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Sabine Rakitin 20.06.2017 06:25 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Zum Schutz der Kinder

Bernau/Eberswalde (MOZ) 722 Meldungen zu gefährdetem Kindeswohl erhielt das Barnimer Jugendamt im Jahre 2015.Das waren 75 Fälle weniger als in dem Jahr zuvor. Doch Grund zur Entwarnung ist das nicht. Vielmehr hat der Landkreis jetzt ein umfangreiches Konzept zum Kinderschutz erstellt.

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Als vor rund zehn Jahren im Landkreis mehrere Fälle publik wurden, in denen Kinder vernachlässigt und/oder misshandelt worden waren, wurde der Ruf nach einer besseren Organisation des Kinderschutzes laut. Im Jahre 2007 entstand die Steuerungsgruppe Kinderschutz, in der neben Polizei, Staatsanwaltschaft und Staatlichem Schulamt auch Vertreter verschiedener Kliniken saßen. Später wurde im Jugendamt Barnim ein Notrufdienst installiert, um auch außerhalb der Dienstzeiten Meldungen zu vernachlässigten oder misshandelten Kindern in die Wege leiten zu können.

Inzwischen hat sich die Kindernotrufnummer im Landkreis Barnim fest etabliert. Und zu den Behördenvertretern in der Steuerungsgruppe gesellten sich die Agentur für Arbeit, die Amtsgerichte Bernau und Eberswalde sowie das Jobcenter.

Im Jahre 2016 wurde zudem damit begonnen, mit allen Trägern der Jugendhilfe neue Kinderschutzvereinbarungen abzuschließen. "Die Träger werden durch die Vereinbarung qualifiziert, das Verfahren zum Kinderschutz zu erlernen und bei Bedarf auch in allen Facetten anzuwenden", erklärte Landrat Bodo Ihrke (SPD) in der jüngsten Sitzung des Kreistages. Jede Gefährdungsmitteilung werde von der Leitstelle Kinderschutz, der vier Sozialarbeiter/-innen angehören, unverzüglich geprüft und gegebenenfalls erste Sofortmaßnahmen eingeleitet. "Die Zahl der Meldungen ist ein Beleg dafür, dass wir beim Thema Kinderschutz auf dem richtigen Weg sind", zeigte sich Ihrke überzeugt.

So erwiesen sich 118 der im Jahre 2015 insgesamt 722 gemeldeten Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdung als haltlos. In 268 Fällen erkannte das Barnimer Jugendamt einen Hilfe- und Unterstützungsbedarf für die Familien. Eine "latente Gefährdung" des Kindeswohls kam nach der Überprüfung von 244 Meldungen heraus. In 92 Fällen waren Kinder akut gefährdet.

60 Jungen und 67 Mädchen sind 2015 vom Jugendamt in Obhut genommen worden. Die größte Gruppe stellten mit etwa einem Drittel die 16- bis unter 18-Jährigen, gefolgt von den 14- bis unter 16-Jährigen (24 Inobhutnahmen). Etwa zwei Drittel der Kinder (62), die in Obhut genommen werden mussten, kamen aus Eberswalde, weitere 19 waren in Bernau zu Hause.

"Mit dem Wissen, dass kein Jugendamt der Garant dafür ist, rund um die Uhr in alle Haushalte blicken zu können, muss es uns allen gelingen, auf jede Meldung weiterhin unverzüglich zu reagieren und alle erforderlichen Maßnahmen einzuleiten. Maßstab ist dabei allein das Wohl der Kinder und Jugendlichen", sagt Landrat Ihrke im Vorwort zur Konzeption "Kinderschutz im Landkreis Barnim", die der Jugendhilfeausschuss und das Jugendamt gemeinsam ausgearbeitet haben und das jetzt vom Kreistag einstimmig befürwortet wurde. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Entwicklung von Verfahren im Kinderschutz sowie in der Erarbeitung eines Leitstellensystems. Damit wird die durchgängige telefonische Erreichbarkeit des Jugendamtes sowie die Zusammenarbeit mit der Polizei und anderen Kooperationspartnern geregelt. Dem präventiven Kinderschutz und der frühen Hilfe für Familien gilt der Einsatz von Familienhebammen im Landkreis.

"Der überwiegenden Mehrheit der Kinder im Barnim geht es gut", versicherte Margitta Mächtig (Linke), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, ihren Abgeordnetenkollegen im Kreistag. Dennoch sieht sie bei rund 700 Meldungen von Kindeswohlgefährdung pro Jahr "die humanistische, moralische und politische Verpflichtung, den Kinderschutz zu entwickeln". Als "etwas ganz Besonderes" lobte der bündnisgrüne Fraktionsvorsitzende Stefan Böhmer die Konzeption. "Der Barnim geht damit beispielgebend voran."

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