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Die Frau an Luthers Seite

Heike Fleischer als Katharina von Bora.
Heike Fleischer als Katharina von Bora. © Foto: Augustiniak
Helmut Augustiniak / 20.05.2017, 20:51 Uhr
Berge (MOZ) Wer kennt Katharina von Bora? Es ist nur eine Minderheit in der deutschen Bevölkerung, auch unter dem sogenannten Bildungsbürgertum. Das Reformationsjubiläum der evangelischen Kirche in diesem Jahr bringt den Interessierten diese Persönlichkeit näher. Es war die Ehefrau von Martin Luther.

Der Auftakt zu Vorträgen über Katharina von Bora im Rahmen der im Havelland geplanten 95 Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum wurde in der Dorfkirche Peter & Paul in Berge bei Nauen gegeben. In der schönen und prunkvoll ausgestatteten kleinen Kirche fand eine Lesung mit dem Titel "Katharina von Bora - Die Frau an seiner Seite" statt. Akteure waren die Mitglieder des Fördervereins der Kirche Berge und der Kirchgemeinde. Brigitte Richter und Heike Fleischer (Text) und Kantor Holger Wiesner (Orgel) ließen in einer schönen Atmosphäre die Anfangszeit der Reformation erstehen. Die Beschäftigung mit dem Leben der Ehefrau Luthers machte die Ikone Martin Luther menschlicher.

Katharina von Bora wurde in einer verarmten Adelsfamilie 1499 geboren. Die Mutter starb als Katharina vier Jahre alt war. Ihr Vater verheiratete sich wieder. Mit fünf Jahren übergaben er und seine zweite Ehefrau das Kind den Nonnen des Klosters Brehna. Hier verbrachte das Mädchen einige Jahre bis sie 1509 in das Kloster Marienthron bei Grimma gebracht wurde, dass ihre Tante, die Schwester ihrer verstorbenen Mutter, als Äbtissin leitete. In diesem Kloster kamen Katharina und einige ihrer Mitschwestern mit den Auffassungen von Luther in Berührung.

Das war der Hauptgrund dafür, dass die Nonnen mit Hilfe des Torgauer Ratsherren Leonhard Koppe aus dem Kloster flohen. Neun Nonnen erreichten die Hauptstadt der Reformationslehre Wittenberg, in der Martin Luther eine Professur hatte.

Acht Nonnen wurden recht schnell verheiratet, Katharina nicht. Ihre erste große Liebe war der Sohn eines reichen Nürnberger Patriziers - Hieronymus Baumgärtner. Dessen Eltern erlaubten die Ehe mit der entlaufenen Nonne nicht. Martin Luther, der auch mit 41 Jahren noch unverheiratet war, war in eine Freundin von Katharina verliebt. Angeblich war er aber so zögerlich in seiner Werbung um sie, dass sie einen anderen Mann heiratete.

Wie Katharina von Bora und Martin Luther zusammen kamen, wird von verschiedenen Biographen verschieden interpretiert. Wahrscheinlich ist es schon so, dass die entlaufene Nonne dem entlaufenen Mönch klarmachte, dass sie beide doch einander heiraten könnten. Nach kurzer Überlegung soll Luther darauf eingegangen sein. Die Hochzeit fand 1525 statt.

Es war sein Glück. Energisch wie Katharina gewesen sein soll, führte sie den Haushalt, erzog die Kinder und durch ihre wirtschaftlichen Fähigkeiten brachten es beide zu einem gewissen Wohlstand. Luther, der einige körperliche Leiden hatte, wurde von ihr aufopferungsvoll gepflegt. Auf einer Reise nach Eisleben, die er entgegen den Warnungen seiner Frau antrat, starb Luther 1546 im Beisein seiner drei Söhne.

Da die Frauen seit Jahrhunderten, auch in der Kirche rechtlos waren, erhielt Katharina Luther einen Vormund. Sechs Jahre nach dem Tode ihres Mannes starb die erste und berühmteste Pfarrfrau der Welt in Torgau, als sie vor der Pest aus Wittenberg floh, durch einen Unfall.

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