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Bischof führt durch die Kirche

Premiere für "Bischof Bodecker" (alias Heinz-Walter Knackmuß): Die ersten Interessierten buchten eine "Historische Führung".
Premiere für "Bischof Bodecker" (alias Heinz-Walter Knackmuß): Die ersten Interessierten buchten eine "Historische Führung". © Foto: privat
Rene Wernitz / 20.06.2017, 13:04 Uhr
Rathenow (MOZ) Eine Premiere gab es in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche inEine ehemalige Schulklasse aus Großwudicke, 1949 eingeschult, hatte sich zu einer "Historischen Führung" mit Bischof Dr. Stephan Bodecker angemeldet. Diese hat der Förderkreis zum Wiederaufbau der Kirche seit 2016 im Angebot. Am Donnerstag wurde erstmals davon Gebrauch gemacht.

Der Bischof von Bandenburg, Dr. Stephan Bodecker, wurde am 15. November 1384 in Rathenow geboren und war ein hoch gelehrter Diplomat, dessen Rat viele Fürsten gern in Anspruch nahmen. Er hatte auch ein hebräisches Lexikon herausgegeben. Am 15. Februar1459 starb er im Dom zu Brandenburg, wo noch heute ein gut erhaltenes Epitaph an ihn erinnert. Er wurde 74 Jahre alt, was für die Zeit doch erheblich war.

Neben Rosemarie Köhn, der Bischöfin von Hamar, in Norwegen, die am 20. Oktober 1939 in Rathenow geboren wurde, war das der einzige Bischof, der in der Rathenow geboren wurde. Es ist schon etwas Besonderes, dass zwei Oberhirten aus der Havelstadt hervor gingen. Auch Rosemarie Köhn hat eine Vorliebe für das Hebräische, denn sie gab eine Hebräische Grammatik für alle Studenten in ganz Skandinavien heraus. Sie hatte zuletzt im April 2017 ihre Geburtsstadt besucht.

In Erinnerung an Stephan Bodecker war Heinz-Walter Knackmuß, Vorsitzender des Förderkreises, für den Festumzug zur 800-Jahrfeier Rathenows (2016) in das Gewand eines Bischofs geschlüpft und bietet seither "Historische Führungen" durch die Sankt-Marien-Andreas-Kirche an. Bis zur Premiere hat es also etwas gedauert. Aber gut Ding will Weile haben.

Die erste Führung begann am Geburtshaus von Johann Heinrich August Duncker, der als Begründer der optischen Industrie in Rathenow gilt. Dann ging es mit der alten Schulklasse zum Triptychon der Ehrenbürgerin der Stadt Rathenow, Erika Guthjahr. Dort wurden den Gästen die drei Gemälde vorgestellt, die in der Vision von Erika Guthjahr endet, dass der Turm wiederaufgebaut werden könnte. 1980, als sie das Triptychon malte, war daran überhaupt nicht zu denken. Und als der Turmaufbau 2002 mit der Reparatur der Türkenglocke vollendet war, durfte sie es noch miterleben und hat sich sehr darüber gefreut.

Dann ging es zu einem Foto von der Kirche von 1990, wo der katastrophale Zustand des Gotteshauses noch recht deutlich zu erkennen ist. Aber die Gemeinde hat 1990 nach der Einheit Deutschlands sofort angefangen, den Chorraum wiederaufzubauen und mit einem Dach zu versehen. Als der Förderkreis 1996 gegründet war, wurde die erste Spendenaktion für die Fenster im Chorraum angestoßen. Danach folgten die Spendenaktionen für den Turm, die Kreuzgewölbe im Mittelschiff und die Fenster im Kirchenschiff sowie die Sanierung der Fassade.

Den Besuchern wurden die Fenster im Chorraum erklärt. Besonders das "Rathenower Toleranzfenster" ist ein weltweit einzigartiges Kunstwerk. Der Gotische Marienaltar von 1380 wurde bei der Erklärung verwoben mit ganz persönlichen Erlebnissen von Heinz-Walter Knackmuß, die die Besucher sehr erheiterten. Diese Geschichte ist auch im Buch über die Kirche unter dem Stichwort "Der Kongress" zu finden.

Bei der Erklärung der Heiligen Katharina ging es um die mittelalterliche adventliche Fastenzeit, bei der nicht getanzt werden durfte. Die Menschen tanzten deshalb am 25. November, dem Namenstag der Heiligen Katharina, das letzte Mal vor Weihnachten und dazu sehr ausgelassen. Daher heißt es im Volksmund: "Sankt Kathrein stellt den Tanz ein." Auch das alte deutsche Volkslied "Heißa Kathreinerle, schnür dir die Schuh" geht darauf zurück.

Dann wurden den Besuchern die drei geretteten alten Gemälde in der Kirche präsentiert, "Simeon mit dem Kinde", "das Epitaph für den Stadtschreiben Nesen" und "Christus vor dem Hohen Rat." Der Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Kirchenschiff wurde praktisch demonstriert, und es gab ein Klangerlebnis im Kirchenschiff, um die großartige Akustik zu Gehör zu bringen.

Die zufriedene Gruppe verabschiedete sich mit Handschlag vom "Bischof Bodecker" und spendete die Säulensteine Nr. 10.880 -10.904 (125 Euro) für den Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Chorraum.

Mehr Informationen zu den Führungen, zum Förderkreis, zur Kirche, ihrem Wiederaufbau und Möglichkeiten der Unterstützung gibt es auf www.rathenow-fks.org und unter 03385/5200224.

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