Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Köln feiert «Europapokaaal» - Modeste und Co. stürmen PK

Kurz vor der Pause traf Jonas Hector zur 1:0-Führung.
Kurz vor der Pause traf Jonas Hector zur 1:0-Führung. © Foto: Jonas Güttler/dpa
dpa-infocom / 20.05.2017, 19:22 Uhr - Aktualisiert 20.05.2017, 19:18
Köln (dpa) Vor der Party-Wut von Anthony Modeste war an diesem Tag für die Vereins-Historie niemand sicher. Nachdem ihn die Fans auf Händen getragen hatten, suchte der Torjäger des 1. FC Köln mit Freudentränen in den Augen zunächst ein bisschen Ruhe - dann drehte er richtig auf.

Zunächst verpasste er mit einem Fünf-Liter-Glas sämtlichen Journalisten eine Bierdusche, dann stürmte er mit einer Handvoll Kollegen die Pressekonferenz und knöpfte sich Trainer Peter Stöger vor.

Der Coach wusste schon, was ihn nach dem 2:0 (1:0) gegen Mainz 05 und dem ersten Einzug in den Europacup seit 25 Jahren erwartete - nur verhindern konnte er es nicht. «Macht keinen Scheiß», sagte der Österreicher, als er Modeste und seine Kollegen mit Biergläsern bewaffnet in den ersten beiden Reihen erblickte. Allein, es nutzte nichts. Kaum hatte der Trainer seine Ausführungen mit den Worten «Keine Fragen heute» beendet, stürmten die Spieler auf ihn zu und gossen ihm literweise Kölsch über den Kopf. «Nächstes Jahr sind hier maximal noch fünf Spieler von Euch hier», erklärte er und verpasste Leonardo Bittencourt zwei ironisch gemeinte Ohrfeigen.

Schon als die Fans den Platz gestürmt hatten und sich die Spieler mit vorgefertigten «Europapokaaal»-Shirts und einem Megafon auf der Tribüne feiern ließen, hätte Stöger lieber den stillen Beobachter gegeben und sich in die Katakomben verzogen. Doch sein Assistent Manfred Schmid packte ihn und trug ihn zur jubelnden Meute. Bittencourt war es schließlich, der den ultimativen Party-Befehl ausgab. «Heute gibt es keine Grenzen», sagte er: «Heute lassen wir alle das Auto stehen. Heute wird die ganze Stadt brennen.»

8998 Tage war an diesem Samstag das 160. und bisher letzte Europacup-Spiel des FC her - im September 1992 gab es bei Celtic Glasgow eine 0:3-Niederlage. Torhüter Timo Horn, im Mai 1993 geboren, hat somit noch keines erlebt. «Ich kenne das nur von Erzählungen von meinen Eltern und Großeltern», sagte der gebürtige Kölner, der als Jugendlicher in der Südkurve gestanden hatte.

Nach dem Sieg durch Tore von Nationalspieler Jonas Hector (43.) und Yuya Osako (87.) wurden die vor dem Saisonfinale auf Platz sieben stehenden Kölner noch Fünfter - somit ersparen sie sich nicht nur das einwöchige Zusatzzittern bis zum Pokalfinale, sondern auch gleich noch die Qualifikation. «Das ist perfekt», meinte Sportchef Jörg Schmadkte: «Wir können durchfeiern ohne Eventualitäten.»

Auf Schmadtke, der schon die Außenseiter Alemannia Aachen und Hannover 96 in den Europacup führte, wartet nun viel Arbeit. Er darf mit zusätzlichen Einnahmen planen, muss aber einen größeren Kader als geplant zusammenstellen. Einen kompletten Umbau schloss er aber noch in der Stunde des Erfolgs aus. «Man hat gesehen, dass wir eine gute Mannschaft haben. Im Gros werden wir sicher zusammenbleiben», erklärte er, war sich aber bewusst, dass er im Kampf um begehrte Spieler nun zusätzliche Argumente hat: «Vielleicht können wir nun noch ein I-Tüpfelchen setzen.»

Derweil beendeten die in der Vorwoche geretteten Mainzer die Saison als 15. - so schlecht wie seit zehn Jahren nicht. Trainer Martin Schmidt geht aber offenbar davon aus, dass er nicht sein letztes Spiel als 05-Coach absolvierte. «Wir sehen uns nächstes Jahr», sagte er.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG