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Mönche glauben an die Wiederbesiedlung

Klosterschatz: Pater Kilian (l.) und Pater Simeon zeigen den Neuzellern das im Stift Heiligenkreuz geschriebene Psalterium. Darin sind alle Texte in Latein. "Das ist kein Fastfood, da muss man ein Weilchen dran krauen", sagt Pater Kilian.
Klosterschatz: Pater Kilian (l.) und Pater Simeon zeigen den Neuzellern das im Stift Heiligenkreuz geschriebene Psalterium. Darin sind alle Texte in Latein. "Das ist kein Fastfood, da muss man ein Weilchen dran krauen", sagt Pater Kilian. © Foto: MOZ
Janet Neiser / 25.06.2017, 06:42 Uhr
Neuzelle (MOZ) Die geplante Wiederbelebung des Neuzeller Klosters durch Zisterziensermönche nimmt immer konkretere Formen an. Am Donnerstag haben sich fünf Mönche des österreichischen Stifts Heiligenkreuz den Fragen der Einwohner gestellt.

Mit einem riesigen Buch, dem sogenannten Psalterium, schreitet Pater Kilian durch die voll besetzten Stuhlreihen im evangelischen Gemeindehaus in Neuzelle. Gerade haben er und seine vier Brüder noch gebetet, jetzt wollen sie sich ausfragen lassen - von den Dorfbewohnern. Zuvor allerdings stellen sich die fünf sympathischen Herren in den weiß-schwarzen Kutten erst einmal vor. Ganz locker.

Da ist zum einen Pater Simenon, den seine Tischnachbarn auch durchaus mal Chef nennen. Er ist Prior, Kantor und Novizenmeister im Stift Heiligenkreuz. Seit dem Jahr 2000 lebe er dort, mit mehr als 100 weiteren Mönchen. "Der Weg ins Kloster ist meist ein großer Liebesakt und dann muss man auch die Rechnung zahlen - wie bei jeder Liebesbeziehung. Es gibt Höhen und Tiefen", sagt Pater Simeon.

Rechts von ihm sitzt Pater Kilian, er ist seit vier Jahren Priester und damit beauftragt worden, als Ökonom die Wiederbesiedlung in Neuzelle zu prüfen. Und er ist der, der zumeist die Verhandlungen mit Vertretern der Landesregierung und der Stiftung Stift Neuzelle führt. Dann gibt es da noch Pater Philemon, der nach eigenen Angaben über einen Umweg ins Kloster gefunden hat. Er war Lehramtsstudent und habe dann im Stift Heiligenkreuz seine Liebe zu Gott entdeckt. Und auch Frater Aloysius Maria, ein junger Mann Mitte 20, der kurz vor der ewigen Profess, dem Ordensgelübde steht, wird wie auch der Prior sowie die Pater Kilian und Philemon, zu den ersten vier Mönchen gehören, die Ende August als - wie sie selbst sagen - Vorhut nach Neuzelle kommen und zunächst im katholischen Pfarramt wohnen werden. Frater Antonius wird wahrscheinlich erst etwas später hinzustoßen. Der 34-Jährige erzählt, dass er seit vier Jahren im Kloster wohnt und zuvor als Mitarbeiter des Ordnungsamtes Knöllchen verteilt habe.

Doch warum wollen sie vom Heiligenkreuz nach Neuzelle kommen, nachdem der Bischof von Görlitz die Idee einer Wiederbesiedlung des Klosters hatte? "Alles, was wir hier erlebt haben - in der Kirche und in der Begegnung mit den Menschen - hat uns bewogen zu sagen, ja, da wollen wir hin", sagt Prior Simeon. "Wenn wir hier gemeinsam beten, dann haben wir das Gefühl, dass wir hier sein sollen", fügt Pater Kilian hinzu. Auch wenn das alles eine große Herausforderung werde. Er ist es auch, der den Besuchern im Gemeindehaus erklärt, dass die Zisterziensermönche über den Tag verteilt etwa dreieinhalb Stunden beten. An Feiertagen sogar mehr. "Um 5.15 Uhr heißt es aufstehen", sagt er. Da gibt es feste Zeiten und Regeln. "Aber alle Gebetszeiten sind öffentlich", lädt er die Neuzeller schon mal ein.

Und dann hat jeder Mönch seine Aufgabe. Kilian selbst wird sich beispielsweise weiterhin um die Finanzen kümmern und "aufpassen, dass die Brüder nicht mehr ausgeben, als wir haben." Pater Philemon soll als Lehrer in der katholischen Grundschule arbeiten und Frater Aloysius sei für die Hauswirtschaft zuständig. Wie es genau laufen werde, das könne man jetzt noch nicht sagen, aber das sei alles etwas sehr Familiäres. Auch seelsorgerisch werden die Mönche tätig sein.

Im kommenden Jahr soll dann die Klostergründung vonstatten gehen - dafür muss es dann insgesamt acht Mitbrüder geben. "100-prozentig ist das alles noch nicht sicher", betont Pater Kilian. "Aber wir würden nicht kommen, wenn wir nicht daran glauben würden, dass es gelingt." Und wenn man erst einmal in Neuzelle sei, würden auch die Verhandlungen mit der Politik leichter, hofft er.

Im Gespräch mit den Neuzellern wird aber auch klar, dass es Ängste gibt, dass die Mönche möglicherweise die Aufgaben der Stiftung Stift Neuzelle übernehmen oder Räumlichkeiten auf dem Klostergelände beanspruchen, die jetzt öffentlich sind. Ein Lehrer erzählt, dass Eltern befürchten, die Rahn-Schulen seien dann Gefahr. Doch Prior Simeon beruhigt: "Wir können uns nichts nehmen. Wir sind darauf angewiesen, was wir bekommen." All das bedarf Verhandlungen mit der Stiftung, die mit ziemlicher Sicherheit weiter bestehen werde, und der Politik. "Wir haben keine Ansprüche", betont er. "Wir haben sehr, sehr viel Geduld. Klöster würden nicht in fünf oder zehn Jahren aufgebaut, das könne 150 Jahre dauern. "Wir denken in Kategorien, die schwer verständlich sind für die Politik." Der Pater verspricht sich aber Synergien und betont, dass Klöster immer auch Arbeitsplätze geschaffen haben. Das Stift Heiligenkreuz biete beispielsweise 180 Menschen Arbeit - neben den Mönchen. Natürlich ringe man derzeit noch um Finanzierungsmöglichkeiten, aber es gebe Ideen. Und ja, "wir sind schon darauf angelegt, dass wir wachsen." Durch die Mönche soll es ein Mehr in Neuzelle geben und keine Einschränkungen. "Wir warten, dass das kommt, was der liebe Gott will."

Und der katholische Pfarrer Ansgar Florian aus Neuzelle, der in ziemlich absehbarer Zeit von den Mönchen ersetzt wird, fragt freudig: "Wenn ein Kloster drin ist, wo auch Kloster dran steht, was kann uns Besseres passieren?"

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