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Margrit Meier 27.06.2017 06:40 Uhr
Red. Strausberg, strausberg-red@moz.de

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Disput um Luthers Rolle heute

Hoppegarten (MOZ) In der Reihe "Einfach Lesen!" haben die Gruppe Machart des Bürgervereins Hönow und die Gemeindebibliothek den Historiker und Schriftsteller Hans-Rüdiger Mai zur Lesung und Podiumsdiskussion eingeladen. Gäste waren Dagmar Enkelmann (Rosa-Luxemburg-Stiftung), Bernd Krebs (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) und CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Georg von der Marwitz.

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Mit seinem provozierenden Buch "Gehört Luther zu Deutschland?" spreche Mai Fragen an, die heutzutage jeden etwas angingen, führte Moderator Raymund Stolze in den Abend ein: "Wir leben in einer Zeit der Umbrüche. Da ist es doch anregend, zu fragen: Wo ist mein Platz in der Gesellschaft und wo kann der Einzelne Verantwortung übernehmen?"

Über die biografische Beschäftigung mit Luther hat der unter dem Pseudonym Sebastian Fleming historische Romane schreibende Autor diesen neu entdeckt: "Wenn man Luther als Theologen betrachtet, wird man ihm nicht gerecht. Luther ist spannend. Er nimmt zu allen Fragen des Lebens Stellung", sagt Mai. Er behauptet: "Demokratie ist Disput." Und auch an diesem Abend endeten die Sichtweisen auf den großen Reformator der Kirche in einer hitzigen Kontroverse. Die streitbare Frage nach Luthers Zugehörigkeit stelle Mai in der heutigen politisch bewegten Zeit aber nur, um die Debatte anzuregen: "Wenn unsere Gesellschaft sich so entwickelt, steht die Frage, ob Luther uns weiterhelfen kann oder wir ihn nicht mehr brauchen."

Doch sind wir darauf angewiesen, Martin Luther zu Rate zu ziehen, wenn es um Flüchtlingsfragen geht? Als Zeitgenosse des Spätmittelalters wohl nicht, äußerten sich die einen. Als Verfechter des neuen freiheitlichen Denkens schon, meinten andere. Lutherisches Denken sei heute genauso viel wert wie jedes andere innerhalb der pluralistischen Gemeinschaft, sagte Pfarrer Krebs. Mai besteht jedoch auf Luthers Alleinstellung in der Vorleistung moderner Grundlagen unserer Gesellschaft. Auf einen, der seine Zeit so radikal veränderte und unser Weltbild bis heute mitpräge, könnten wir uns auch noch im 21. Jahrhundert beziehen. Merklich fühlten sich kirchliche Podiumsvertreter pauschal abgeurteilt und Leser im Publikum missverstanden, wenn es um das "radikal" definierte Denken Luthers ging. Dabei meine er keineswegs den "politischen Radikalismus", entgegnete Mai. Er wollte mit dem Essay lediglich "zur Wurzel zurückgehen".

Dem Experten-Streit ließ sich inhaltlich schwer folgen: "Die Diskussion war mir zu historisch", bedauerte Zuhörer Horst Roeder am Ende der Veranstaltung. Die provokante Frage, ob Luther zu Deutschland gehöre, sei in dieser Runde aber auch deshalb schwer zu beantworten, weil sie zu zugespitzt formuliert im Raum stand, meinten andere Gäste des Abends.

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