien, die der Senat 2014 nach großen Protesten einführte, läuft 2020 aus.

Erst im April hat die DB Immobilien ein 39 000 Quadratmeter großes Kleingarten-Areal in Marzahn ohne das Wissen der Pächter im Internet angeboten. "Seit ein paar Jahren verkauft die Bahn Grundstücke vermehrt an Spekulanten, weil die das meiste Geld auf den Tisch legen", sagt auch Friedrich Pils, Bundessprecher des BDG. Nur die Politik könne dem einen Riegel vorschieben, in dem sie die Kleingärten als Grünflächen ausgibt und keine Baugenehmigungen erteilt.

Während in Berlin um die Kolonien gekämpft wird, muss in Brandenburg teilweise der Rückbau verwaltet werden. "Parzellen in Eisenhüttenstadt wurden mir schon für 50 Euro angeboten", sagt Alexandra Stern von Laupi GmbH. Seit 2013 vermittelt sie mit ihrer Agentur in Prenzlauer Berg Pacht- und Eigentumsgrundstücke. "Derzeit habe ich 1500 Kunden in der Kartei, die latent auf der Suche nach einem Garten sind. Doch gerade für Familien mit kleinen Kindern sei es oft unmöglich, für die eigene Scholle regelmäßig anderthalb Stunden nach Brandenburg zu fahren. So vermittelt sie inzwischen auch Gartenpaten, die sich die Wochenendschollen und damit auch die Pflege einfach teilen.

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