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MOZ-Kunstpreisträger: Mit dem Kopf in den Wolken

Der liegende Träumer: eine Bronze, geschaffen von Friedrich B. Henkel. Wer es nicht auf Anhieb sieht – rechts ist der Kopf mit der Nase nach oben.
Der liegende Träumer: eine Bronze, geschaffen von Friedrich B. Henkel. Wer es nicht auf Anhieb sieht – rechts ist der Kopf mit der Nase nach oben. © Foto: MOZ/Uwe Stiehler
Uwe Stiehler / 02.06.2017, 20:08 Uhr
Wullwinkel (MOZ) Es ist eine Figur, die an Brecht denken lässt. "... War eine Wolke, die ich lange sah / Sie war sehr weiß und ungeheuer oben ..." So heißt es in seinem Gedicht "Erinnerung an die Marie A.". Ein Mann denkt an einen Kuss zurück, den er nicht vergessen kann, weil er in dem Moment, als die Münder sich berühren, über sich jene Wolke blühen sah.

So einen Träumer, dessen Gedanken irgendwo im Äther hängen und dessen Körper sehr geerdet ist, hat auch der Bildhauer Friedrich B. Henkel geformt. Diese Bronze bekommen neben dem Preisgeld jene Künstlerinnen überreicht, die dieses Jahr mit dem Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardenberg ausgezeichnet werden: Eva Paul, Sophie Natuschke und Sylvia Hagen.

Seit 40 Jahren träumt sich der Wolkengucker durch Henkels Werk. Zunächst gab es ihn nur als Grafik. Eine Figur, die das Leichte aufwirbelnder Gedanken und körperliche Schwere vereint, eine Figur, die mit einem Bein auf dem Boden und mit dem anderen im Himmel ist. Einen Grübler, der ebenso an Herrn Keuner denken lässt, an Brechts salomonische Kunstfigur, wie er so daliegt, innerlich schon einmal Anlauf für große Werke nimmt und sich dafür Keuners Worte zu borgen scheint: "Ich habe viel Mühe. Ich bereite meinen nächsten Irrtum vor."

So einen stummen Poeten kann man wahrscheinlich nur erfinden, wenn man wie Friedrich B. Henkel sein Atelier am Rand einer grünen, das Herz weit machenden Unberührtheit hat. Henkel fand diesen Platz in Wullwinkel. Sobald die Temperaturen in den Wohlfühlbereich klettern, nistet er sich wie ein Zugvogel in seinem Sommerquartier ein, das nur wenige Kilometer von seinem Wohnort Bernau entfernt und trotzdem eine andere Welt ist. Man hört keinen Autolärm, dafür Kraniche und den Kuckuck rufen. Und dort gibt Henkel nun auch den Preisträger-Figuren den letzten Schliff. Er sagt, er wolle seinen Kollegen etwas mitgeben, das eine gewisse Unbeschwertheit und Heiterkeit atmet.

Überreicht werden die Bronzen bei der Preisverleihung am 16. Juli, 12 Uhr, im Schloss Neuhardenberg. Danach wird die Ausstellung mit Werken der prämierten und anderer ausgewählter Künstler eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 3. September.

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