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Schulpraktikum als Schleusenwärter

Aus dienstlichem Grund neugierig: Julian (10) und Jeremias (10) befragen im Beisein ihrer Lehrerin Annett Scheffel Karin und Peter Schläfke aus Wittstock, wohin sie reisen. Das Ehepaar war im Oderbruch unterwegs und kehrt jetzt zur Müritz zurück.
Aus dienstlichem Grund neugierig: Julian (10) und Jeremias (10) befragen im Beisein ihrer Lehrerin Annett Scheffel Karin und Peter Schläfke aus Wittstock, wohin sie reisen. Das Ehepaar war im Oderbruch unterwegs und kehrt jetzt zur Müritz zurück. © Foto: Andreas Gora
Sven Klamann / 09.06.2017, 06:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ohne Muskelkraft wären die Schleusenwärter früher aufgeschmissen gewesen. Das konnten 18 Mädchen und Jungen aus der Karl-Sellheim-Schule am eigenen Leib erfahren, die in ihrer Projektwoche zum Thema Wasser die unter Denkmalschutz stehende Stadtschleuse am Finowkanal besucht haben.

"Hier ist noch echte Handarbeit angesagt", berichtet Steven Hochwald, Ausbilder beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Eberswalde, den Dritt- und Viertklässlern, die keineswegs nur zuzuhören brauchen. Weil im Schleusenbecken bereits ein Sportboot wartet, dürfen die Kinder, ausgestattet mit Sicherheitswesten, selbst dazu beitragen, dass der Wasserstand dort steigt. Je sechs von ihnen betätigen die beiden sogenannten Umlaufschütze - mechanische Vorrichtungen, die zwei Tafeln öffnen und dazu führen, dass 1,4 Millionen Liter Wasser in die Schleusenkammer schießen. So wird das zu schleusende Boot beinahe wie in einem Schiffsfahrstuhl in Minutenschnelle angehoben, überwindet dabei einen Höhenunterschied von 3,65 Meter und kann seine Fahrt bald darauf ungehindert fortsetzen.

Vorher aber werden Karin und Peter Schläfke aus Wittstock, die Eigentümer und Insassen des "Snoopy" getauften Bootes, noch nach dem Ziel ihrer Reise und nach etwaigen Wünschen gefragt. Diese Aufgabe übernehmen Julian (10) und Jeremias (10), denen Steven Hochwald erklärt hat, dass die Gespräche nicht nur der Höflichkeit wegen wichtig sind. "Wir bringen in Erfahrung, ob die Bootsführer im Anschluss auch noch andere Schleusen passieren oder erst einmal irgendwo anlegen wollen", sagt der Mitarbeiter des WSA. Im ersten Fall würde per Telefon die nächste Station informiert, im zweiten Fall könne vielleicht mit Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Speise- oder Übernachtungsmöglichkeiten am Ufer weitergeholfen werden.

Den Kontakt zwischen Bildungsstätte und Wasser- und Schifffahrtsamt hat Christoff Gäbler, Geschäftsführer der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) Finowkanal, vermittelt, in deren Auftrag zehn der nach der Wiedereröffnung des Langen Trödels 13 Schleusen durch 16 ehrenamtliche Schleusenwärter betrieben werden. Die Eingangs- und die Ausgangsschleuse des eigentlichen Finowkanals werden durch Personal des WSA bedient.

"Uns erreichen pro Jahr zwei, drei Anfragen von Schulen, die solche Anlagen gern besichtigen würden", sagt der Geschäftsführer der KAG. Das Wasser- und Schifffahrtsamt brauche nie zum Mitmachen überredet werden. "Darüber freuen wir uns, weil schon der kurze Schleuseneinsatz vielen Kindern den Finowkanal näherbringt", hebt Christoff Gäbler hervor. Auch sei für die Mädchen und Jungen die körperliche Tätigkeit an der frischen Luft ein Gewinn.

Während die Dritt- und Viertklässler damit beginnen, das Wasser aus dem Becken der 1831 errichteten und 2000 denkmalgerecht sanierten Schleuse abzulassen, erzählt die Lehrerin Annett Scheffel, dass sie mit ihren Schützlingen in der Projektwoche zum Thema Wasser unter anderem auch noch den Wasserturm in Finow in Augenschein nehmen wird. "Eine andere Gruppe schaut sich das Schiffshebewerk an", sagt sie. Sogar ein Neptunfest wird an der Karl-Sellheim-Schule noch gefeiert.

Am Ende ihres von Fleiß und Wissensdurst geprägten Einsatzes gibt es für alle Kinder ein Zertifikat, das ihnen bescheinigt, Junior-Schleusenmeister zu sein.

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