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Wohnblöcke in der Thomasiusstraße werden fallen / Genossenschaft führt Einzelgespräche mit allen Mietern

Auch die Woge Süd reißt jetzt ab

Thomasiusstraße: Weil von den Balkonen Betonbrocken fallen, stehen auch vor diesem Block Bauzäune.
Thomasiusstraße: Weil von den Balkonen Betonbrocken fallen, stehen auch vor diesem Block Bauzäune. © Foto: MOZ/Frank Groneberg
Frank Groneberg / 20.06.2017, 07:30 Uhr - Aktualisiert 20.06.2017, 21:59
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Woge Süd steigt in den Stadtumbau ein. 2018 lässt sie ihre Blöcke in der Thomasiusstraße abreißen. 118 Wohnungen verschwinden. Allen Mietern werden Ersatzwohnungen angeboten.

Wenn das Stadtumbaukonzept für die Jahre 2018 bis 2020 fortgeschrieben wird, werden auf der Abrissliste erstmals Wohnungen der Wohnungsgenossenschaft Süd (Woge Süd) auftauchen. Die Genossenschaft hat sich dazu entschlossen, ihre drei Wohnblöcke mit 118 Wohnungen in der Thomasiusstraße abreißen zu lassen. Nebenan sind die beiden Hochhäuser der Wohnbau bereits so gut wie leergezogen. Weitere Wohnhäuser gibt es im IV. Wohnkomplex von Neuberesinchen nicht mehr - bis auf das Studentenwohnheim in der Birkenallee und das evangelische Gemeindezentrum in der Berendsstraße, in dem der Kantor mit seiner Familie lebt.

Vor den Eingangsbereichen der drei Wohnblöcke stehen schon seit Anfang Mai Bauzäune. Diese sind zwar nicht direkt wegen des Abrisses aufgestellt worden, haben aber zumindest indirekt damit zu tun. Denn die Blöcke gehören zu den letzten in der DDR gebauten. Und Ende der 1980er-Jahre war noch massiver Material eingespart worden als zuvor. Eine Folge: Die Betonverkleidungen der Balkone beginnen zu bröckeln, von mehreren Balkonen fielen Bröckchen auf den Gehweg. Um Passanten zu schützen, wurden Zäune unter allen Balkonsträngen aufgestellt.

"Ein Gutachten hat ergeben: Hier wäre eine umfangreiche Sanierung nötig", sagt Birgit Schmieder, Vorstand der Woge Süd. Dazu komme, dass die Häuser insgesamt einer komplexen Sanierung unterzogen werden müssten. "Eine Finanzierung in einem Stadtumbaugebiet wäre aber aussichtslos", erklärt Birgit Schmieder, "und die Frage ist, ob wir für eine Sanierung im Abrissgebiet überhaupt eine Genehmigung bekommen würden."

Die Woge Süd hatte die Häuser 1996 von der Wohnungswirtschaft GmbH (Wowi) gekauft und anschließend teilsaniert. Eine umfangreiche Sanierung wurde aber nicht durchgeführt, wegen des Stadtumbaus. "Vor Jahren hatten wir uns bemüht, die Würfelhäuser der Wowi in der Baumgartenstraße, die mit Fahrstühlen ausgerüstet waren, zu kaufen", erzählt Birgit Schmieder. "Dann hätten wir das Wohngebiet am Rand des WK IV vielleicht weiterentwickelt. Die Wowi wollte aber nicht verkaufen." Dasselbe gelte für die Würfelhäuser Gottfried-Benn-Straße 1 bis 3 der Wohnbau.

Da es im WK IV absehbar keine Zukunft gibt für Wohnhäuser, hat die Woge Süd sich dafür entschieden, die drei Blöcke in der Thomasiusstraße abreißen zu lassen - auch wenn diese noch belastet sind mit den sogenannten Altschulden aus der DDR, welche die Genossenschaft von der Wowi hatte übernehmen müssen und die in Kredite umgewandelt worden waren. Momentan sind 73 der 118 Wohnungen vermietet. "Die Nachfrage war dort immer gering", sagt Birgit Schmieder, "auch, weil die Häuser immer mal wieder auf den Abrisslisten auftauchten."

Die Mieter wurden bereits im Mai über die Abrisspläne informiert - nicht auf großen Versammlungen, sondern in persönlichen Gesprächen. "Uns ist jeder einzelne Mieter so wichtig, dass er von uns persönlich erfährt, dass er umziehen muss", betont Birgit Schmieder. Die Mieter seien nun dazu aufgerufen, zu überlegen, welche Wünsche sie haben - daraufhin werde ihnen ein Angebot unterbreitet. Allerdings müssten die Ansprüche auch realistisch sein, erklärt sie. "Wir haben für jeden Mieter eine Wohnung, aber nicht immer seine Wohnung." Mit der Wowi gebe es eine offene Kooperation: "Finden wir für einen Mieter keine passende Wohnung im Bestand, erhält er über uns ein Angebot von der Wowi."

Viele Mieter haben bereits Angebote erhalten, einige sind schon umgezogen. Bis April 2018 sollen alle drei Blöcke leergezogen sein, im Herbst 2018 der Abriss beginnen. Bei der Woge Süd stehen derzeit 5,9 Prozent der Wohnungen leer. Ohne die Häuser in der Thomasiusstraße beträgt der Leerstand 4 Prozent.

Die Woge Süd denke über weitere Neubauten in Neuberesinchen nach, bestätigt Birgit Schmieder. "Unsere Stadtvillen im Clara-Zetkin-Ring sind ein großer Erfolg. Im WK IV werden wir aber definitiv nicht bauen."

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