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Petzold will Staat und Kirche trennen

Im Gespräch: CDU-Bundestagsparlamentarier Jens Köppen, Superintendent Uwe Simon, Ralph Herforth, Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann und Harald Petzold (von links).
Im Gespräch: CDU-Bundestagsparlamentarier Jens Köppen, Superintendent Uwe Simon, Ralph Herforth, Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann und Harald Petzold (von links). © Foto: Matthias Henke
Matthias Henke / 11.06.2017, 21:00 Uhr
Mildenberg (mhe) Der Jahresempfang des Kirchenkreises Oberes Havelland stand am Freitag im Ziegeleipark Mildenberg unter dem Motto "500 Jahre Reformation - Politik und Kirche".

"(Ein Fürst) darf nicht denken: , Land und Leute gehören mir; ich will's machen, wie mir's gefällt, sondern so: Ich gehöre dem Land und den Leuten; ich soll's machen, wie es ihnen nützlich und gut ist." Dieses Zitat aus Martin Luthers "Die weltliche Obrigkeit und die Grenzen des Gehorsams" hatte der Menzer Pfarrer Mathias Wolf in seinem einführenden Vortrag den Gästen nahe gebracht. Der Reformator hatte sich also nicht allein dem Verhältnis der Menschen zu Gott gewidmet. Seine Lehre vom weltlichen und geistlichen Regiment beschäftigte vielmehr Generationen von Theologen.

Doch wie ist das heute mit der Trennung von Kirche beziehungsweise Religion und Staat? Darüber diskutierte anschließend Moderator Ralph Herforth mit Superintendent Uwe Simon, den Bundestagsabgeordneten Jens Köppen (CDU) und Harald Petzold (Linke) sowie dem Landtagsabgeordneten Björn Lüttmann (SPD).

"Als Christ bin ich Bürger, als Bürger bin ich Christ. Wir als Kirche sind so eng mit der Gesellschaft verwoben, so dass man das gar nicht trennen kann", sagte Uwe Simon. Für eine klare Trennung des Institutionellen sprach sich dagegen Harald Petzold aus. "Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, wie die Gesellschaft funktionieren würde ohne die vielen Angebote der Kirche, etwa im sozialen Bereich, wo der Staat sich zunehmend verabschiedet", fügte er hinzu.

Christen sollten sich nicht aus der Politik heraushalten, im Gegenteil, sagte Jens Köppen. "Wenn man nicht mitgestaltet, überlässt man es anderen. Kirche muss sich einmischen, was nicht heißt, dass sie als Institution Politik macht, denn das machen wir doch alle, jeden Tag", so Köppen weiter. Nicht nur seiner Partei, die das "christlich" im Namen führt, gehören Christen an, sondern allen Parteien des Bundestages. Das Parlament sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. Dies gelte aber auch, wenn etwa eine geringe Bezahlung der in sozialen Berufen Tätigen oder Geschäftspraktiken deutscher und internationaler Unternehmen in Dritte-Welt-Ländern angeprangert werden, die Harald Petzold kritisiert hatte.

"Ich schlage nicht die Bibel auf und finde für alles eine passende Antwort", bekannte Uwe Simon. Doch er stehe zu dem Prinzip, dass der viel Verantwortung habe, dem viel anvertraut sei. Dies auszuhandeln, bleibe jedoch der Politik überlassen.

Als "verlässliche Partner im Widerstand gegen den Hass" hat der Oranienburger Björn Lüttmann Kirche erlebt und erinnerte an fremdenfeindliche Demonstrationen vergangener Jahre, bei denen die örtliche Gemeinde Ausgangspunkt für Gegenveranstaltungen gewesen sei.

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