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Im Netz von Lügen, Verleumdung und Politik

Michael Dietrich / 17.06.2017, 06:20 Uhr
Schwedt (MOZ) Die Absetzung von Gerhard Hildebrandt als Revierleiter kam 2015 wie aus heiterem Himmel. Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke erklärte sie damals mit einem harten Vorgehen gegen rechte Umtriebe unter Polizisten. Völlig unbegründet, wie sich jetzt herausstellte.

Drei Jahre vor seiner Pensionierung wurde Polizeihauptkommissar Gerhard Hildebrand zunächst nach Angermünde, kurze Zeit später nach Prenzlau versetzt. Seither arbeitet er dort im Innendienst der Polizeiinspektion als Verbindungsbeamter nach Polen. Ein Schreibtischjob. Zuhause in Schwedt wird der beliebte, angesehene und gesellschaftlich aktive Beamte aber noch heute gefragt: Warum? Er selbst, sagte er am Mittwoch vor Gericht, hat dafür keine plausible Erklärung.

Das, was letztlich vor Gericht zur Sprache kommt, sind einige belastende, einige entlastende Aussagen von Kollegen. Einige Beamten wollen beleidigende Äußerungen bemerkt haben, fühlten sich angebrüllt, schikaniert, andere bestätigten diese Vorwürfe nicht. Deutlich aber wurde, dass eine Verbindung zu rechtem Gedankengut gar nicht festzustellen war.

2015 deckten Recherchen eines Journalisten auf, dass Polizisten bei Heil-Hitler-Rufen keine Anzeige aufnahmen und rechtsextreme Sprüche klopfen, ein Vorgesetzter ein Nazi-Zitat als SMS-Klingelton verwendete, der Ehemann einer Polizistin auf einer Feier mit Hakenkreuz-Armbinde auftrat. Der damals neue Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke versprach hartes Durchgreifen, lässt fast 100 Beamte befragen, löst drei Führungskräfte ab und setzt damit ein Zeichen. Was aber waren die wahren Gründe für Hildebrandts Ablösung? Hildebrandt kennt sie bis heute nicht.

Als Anlass wird eine Anzeige gegen ihn vermutet, die nach einer Informationsveranstaltung der Stadt Schwedt zum geplanten Flüchtlingsheim einging, offenbar von einem Kollegen. Hildebrandt hätte angeblich 40 rechtsextremen Kräften den Zugang in die Boxhalle als Veranstaltungsort gewährt. Der Vorwurf ist haltlos. Auch der SPD-Mann Mirko Schinschke und andere interessierte Bürger standen damals vor der Boxhalle und verlangten Eintritt. Bürgermeister Jürgen Polzehl bestätigte später, dass es seine Entscheidung und Bitte an den Einsatzleiter Hildebrandt war, die Bürger hereinzulassen, um eine Eskalation der Situation zu verhindern. Unter den Zuhörern waren tatsächlich auch lautstark auftretende rechte Kräfte. Die Stadt hatte ausdrücklich alle eingeladen, sich zu der geplanten Notunterkunft zu informieren und Fragen stellen zu können. Die Anschuldigung erweist sich als klare Verleumdung.

Später wird der Polizist Hildebrandt mit Aussagen von Kollegen konfrontiert, die aus seiner Sicht klar gelogen sind. Er stellt Anzeige wegen Falschaussagen, auch gegen einen Vorgesetzten. So, wie er in seinem Job gegen Straftaten vorgehe, ohne Ansehen der Person.

Er eckt auch bei der damaligen Inspektionsführung an, als er sich weigert, seine Beurteilung für einen Kollegen zu ändern. Hildebrandt hielt ihn für geeignet, Leitungsfunktionen zu übernehmen, der Chef und sein Vize in Prenzlau nicht. Beide mussten inzwischen gehen.

Der 59-jährige Gerhard Hildebrandt geht nächstes Jahr in Pension. Kurz davor hat ihm das Verwaltungsgericht zumindest recht gegeben, dass seine Versetzung nicht rechtens war. Gern hätte er seinen alten Job, den engen Kontakt zur Schwedter Bevölkerung wenigstens für dieses eine Jahr wieder. Das muss nach der scharfen Ankündigung des Polizeipräsidenten, die Rückkehr des früheren Revierleiters nach Schwedt rigoros abzulehnen, wohl aber bezweifelt werden. Mörke will kein Zweifel an seiner Aufräumaktion von damals zulassen. Der Polizeipräsident will deshalb vor das Oberverwaltungsgericht ziehen und das Urteil anfechten. Man wolle die Leistungsfähigkeit des Reviers durch interne Querelen nicht gefährden, heißt es offiziell. Der Fall wird wohl erst im Ruhestand Hildebrandts geklärt, wo er weniger Staub aufwirbeln kann, als seine Rückkehr.

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