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Patrizia Czajor 29.06.2017 07:50 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Diagnose aus der Distanz

Werneuchen (MOZ) Eine mobile Schlaganfallklinik, Hausarztpraxen ohne Hausärzte - die Ideen des Unternehmens Meytec sind innovativ und auch ein Stück weit revolutionär. Vor allem weisen sie einen Weg aus der Misere einer drohenden medizinischen Unterversorgung auf dem Land.

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Gerhard Meyer, Geschäftsführer von Meytec, erläutert, wie die mobile Schlaganfallklinik Diagnostik und Behandlung von Patienten direkt vor Ort ermöglicht.

© MOZ/Patrizia Czajor

Bald müssen Schlaganfallpatienten zur Diagnose nicht mehr in die Klinik - sondern die Klinik kommt zum Patienten. Die Vorstellung, die Gerhard Meyer, Geschäftsführer von Meytec, seinen Gästen aus dem Ausschuss für Wirtschaft und Soziales der Stadt Werneuchen erläutert, ist jedoch längst kein Gedankenexperiment mehr. Drei solcher Stroke-Einsatz-Mobile (STEMO) sind bereits in Berlin im Einsatz und machen es möglich, einen Schlaganfall direkt vor Ort zu diagnostizieren sowie die notwendige Therapie einzuleiten.

Mit dieser geballten Technik, durch welche sein Unternehmen die komplette neurologische Diagnostik in den Krankenwagen verlegt, macht der 74-jährige Unternehmer seine Besucher vor Ort auch bekannt. In der firmeneigenen Lagerhalle überragt das STEMO-Gerät in seiner Größe beinahe den Geschäftsführer selbst. Immerhin sind in diesem einen Gerät Labordiagnostik, telemedizinische Verbindung zum Krankenhaus sowie Computertomographie zugleich miteinander vereint.

Den Vorteil dieser mobilen Medizintechnik sieht Meyer vor allem im Zeitgewinn. "Beim Schlaganfall sterben pro Minute Millionen von Nervenzellen ab", sagt er. Mithilfe des mobilen Netzwerks könne schon vor Ort die Ursache der blockierten Blutzufuhr identifiziert werden. So können bleibende Schäden verhindert werden, weil man direkt weiß, mit welcher Art des Schlaganfalls man es zutun habe.

Medizin in Echtzeit ist jedoch nur eines der Themen, an denen die Köpfe des Familienunternehmens in Werneuchen brüten, nur wenige Kilometer von Berlin entfernt. Eine weitere Idee ist es, Patienten auch über große Distanzen hinweg medizinisch zu versorgen. Auch wenn dieser Gedanke noch nicht über das Stadium eines Pilotprojekts hinausgewachsen ist, beschäftigt sich Meyer schon jetzt gedanklich mit daraus erwachsenen Konsequenzen, die eine "komplett neue Versorgungsstruktur"bedeuteten.

Um das zu verdeutlichen zeigt er in seiner Präsentation einen Kreis, der aus mehreren Schichten besteht. Im Kern der Grafik befindet sich der Patient, am äußersten Ring sind Fachärzte sowie Hausärzte. Auf der Grafik werden beide Bereiche durch die Telegesundheitsschwester AGnES verbunden. Der Name ist jedoch keineswegs Zufall, wie Meyer sagt. Wie die Gemeindeschwester Agnes aus dem DDR-Fernsehen spiele auch in diesem Konzept die persönliche Bindung eine Rolle. Anders als die DDR-Gemeindeschwester ist ihr telemedizinisches Pendant AGnES jedoch ein hochmodernes Kommunikationssystem. Mit dem Anschluss peripherer Geräte, wie Handkamera, Otoskop oder EKG, mutiert es zu einem hochkomplexen Netzwerk, durch welches relevante Daten über den Patienten gesammelt und direkt an den Arzt weitergeleitet werden können. Sie ermöglichen also eine Diagnose aus der Distanz.

Dem Unternehmer ist die Anlehnung an die DDR-Schwester wichtig, denn es mache ein Umdenken in diese Richtung einfacher. "Auch ich möchte lieber von einem Arzt behandelt werden", sagt er. Doch wenn Ärzte, wie im Raum Brandenburg, sich immer seltener auf dem Land niederließen, dann sei dieses System der Krankenschwester doch allemal besser als ein Roboter.

Damit AGnES jedoch nicht nur ein Modell bleibt, müsste der Unternehmer auch hiesige Fach- und Hausärzte von dieser Idee überzeugen. Diese Notwendigkeit sieht Bürgermeiser Burkhard Horn für Werneuchen hingegen noch nicht. Mit drei Hausärzten sei man hier vergleichsweise gut aufgestellt.

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