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Katrin Hartmann 20.06.2017 07:30 Uhr
Red. Bad Freienwalde, freienwalde-red@moz.de

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Schnipp, schnapp, Haare ab!

Wriezen (MOZ) So schnell kann es gehen: Binnen von Minuten haben sich am vergangenen Sonnabend aufgeregte Gesichter in fröhliche Mienen verwandelt. Friseurin Doreen Schneider hat zum ersten Mal einen Haarspendetag in ihrem Salon durchgeführt. Die Haare sollen nun kranken Kindern zugute kommen.

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Nimmt Maß: Friseurin Doreen Beier (l.) misst die Haare der 14-jährigen Kira Herzberg mit einem Lineal - zirka 20 Zentimeter kommen ab..

© MOZ/Katrin Hartmann

"Da tut mir ja richtig der Daumen weh, Kira", sagt Doreen Beier, als sie der 14-jährigen Schülerin ihren dicken geflochtenen Zopf abschneidet. Kira Herzberg schaut belustigt in den Spiegel. Anders als bei einem 14-jährigen Mädchen zu erwarten, hat sie keine Angst ihre schönen dicken Haare abschneiden zu lassen. "Ich bin gespannt wie es aussieht", sagt die Gymnasiastin.

Mittlerweile hat sich Doreen Beier mit ihrer Schere durch den Zopf gekämpft und hält diesen nun wie eine Trophäe in die Luft. Kira dreht sich um und nimmt den Zopf in die Hand. "Kann ich gleich einen Spiegel haben?", fragt sie aufgeregt. "Ich will wissen, wie es jetzt hinten aussieht." Doreen Beier lacht und gibt dem Mädchen einen Spiegel, sodass sie ihren Hinterkopf in einem der anderen Spiegel betrachten kann. Das Gesicht von Kiras Mutter, Susi Herzberg, die neben ihrer Tochter steht, ist angespannt, wartet sichtlich auf die Reaktion ihrer Tochter. Im nächsten Moment zieht sich über Kiras Gesicht ein breites Lächeln. "Das sieht total cool aus", sagt die Schülerin voller Freude über ihren neuen Langhaar-Bob.

Doreen Beier ist ebenso glücklich. Den Zopf kann sie nun zu den anderen Mähnen, die sie an diesem Tag bereits geschnitten hat, in die Kiste packen. Den Wert der Kiste mit dem haarigen Inhalt schätzt Doreen Beier auf rund 800 Euro. "Das ist selbst für mich ein besonderer Tag", sagt die Friseurin, die sich vor fünf Jahren mit ihrem Salon in Wriezen selbstständig gemacht hat. Denn die Zöpfe in der Kiste sind für einem guten Zweck gedacht. Sie sollen zu Perücken für kranke Kinder und Jugendliche ohne Haare geknüpft werden.

"Ich überlege schon seit zwei Jahren, wie ich helfen kann", sagt Doreen Beier. "Und in diesem Jahr habe ich nun offiziell meinen ersten Haarspendetag gemacht", freut sie sich. Das Anliegen ist ihr sehr wichtig. "Viele wissen gar nicht, das in Deutschland rund zwei Millionen Menschen unter Alopecia areata leiden." Alopecia areata, das ist kreisrunder Haarausfall, von dem auch viele Mädchen betroffen sind, so Doreen Beier. "Und für Mädchen ist es im Jugendalter natürlich besonders schwierig, wenn sie ihre schönen Haare verlieren", sagt die 42-Jährige.

Die Friseurin wird die Zöpfe nun an einen Verein senden, der die Haare zum Knüpfen von Perücken weitergibt. "So eine Echthaarperücke ist wirklich teuer", sagt Doreen Beier und verweist darauf, dass dafür schnell mal 2000 bis 3000 Euro zusammenkommen. Auf die Frage, warum so eine Kopfbedeckung aus echten Haaren so teuer ist, antwortet die Friseurin einleuchtend kurz: "Alles Handarbeit." Für die Perücken werden je ein oder höchstens zwei Haare genommen, die dann verknüpft werden. "Während meiner Lehre musste ich mal ein Haarteil machen. Nur ein Haarteil wohlbemerkt. Dafür habe ich 16 Stunden gebraucht", sagt Doreen Beier.

"Der europäische Markt für Echthaarperücken ist von asiatischem Haar überschwemmt", so die Friseurin. Deshalb sei europäisches Kinderhaar, welches im Durchschnitt feiner und heller ist, wirklich kostbar. Auch krebskranken Kindern und Jugendlichen, die durch die Behandlung ihre Haare verlieren, kommen die abgeschnittenen Zöpfe zugute.

Für die Perücken eignet sich am besten das Haar von Gleichaltrigen - also von Kindern, so Doreen Beier. Das heißt die Haare sollten nicht gefärbt oder gesträhnt sein und mindestens 20 Zentimeter haben, die abgeschnitten werden können. "Kira hat wirklich schönes dickes, kräftiges und gesundes Haar. Das ist perfekt für eine Perücke", sagt Doreen Beier.

Auch ihren beiden kleinen Schwestern Marie (7) und Annalena (6) gehen an diesem Tag mit einem feschen mittellangen Bob aus dem Salon. "Zuerst waren die beiden nicht so begeistert", sagt Susi Herzberg, "aber als wir dann erklärt haben, dass die Haare anderen kranken Kindern helfen, waren sie stolz. Außerdem wachsen die Haare ja wieder schnell nach", sagt die Mutter. "Mir ist es wichtig, dass auch kranke Kinder damit ein bisschen Freude haben", fügt Doreen Beier hinzu.

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