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Ina Matthes 20.05.2017 17:21 Uhr
Red. ,

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Flaschenfänger

(MOZ) Es hätte ein so schöner Urlaub werden können, am Strand von Elba. Doch eines Nachmittags dreht der Wind landeinwärts. Und das Meer spuckt aus: Tüten, Plasteflaschen, Kaffeebecher, diverse Hygieneartikel klatschen den Badegästen gegen die Waden.

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Müllabfuhr im Meer. Mit diesen treibenden Barrieren will Ocean Cleanup den Plasteabfall einsammeln. Ende dieses Jahres soll ein Versuchssystem im Pazifik getestet werden.

© Ocean Cleanup

Boyan Slat ging es als Taucher ähnlich. Beim Schnorcheln vor Griechenland sichtete er mehr Einkaufstüten als Fische. Der Niederländer hat daraufhin Ocean Cleanup gegründet, mit 18. Jetzt ist er 22 und macht sich daran, die Weltmeere zu putzen. Mit Plastefängern. Sie ähneln den Schwimmnudeln für die Anfänger im Hallenbad. Nur dass Slats Ozean-Nudeln wie ein V geformt sind. Unter diesen V-Fängern hängen Treibanker im Wasser, die sie stabilisieren. So driften Slats Müllsammler übers Wasser. Die Strömung treibt die Plasteschwärme in die Spitzen dieser Fangvorrichtungen. Schiffe sollen den Müll dort herausfischen und zum Recyceln verfrachten. Das ist die Idee, die Geldgeber wie den PayPal-Milliardär Peter Thiel und den Chemiekonzern DSM überzeugte. Boyan Slat hat 22 Millionen Dollar zusammen. 2018 will Cleanup beginnen, den pazifischen Müllstrudel nahe Hawaii wegzuputzen. Fürs erste zur Hälfte.

Ein Anfang, denn: Es drehen sich vier weitere Müllkreisel in den Ozeanen. Und Boyan Slat erwischt nur den Dreck, der oben schwimmt. Zigarettenfilter zum Beispiel unterwandern seine Fangversuche in etwa 1,20 Meter Tiefe. Selbst vor Grönland in 2500 Meter Tiefe wurden reichlich Plastefetzen gefunden. Einige dieser Kunststoffe haben Halbwertszeiten wie mancher Atommüll - Jahrhunderte. Etliche verrotten nicht, keine Mikrobe mag sich mit dem Zeug abmühen. Oder vielleicht doch, ein paar Plastefresser scheint es zu geben. Japaner haben in einer Recyclinganlage ein Bakterium gefunden, das sich ans Verdauen von Verpackungen gewöhnt hat. Eine Forscherin entdeckte jüngst Mottenraupen, die Tüten löchrig fressen. Es sind Wachsmotten, die in Bienenstöcken leben - im Salzwasser aber vielleicht gerade als Fischfutter taugen. Bislang wissen die Wissenschaftler nicht einmal, warum die Raupe Plaste verträgt. Liegt's an Darmbakterien? Stellt sie ein Enzym her? Selbst wenn die Wissenschaftler ein Flaschen zersetzendes Wunderenzym finden, dauert es Jahre, bis das en masse einsetzbar ist. Jahre, in denen Slat gegen nachwachsende Strudel kämpft. Denn der Meer-Müll nimmt zu. Selbst wenn es irgendwann ein Wundermittel gegen das Unverrottbare gibt, muss man den Müll erst zusammentragen, um ihn darin aufzulösen.

Bleibt am Ende: Einsammeln. Bernhard Bauske von der Umweltorganisation WWF ist auch dafür: Nur will er an anderer Stelle sammeln als Ocean Cleanup. Dort, wo der Müll anfällt. Und am besten mit gelben Säcken wie in Deutschland. "Das funktioniert aber nur, wenn es finanziert wird", meint Bauske. "Da sind die Unternehmen in der Pflicht." Unternehmen aus Asien vor allem, denn von dort stammt das Gros des Abfalls. Spitzenreiter ist der größte Plasteproduzent der Welt, China. Hinzu kommen Vietnam, Indonesien, Thailand oder die Philippinen, wo es in ländlichen Regionen kaum eine Müllabfuhr gibt. Abfälle landen in Flüssen, dann im Meer. Mitunter werden sie auch illegal entsorgt. Oder von Touristen achtlos liegen gelassen. Der Hauptplastemüll an Stränden sind übrigens die Zigarettenfilter aus dem Kunststoff Celluloseacetat. Ein Grund mehr für ein Tabakwerbeverbot, auch in Deutschland.

Fragen und Meinungen zu Nachgeforscht an: cvd@moz.de

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