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Robert Iwanetz 20.06.2017 06:40 Uhr - Aktualisiert 20.06.2017 08:28 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Abgründige Ästhetik

Frankfurt (Oder) (MOZ) Mit einer eigenen Ausstellung in seiner Heimatstadt geht für Robert Gärtner ein kleiner Traum in Erfüllung. "Schon als Jugendlicher hatte ich daran gedacht, einmal in Frankfurt auszustellen. Für mich fühlt es sich wie zurückkommen an", sagt der heute 47-jährige Wahl-Berliner. Im Sommer 1989 hatte er als 17-jähriger Schüler die Oderstadt verlassen und war über Ungarn aus der DDR geflüchtet. Danach lebte er in Paris, Wien und Nürnberg. Seit dem Jahr 2000 ist er nun in Berlin zu Hause.

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Eindringlicher Blick: Die Gemälde des Berliner Künstlers Robert Gärtner bestechen durch ihre brodelnde Atmosphäre.

© Robert Iwanetz

Nun, fast drei Jahrzehnte später, schließt sich der Kreis mit 14 Fotografien und 27 Gemälden, die seit Sonnabend in der Spectrum-Galerie zu sehen sind. Hinter dem Ausstellungstitel "Frankfurt Oder Berlin" verstecken sich aber keine Jugenderinnerungen, sondern vor allem ausdrucksstarke Porträts, die moderne Ästhetik mit einer tradierten Bildsprache verbinden.

Knallige Farben in der Tradition der Pop-Art werden dabei oftmals kontrastiert durch eine düstere, unterschwellig-brodelnde Grundstimmung. "Ästhetik bedeutet für mich nicht nur Schönheit, sondern Wahrheit. Und das Wahre hat immer auch eine abgründige Seite", sagt Robert Gärtner, der sämtliche Werke in den letzten fünf Jahren in seinem Atelier in Berlin-Tegel schuf.

Besonders deutlich wird dies bei der Fotoserie "Erscheinungen", die einst seine Diplomarbeit an der Hochschule "Georg Simon Ohm" in Nürnberg darstellte, wo er Visuelle Kommunikation studierte. Die Serie besteht aus grobkörnigen, teilweise verwischten und verzerrten Aufnahmen von Menschen, Naturszenen und Gebäuden, wie dem Berliner Bode-Museum. Die analogen Originalfotos wurden vom Künstler durch Chemikalien manipuliert, die sonst in der Fotoentwicklung keine Anwendung finden. Zum Einsatz kamen unter anderem Salzsäure, Kupferlasur, Essigsäure, Ruß und Farbpigmente.

Dabei entstanden chemische Bild-Verwandlungen, Zerfallserscheinungen und Korrosionen. Der zufällige Prozess dauerte je nach Behandlung wenige Minuten bis zu tagelangem Einwirken.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Durch die Manipulationen erhalten die sonst eher unspektakulären Aufnahmen eine einzigartige Stimmung, die den Betrachter sofort in den Bann schlägt. Ganz ähnlich wie die Gemälde strahlen die Fotos eine Düsternis aus, die den Assoziationen freien Lauf lassen. Robert Gärtner, der sonst hauptberuflich als Art Director in einer Werbeagentur arbeitet, hat sich bewusst dafür entschieden, keine Titelschildchen neben die Werke zu hängen. "Die Besucher sollen in ihrer Gedankenwelt nicht beeinflusst werden."

Die Ausstellung "Frankfurt Oder Berlin" in der Spectrum-Galerie im Baumschulenweg 48 ist bis zum 20. Juli montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Sonnabends zudem nach Vereinbarung.

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