Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gestapo-Chef Müller soll auf jüdischem Friedhof liegen

Zeitgenössische Aufnahme des Gestapo-Chefs Heinrich Müller, der auf einem jüdischen Friedhof beerdigt sein soll.
Zeitgenössische Aufnahme des Gestapo-Chefs Heinrich Müller, der auf einem jüdischen Friedhof beerdigt sein soll. © Foto: dpa
31.10.2013, 16:19 Uhr
Berlin (DPA) Heinrich Müller, der berüchtigte Chef von Hitlers Geheimer Staatspolizei (Gestapo) und einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust, ist nach Angaben des Historikers Johannes Tuchel 1945 auf einem jüdischen Friedhof in Berlin beerdigt worden. Nach seinen Recherchen sei Müller in einem Massengrab auf dem Friedhof in der Großen Hamburger Straße beigesetzt worden, sagte der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin. Tuchel bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung.

Der Wissenschaftler beruft sich auf Archivfunde und Aussagen eines Totengräbers, der Müller identifizierte und im August 1945 zusammen mit anderen Leichen auf dem von den Nazis 1943 zerstörten jüdischen Friedhof in Berlin-Mitte anonym beerdigte. Der Gestapo-Chef, Vorgesetzter des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann im Reichssicherheitshauptamt, hatte in der Nacht zum 2. Mai 1945 angesichts der bevorstehenden deutschen Niederlage unter Vertrauten erklärt, dass er sich das Leben nehmen wolle. "Es gibt kein NS-Verbrechen, an dem Müller nicht in irgendeiner Form beteiligt war", sagte Tuchel.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin sei sich bewusst, dass auf dem Gelände in der Großen Hamburger Straße auch viele Nichtjuden, darunter Nazis, begraben liegen, erklärte ein Sprecher. Dies löse starkes Unbehagen aus. Es gebe aber noch keine Lösung für einen würdevollen Umgang mit der Lage. Aus jüdischer Sicht müsse der Friedhof auf Ewigkeit bestehenbleiben.

Westliche Geheimdienste glaubten noch lange nach 1945, dass "Gestapo-Müller" den Krieg überlebt habe. Im Sommer 1949 vermuteten ihn die Geheimdienstler im tschechischen Karlsbad. Später soll seine Spur unter anderem nach Albanien und auch nach Südamerika geführt haben.

"Es ist unverständlich, dass der Totengräber nur einmal von der Polizei vernommen wurde", sagte Tuchel. Nach seinen Recherchen wurde Müllers Leiche im August 1945 in einem provisorischen Grab in der Nähe des ehemaligen Reichsluftfahrtministeriums von einem Beerdigungskommando gefunden. Historischen Dokumenten zufolge wurde der NS-Verbrecher damals eindeutig identifiziert. Müllers Leiche habe eine Generalsuniform getragen. In der inneren, linken Brusttasche steckte unter anderem sein Dienstausweis mit einem Foto.

Tuchel hatte sich für Müllers Schicksal bei Untersuchungen über eine vom Gestapo-Chef geleitete Mordaktion im Berliner Gefängnis in der Lehrter Straße interessiert. Unter Müllers Kommando waren dort Ende April 1945 18 Häftlinge erschossen worden, darunter der Widerstandskämpfer Albrecht von Bernstorff und der Schriftsteller Albrecht Haushofer, der ebenfalls dem Widerstand angehörte.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Dieter Graumann, sagte der "Bild"-Zeitung: "Dass einer der brutalsten Nazis-Sadisten ausgerechnet auf einem jüdischen Friedhof begraben ist, das ist eine geschmacklose Ungeheuerlichkeit. Hier wird das Andenken der Opfer grobschlächtig mit Füßen getreten."

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG