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Gefahr an Straßenbahn-Haltestellen

Frank Groneberg / 29.06.2017, 13:43 Uhr - Aktualisiert 29.06.2017, 15:19
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wer in Frankfurt mit der Straßenbahn fährt, lebt mitunter gefährlich. Immer öfter kommt es vor, dass Autofahrer weiterfahren, obwohl Fahrgäste ein- oder aussteigen. Dabei könnten die Haltestellen mit geringem finanziellen Aufwand etwas sicherer gemacht werden.

"Bitte achten Sie beim Aussteigen auf den Fahrzeugverkehr", warnt eine Stimme in den Frankfurter Straßenbahnen vor allen Haltestellen, an denen das Gleis mitten auf der Fahrbahn verläuft. Diese Warnung ist mehr als berechtigt, denn immer öfter fahren Autofahrer einfach weiter. Obwohl eine Bahn in der Haltestelle steht. Obwohl Menschen ein- und aussteigen. Obwohl diese Autofahrer damit das Leben der Menschen gefährden.

Zweieinhalb Monate ist es jetzt her, dass am 12. April an der Haltestelle Gerhart-Hauptmann-Straße ein Mann mit seinem Auto eine Frau anfuhr, die gerade in eine Bahn einsteigen wollte. Die Frau hatte ein Kleinkind auf dem Arm und stürzte mit diesem auf den Asphalt. Der Autofahrer machte sich aus dem Staub, Passanten notierten aber das Kennzeichen seines Autos.

Solche schweren Vorfälle sind zum Glück eher die Ausnahme, Christian Kuke, Geschäftsführer der Stadtverkehrsgesellschaft mbH, bestätigt aber: "Wir stellen seit einiger Zeit fest, dass Fahrgäste immer öfter durch Fahrzeuge gefährdet werden. In den vergangenen zwei Jahren gab es einige Zwischenfälle." Schwerpunkthaltestellen seien neben Gerhart-Hauptmann-Straße weitere Haltestellen in der August-Bebel-Straße sowie im Zentrum Topfmarkt und Kleist Forum stadteinwärts. Vor allem an der Haltestelle Kleist Forum fahren fast ständig Autos durch. Beim Beobachten gewinnt man den Eindruck, manche Autofahrer erkennen die Haltestelle, die sich in der Heilbronner Straße unmittelbar hinter einer Kurve befindet, gar nicht als solche.

In der Tat sind die Frankfurter Haltestellenschilder - verglichen mit jenen anderswo - ziemlich klein und stehen oft weitab vom Fahrbahnrand. "Die Haltestellenkennzeichnung entspricht der Rechtslage", sagt Christian Kuke, räumt aber ein: "Die Wahrnehmbarkeit der Haltestellen könnte verbessert werden." Bei der SVF denke man darüber nach, wie eine Verbesserung erreicht werden könne. Ideen seien beispielsweise eine Haltelinie auf dem Asphalt, gelbe Blinklichter oder Schraffierungen des Haltestellenbereiches. "Wir werden uns mit anderen Verkehrsunternehmen austauschen", sagt der SVF-Chef.

Über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz in Sachen Sicherheit an Straßenbahnhaltestellen verfügt die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB). Denn anders als in Frankfurt ist in Dresden, Leipzig und anderen Städten in den vergangenen Jahren dank Landesförderung nicht nur in neue Fahrzeuge, sondern massiv auch in den Neubau von Haltestellen investiert worden. In Dresden wird da, wo es nicht möglich ist, Inseln zu bauen oder die Gleise an den Fahrbahnrand zu verlegen, auf Haltestellenkaps gesetzt. Dafür wird das erhöhte Haltestellenbord in die rechte Fahrspur hineingebaut, niemand kann rechts an der Bahn vorbei fahren. Alternativ wird auf einspurigen Fahrbahnen die Fahrspur an der Haltestelle angehoben und darf normal überfahren werden. Nähert sich jedoch eine Bahn, schaltet eine Ampel auf Rot. Eine dritte Möglichkeit ist, die Haltestellen nur durch Gelb-Rot-Ampeln abzusichern.

"Haltestellenkaps sind aus Gründen der Verkehrssicherheit die erste Wahl", sagt Frank Kirmse, Verkehrstechniker bei der DVB AG. 12 Prozent aller Straßenbahn-Haltestellen in Dresden seien als Kaps gebaut oder mit angehobenen Fahrbahnen, weitere 14 Prozent vorerst nur mit Ampeln gesichert. Mehr als die Hälfte aller Haltestellen befänden sich außerhalb der Fahrbahnen, an Inseln oder am Fahrbahnrand und bräuchten nicht extra gesichert zu werden.

Solche baulichen Lösungen müssen vom Straßenbaulastträger - das ist meist die Stadt - finanziert werden und kosten viel Geld. Eine preiswerte Variante, die auch schnell umgesetzt werden könnte, ist die zusätzliche Kennzeichnung der Haltestellen durch Warnschilder und Markierungen. Die Warnschilder stehen vor den Haltestellen und zeigen die Verkehrszeichen "Haltestelle" und "Achtung, Gefahr!" auf einer weißen Tafel. Noch besser sichtbar sind großflächige Fahrbahnmarkierungen - auf den Asphalt aufgebrachte Verkehrszeichen "Haltestelle" und "Achtung, Gefahr!".

Solche Warntafeln und Markierungen werden in Dresden seit 1997 eingesetzt. Laut Frank Kirmse seien sie zwar nur "ein erster Schritt vor einer qualifizierteren Sicherung der Haltestellen, etwa durch Ampeln". Sie helfen aber dabei, Haltestellen besser erkennbar zu machen. Was in Frankfurt bitternötig ist.

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Achim Hübner 30.06.2017 - 00:55:45

Gefahr an der Straßenbahnhaltestelle

Eine bescheidene Frage: Wozu gibt es eine Straßenverkehrsordnung mit 50 Paragraphen?! Der §1, Abs. 1 und 2 ist Grundregel für alle weiteren Paragraphen der Straßenverkehrsordnung! Es muß nichts zusätzlich erklärt oder geregelt werden, es ist einfach nur konsequent durchzusetzen, dass jeder Verkehrsteilnehmer sich an diese Regeln hält! Aber wie sollen sich Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten, wenn Mitarbeiter der Verkehrsbehörden nicht einmal selbst ihre Vorschriften kennen? Diese Unkenntnis wird dann sichtbar, wenn völlig sinnlose Beschränkungen für den Verkehr erlassen werden, die längst über Verhaltensregeln in der Straßenverkehrsordnung festgelegt sind. (z.B.: Beschränkung 30 km/h statt der Anwendung „Achtung Kinder“, Stop-Schilder an Kreuzungen bei denen ein „Vorfahrt beachten“ hingehört!) Kontrolliert endlich die Einhaltung der Regeln in der Straßenverkehrsordnung statt aufsehenerregende Blitzer-Aktionen zu veranstalten!! Das ist viel effektiver und zeigt bei konsequenter Durchführung Wirkung!!

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