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Arbeitnehmer in der Schuldenfalle

Hilft aus der Schuldenfalle: Peter Lippmann ist einer von zwei Beratern bei der Awo in Eisenhüttenstadt.
Hilft aus der Schuldenfalle: Peter Lippmann ist einer von zwei Beratern bei der Awo in Eisenhüttenstadt. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Stefan Lötsch / 20.06.2017, 06:45 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Niedrigzinsen aber auch viele Angebote im Internet verleiten dazu, mehr auszugeben, als man eigentlich hat. In dieser Woche findet die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatungen statt, die unter anderem darauf aufmerksam machen will, wie man vermeidet, in die Schuldenfalle zu geraten.

Rund zehn Prozent aller Haushalte in Deutschland gelten als überschuldet. Wie die Lage im Landkreis Oder-Spree aussieht, lässt sich nicht genau sagen, da es keine belastbaren Daten gibt. Aber Peter Lippmann, Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatung des Awo-Kreisverbandes Eisenhüttenstadt, ist sich sicher: "Wir liegen auch bei zehn Prozent." Nicht nur das: Während bundesweit die Zahl der Insolvenzen zurückgeht, kann das Lippmann für seinen Bereich nicht bestätigen. Die Zahlen seien stabil. "Pro Jahr kommen im Schnitt 180 neue Klienten in die Schuldnerberatung."

Im Vergleich zu den Vorjahren lassen sich bei der Schuldnerberatung Verschiebungen feststellen. Peter Lippmann nennt als Trend, dass immer mehr Menschen die kostenlose Beratung in Anspruch nehmen, die im Arbeitsleben stehen und das gelte nicht nur für prekär Beschäftigte. "Früher waren über die Hälfte der Ratsuchenden arbeitslos, jetzt kommen immer mehr Arbeitnehmer zu uns", erklärt er.

Gründe dafür sind unter anderem die vielfältigen Angebote im Internet, aber auch die Niedrigzinsen. Letztere verleiten dazu, sich zu verschulden - um zum Beispiel eine Immobilie zu kaufen -, obwohl man es sich nicht leisten kann. Schuldnerberaterin Diana Teichert nennt eine weitere Beobachtung, die zu dem Trend passt: Inzwischen hätten die Schuldner weniger Gläubiger als früher, dafür bei diesen jedoch höhere Schulden.

Eine Entwicklung, die in anderen Schuldnerberatungen eine große Rolle spielt, kann Peter Lippmann für den Bereich Eisenhüttenstadt nicht bestätigen: So würden in der Beratungsstelle in der Fährstraße nur vereinzelt Flüchtlinge Rat suchen. Das liege sicherlich auch an der guten Integrationsarbeit, die im Landkreis geleistet wird, erklärt er.

Dass die Zahl der älteren Ratsuchenden zugenommen hat, ist eher dem demographischen Wandel geschuldet. Vor allem bei Älteren geht es auch nicht immer um Schulden, sondern auch um Betrugsmaschen, denen sie ausgesetzt sind. Diana Teichert lobt in diesem Zusammenhang die Sparkasse, die ihre Kunden zur Schuldnerberatung schicken, wenn hohe Überweisungen an dubiose Firmen getätigt werden sollen.

War es früher so, dass Schuldner erst zur Beratung kamen, wenn der Gerichtsvollzieher vor der Haustür stand, stellen Peter Lippmann und Diana Teichert fest: Die Hilfe wird zunehmend zu einem früheren Zeitpunkt in Anspruch genommen.

Derweil weist Peter Lippmann darauf hin, dass ab 1. Juli Änderungen in Kraft treten. "Es gibt neue Pfändungsfreigrenzen. Es wird mehr vom Arbeitseinkommen geschützt." Die Schuldnerberatung stellt dazu Bescheinigungen für das sogenannte Pfändungsschutzkonto (P-Konto) aus.

Auch beim Unterhaltsvorschuss gibt es Änderungen. Die Befristung, dass nur für Kinder bis zwölf Jahre und längstens für sechs Jahre gezahlt wird, fällt dort weg.

Schließlich wird manchen Schuldner auch die Regelung Erleichterung bringen, die seit 1. Januar dieses Jahres gilt. Auch rückwirkend kann man sich bis zu drei Jahre von den Rundfunkbeiträgen befreien lassen. Vor allem für Jugendliche können diese Beträge schnell eine große Hürde werden. Früher wurde die Befreiung über das Jobcenter geregelt, so Diana Teichert. Inzwischen ist manch ein Jugendlicher überrascht , wenn er mit den Forderungen konfrontiert wird.

Wer Hilfe sucht, erhält in Eisenhüttenstadt schnell einen Termin. "Die Durchschnittswartezeit liegt bei ein bis zwei Wochen", erklärt Peter Lippmann.

Tel.: 0336428505-30; www.awokvehst.de

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