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Eine Krankheit wie eine Epidemie

Renate Meliß / 20.06.2017, 06:36 Uhr
Bernau (MOZ) Etwa 6,7 Millionen Diabetiker gibt es in Deutschland. Eine Zahl, die seit 1998 um 38 Prozent gestiegen ist. 1,7 Mio erkranken jährlich daran, ohne es zu wissen und täglich kommen etwa eintausend Neuerkrankte hinzu. Fakten, die erschrecken und die - wäre es eine Viruserkrankung - wie eine Epidemie bekämpft würde. Doch Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung mit vielen Folge- und schleichenden Spätschäden. Der 15. Diabetikertag im Immanuel Klinikum und Herzzentrum Bernau sollte dazu beitragen, aufmerksam auf die Krankheit zu machen und Gelegenheit geben, sich genauer über das gesamte Krankheitsbild zu informieren.

So berichtete Dr. Tobias Schade aus der Diabetologischen Schwerpunktpraxis Bernau unter anderem über den HbA1c-Wert, einen wichtigen Laborwert, der einen Rückschluss auf die Qualität der Blutzuckereinstellung gibt. Diabetes-Beraterin Nicole Jonas informierte über gesunde Ernährung und Hautärztin Dr. Linda Duhn gab ein anschauliches Bild über die Hauterkrankungen, die bei Diabetes auftreten können. Hierzu gelte es, vor allem Hautveränderungen frühestmöglich zu erkennen. "Durchblutungsstörungen und arterielle Verschlusskrankheiten sind die häufigste Ursache für Amputationen", erklärte Linda Duhn in ihrem Vortrag. Sie wies auch auf Störungen der Nervenfasern, die zu brennenden Füßen und Taubheitsgefühlen führen können, hin. "Wichtig ist, dass auf die Selbstuntersuchung der Füße, richtiges Schuhwerk und ausreichend Bewegung geachtet wird."

Zur diabetischen Wundbehandlung erklärte Oberarzt Dr. Ralf-Uwe Kühnel aus der Abteilung Herzchirurgie allgemeine und besondere Therapieansätze. "Diabetes ist eine Systemerkrankung, die vor allem die Füße besonders gefährdet." Durch ein modernes Wundmanagement  können heute jedoch optimalere Bedingungen für eine Heilung geschaffen werden, als das noch vor Jahren möglich gewesen ist. "Doch das ist auch abhängig vom Alter, den weiteren Begleiterscheinungen und dem Willen des Patienten", erklärte er.

Auch der Risikofaktor Armut und eine damit einhergehende soziale Benachteiligung einer immer größer werdenden Anzahl Menschen in Deutschland sei ein bisher unterschätzter Risikofaktor, früher und öfter an Diabetes zu erkranken. Hierüber informierte Oberarzt Udo Schwill von der Abteilung Innere Medizin. Hauptübel seien Bewegungsmangel und Übergewicht. Beides erhöhe das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Wichtig sei dagegen eine gesunde Ernährung. Nach seinen Angaben sind etwa 30 Prozent der mehr als 12000 Patienten, die jedes Jahr im Immanuel-Klinikum stationär behandelt werden, Diabetiker. Die Tendenz sei steigend. Bei allen Patienten werde geprüft, ob die Blutzuckereinstellung gut ist. Nicht selten werde die Krankheit auch erst bei einem Klinikaufenthalt diagnostiziert. Eine Test-Möglichkeit hierzu auch auf dem Diabetikertag. Wer wollte, konnte Blutdruck und Blutzuckerwert messen lassen und erhielt sodann auch eine individuelle Beratung für das weitere Vorgehen.

Die Besucher informierten sich neben den Vorträgen auch anhand der begleitenden Ausstellung im Immanuel Krankenhaus. Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hatte Bürgermeister André Stahl übernommen.

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