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Kandidatin schafft den Hattrick

Weltgewandte Deutschlehrerin: Auf der Karte sucht Annett Borg zusammen mit Mariam Othman nach deren Heimatland. Die 17-jährige Syrerin hatte eine Zeit lang Deutsch-Unterricht bei der Lehrerpreiskandidatin
Weltgewandte Deutschlehrerin: Auf der Karte sucht Annett Borg zusammen mit Mariam Othman nach deren Heimatland. Die 17-jährige Syrerin hatte eine Zeit lang Deutsch-Unterricht bei der Lehrerpreiskandidatin © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Marco Marschall / 23.05.2017, 21:36 Uhr
Bernau/Eberswalde (MOZ) Schon zwei Mal konnte ein Lehrer des Eberswalder Oberstufenzentrums II den Brandenburgischen Lehrerpreis in Empfang nehmen. Am Dienstag erfuhr Annett Borg, dass sie 2017 zu den 18 Gewinnern zählt. Sie war eine von 50 Nominierten.

"Ich war selbst überrascht. Man hätte zwei Drittel des Kollegiums vorschlagen können", sagt Annett Borg über ihre Nominierung. Die Schulkonferenz hatte sich für die 49-jährige Joachimsthalerin ausgesprochen. Das Schulamt schickte sie in die nächste Runde und vielleicht gratulieren ihr heute Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bildungsminister Günter Baaske. Drei Lehrer sind pro Landkreis nominiert. Annett Borgs Konkurrentinnen kommen aus Bernau und Biesenthal. Schon zwei Mal zählten Lehrer des Oberstufenzentrums II zu den Preisträgern. Zuletzt holte sich Schulleiter André Haase die Ehrung ab.

"Es ist eine gute Gelegenheit, um auf die Arbeit des OSZ aufmerksam zu machen", findet Annett Borg. Dort ist derzeit viel in Bewegung. Die sozialen Berufe sollen vom Standort Bernau nach Eberswalde umziehen. Dafür wandert die Ausbildung der Hotel- und Restaurantfachleute nach Prenzlau ab.

Ausgerechnet die Branche, in der auch Annett Borg ihr Wissen vermittelt. Doch die Lehrerpreiskandidatin hat sich mit Deutsch als Fremdsprache längst ein weiteres Feld erschlossen und sich für zertifizierte Deutschkurse der Flüchtlinge am Oberstufenzentrum engagiert. 120 Asylbewerber, schwerpunktmäßig männliche Alleinreisende, lernen zurzeit an der Schule. Ziel sei es, sie zur anerkannten oder erweiterten Berufsbildungsreife zu kriegen - die Voraussetzung für eine Ausbildung. Die Sprache ist dabei das A und O. "Mir nutzt der motivierteste Berufsschüler nichts, wenn ihm am Ende seine Sprachkenntnisse auf die Füße fallen", sagt Annett Borg.

Schwierig wird es angesichts der Statusunsicherheit einiger Flüchtlinge. Die ersten nämlich bekämen nun ihre Ablehnungsbescheide. "Da muss man sich natürlich fragen, was das mit der Motivation macht", sagt die Lehrerin, die diesen Berufswunsch schon immer hegte. Ein Beruf mit großer Personalnot. Das sieht auch Annett Borg und hat keine Vorurteile gegenüber Seiteneinsteigern. Was die Berufsschule betrifft, sei sie sogar selbst einer.

Eigentlich hatte die in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsene Lehrerpreiskandidatin in Rostock Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert. Schon fürs Referendariat kurz nach der Wende ging sie in den Barnim, unterrichtete in Bernau und kurzzeitig in Eberswalde an der Gesamtschule im Brandenburgischen Viertel. Seit 1995 ist sie Berufsschullehrerin, zu Beginn noch an der damaligen Außenstelle in Britz. Es habe einige Zeit gedauert, sich einzugewöhnen. "Wenn die Fleischerlehrlinge nach dem Sport drei Büchsen Bier im Auto getrunken hatten und dann in den Unterricht kamen, war das kein Zuckerschlecken", erinnert sich Annett Borg. Mit der Zeit aber fand sich die Mutter zweier Töchter mit der Umstellung zurecht. Von 2000 bis 2004 machte sie ein berufsbegleitendes Studium für den Berufsschulbereich "Ernährung" und gehört mittlerweile zur Prüfkommission der Industrie- und Handelskammer.

Lehrer zu werden und an der Berufsschule zu unterrichten, würde sie heute immer noch jedem empfehlen. "Man darf nur nicht blauäugig rangehen und denken, dass es sich um einen gut bezahlten Halbtagsjob handelt", sagt Annett Borg.

Zu den nominierten Lehrkräften für den Brandenburgischen Lehrerpreis gehörten auch Ingrid Schulze von der Grundschule "Am Pfefferberg" Biesenthal sowie Jasmin Berlin vom Oberstufenzentrum I Barnim mit Standort in Bernau.

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