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Janet Neiser 20.06.2017 06:59 Uhr
Red. Eisenhüttenstadt, eisenhuettenstadt-red@moz.de

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Erinnerungen an einen Kohl-Besuch

Eisenhüttenstadt (MOZ) Altkanzler Helmut Kohl (1930-2017) hat auch in Eisenhüttenstadt und in der Oderregion 1997 etliche Hände geschüttelt und Spuren hinterlassen. Als am 22. Juli das Warmwalzwerk der EKO Stahl AG - heute ArcelorMittal - in Betrieb genommen wurde, war er vor Ort. "Meine Damen und Herren, die offizielle Inbetriebnahme des neuen Warmwalzwerkes, die wir heute feiern, ist - ich bekräftige dies noch einmal - ein gutes Ereignis vor allem für die Menschen, die in der Region Eisenhüttenstadt wohnen und arbeiten ... Heute können wir feststellen: EKO hat eine gute Zukunft. Dazu gratuliere ich allen Beteiligten", sagte Kohl damals in seiner Ansprache.

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Verewigt: Susann Mahlow zeigt die Unterschrift von Helmut Kohl im Goldenen Buch, die vom 22. Juli 1997 stammt.

© MOZ/Gerrit Freitag

Einer, der sich noch gut an diesen Tag erinnern kann, ist Eisenhüttenstadts ehemaliger Bürgermeister Rainer Werner: "Wir haben an einem Tisch gesessen und doch, ich würde sagen, er war ein sehr aufgeschlossener Mensch." Immer wieder seien damals die Personenschützer an den Tisch gekommen, hätten ihm etwas übermittelt. "Helmut Kohl hat sich ja auch massiv für den Bau des Warmwalzwerkes eingesetzt", zeigt sich Werner dankbar. Und weil dieses Werk für den geschlossenen metallurgischen Zyklus und die Zukunftsfähigkeit von EKO so wichtig war, wollte sich Rainer Werner beim Besuch des Bundeskanzlers auch eines nicht entgehen lassen: einen Eintrag im Goldenen Buch der Stadt. "Das haben wir damals mit zum Warmwalzwerk genommen", erzählt er. Geblieben ist eine Unterschrift - ohne Widmung, aber immerhin. Helmut Kohl ist einer von 35 Personen, die sich in dem Buch bisher eingetragen haben.

Auch Professor Karl Döring, einst EKO-Generaldirektor und heute ebenfalls verewigt im Goldenen Buch der Stadt, war an diesem Tag dabei. "Ich hatte die Aufgabe, dem Bundeskanzler die Warmbandstrecke zu zeigen", berichtet er. Etwa 15 Minuten habe das gedauert. Kohl habe sich interessiert gezeigt, sei aber vor allem auch sehr bedacht auf seine Außenwirkung gewesen. "Das alles lief damals sehr protokollhaft ab." Aber der Bundeskanzler war offensichtlich gut vorbereitet. Als Döring ihm vorgestellt wurde, fragte er ihn: "Sie sind also derjenige, der stellvertretender Minister der DDR für Metallurgie und später Generaldirektor des EKO und Vorstandsvorsitzender war?"

Doch noch bevor er ins Warmwalzwerk kam, hatte sich Helmut Kohl ein Bild von der Hochwasser-Lage an der Oder gemacht. Es handele sich um eine "furchtbare Flutkatastrophe" sagte er in seiner Ansprache. Und mit dem Hubschrauber landete er sogar in Ratzdorf und traf auf die damalige und jetzige Bürgermeisterin Ute Petzel. "Er kam in Gummistiefeln und wunderte sich, dass ich in Sandalen vor ihm stand." Das ist eine der Erinnerungen, die sie an das Aufeinandertreffen hat. Und locker sei er gewesen, habe den Bürgern am Straßenrand sogar die Hände geschüttelt. "Er hat sich Zeit genommen", sagt Ute Petzel, die von Kohl eine Visitenkarte bekam und den Hinweis, sie könne sich an ihn wenden, wenn sie Hilfe benötige. "Doch, das war schon ein beeindruckendes Erlebnis. Er war ja immerhin Bundeskanzler und ein ziemlich kräftiger und großer Mann, vor allem im Vergleich zu mir. Da hatte ich schon Respekt."

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