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Schwerpunkt Randberliner Bereich / Einsätze die ganze Nacht hindurch / Osten ab Strausberg ohne Unwetter-Notrufe

Viele Feuerwehren im Dauereinsatz

Irina Voigt und Jens Sell / 30.06.2017, 19:05 Uhr
Strausberg (MOZ) Die Starkregenfälle haben in der Strausberger Region viele Bürger in Bedrängnis gebracht. Die Feuerwehren besonders im Randberliner Bereich waren in der Nacht zum Freitag im Dauereinsatz.

Zu einem Großeinsatz wurden die Neuenhagener Feuerwehrleute ins Regionalzentrum Mitte, ins Umspannwerk, gerufen. Gemeindewehrführer Kay-Uwe Klopsch berichtet, dass auf dem Freigelände der 380-kV-Anlagen gegen Abend die Kabelkanäle überflutet waren und das Wasser drohte, ins Gebäude mit der Regel- und Steuertechnik einzudringen. "Wir sind gegen 20.36 Uhr alarmiert worden", berichtet er, "und haben dann bis 6.15 Uhr gepumpt."

Zu Hilfe kam die Freiwillige Feuerwehr Schöneiche mit drei leistungsstarken Pumpen und gegen 2 Uhr wurde auch noch das Technische Hilfswerk Fürstenwalde angefordert. "Die Mannschaft besteht auch aus Freiwilligen, die aus den Betten geholt werden mussten", sagt Klopsch. Und so waren sie gegen 3 Uhr zur Stelle - mitsamt einem Kran, der eine große Pumpe mit einer Förderleistung von 7000 Litern in den Kabelschacht hob.

"Ab da konnten wir sehen, dass das Wasser tatsächlich zurückgegangen ist." Insgesamt haben die drei Schöneicher Pumpen, die Neuenhagener und die vom THW in der Nacht 18  000 Liter Niederschlagswasser aus den Kabelschächten gepumpt. "Solche Wassermassen in dieser Dimension habe ich in meiner langjährigen Arbeit bei der Feuerwehr noch nicht erlebt", sagt Kay-Uwe Klopsch. "Nachdem die Feuerwehr alarmiert wurde, war sie sehr schnell zur Stelle", lobt Pressesprecher Siegfried Wagner von 50Hertz. Er bedankte sich dafür bei den Kameraden von Neuenhagen, Schöneiche und dem THW. "Die Versorgungssicherheit der Stromkunden war trotz der dramatisch erscheinenden Situation nicht gefährdet", sagte Wagner. Für die 30 Kameraden im Einsatz, die schnell bis auf die Knochen durchnässt waren, gab es einen Imbiss aus den Vorräten der Feuerwehr Neuenhagen. "Am liebsten essen wir Wiener Würstchen und Brötchen", sagt Klopsch. "Aber wir haben uns auch etwas vom Lebensmittelgroßlager Albrecht und Neiss im Gewerbegebiet holen können, da gab es viel Entgegenkommen."

Die Männer, die die ganze Nacht im Einsatz waren, haben für den Freitag von der Gemeinde Neuenhagen eine Arbeitsbefreiung für ihre Arbeitgeber bekommen. "Schließlich hatten die Leute ja schon einen Arbeitstag hinter sich, bevor sie zum Einsatz kamen", sagt Klopsch. Gegen den Einsatz im Umspannwerk seien die anderen drei Einsätze in der Gemeinde leichter zu bewältigen gewesen.

Stundenlang waren auch die Einsatzkräfte der Altlandsberger Feuerwehr draußen. Die unbefestigte Privatstraße zu den zwölf Einfamilienhäusern An den Scheunen wurde vom abfließenden Oberflächenwasser und Schlamm der benachbarten Felder überschwemmt. Baugruben liefen voll. Sieben Häuser waren gefährdet, berichtet Altlandsbergs Wehrführer Christian Markhoff: "Wir waren von 18.30 Uhr bis 23 Uhr mit 35 Kameraden im Einsatz, die Wehren aus Gielsdorf, Wegendorf und Bruchmühle unterstützten uns vorbildlich." Neben dem Abpumpen von Wasser und Schlamm An den Scheunen pumpten die Altlandsberger Einsatzkräfte in der Strausberger Straße einen Keller leer. Und sie brachten eine Pumpe zu den Kameraden nach Fredersdorf in die Brückenstraße. Danach hielten sich noch acht Einsatzkräfte für weitere Notfälle bis halb drei im Gerätehaus bereit. Auch die neuralgischen Punkte der Stadt behielten sie im Blick.

Die Unwetter bedingten Einsätze der drei Wehren von Fredersdorf-Vogelsdorf starteten mit einem auf eine Vogelsdorfer Straße gefallenen Ast. Als die Einsatzkräfte eintrafen, hatte aber schon ein Autofahrer den Ast weggeräumt. "Von da an aber ging es rund bis früh um vier", berichtet Gemeindebrandmeister Karsten Schulz. Von Aldi Nord und der Altlandsberger Straße bis Fredersdorf-Süd reicht die Liste der Straßen, in denen Häuser von Wasser bedroht wurden. Es seien Fäkalien aus der Kanalisation in Keller gedrückt worden, weil es immer noch Hausanschlüsse ohne Rückschlagklappe gebe oder diese Klappen so verunreinigt seien, dass sie ihre Funktion nicht erfüllten. Häusern ohne Keller drohte der Wassereinbruch, weil ihre Vorplätze mit Pflaster versiegelt und nicht richtig entwässert sind. Solche Mängel treten bei diesen extremen Wetterlagen natürlich besonders krass zutage. Die Fredersdorf-Vogelsdorfer Löschzüge waren zunächst mit 63 Einsatzkräften ausgerückt. Mitglieder, die erst von der Arbeit kamen, verstärkten sie im Laufe der Nacht. Die nachfolgende Ruhepause dauerte nicht lange: Am Morgen wurde aus Vogelsdorf eine gerissene Weide gemeldet, auf dem Berliner Ring musste Hilfe nach einem Verkehrsunfall geleistet werden.

Die Notrufe nach Petershagen-Eggersdorf mussten von der Leitstelle per Fax ins Gerätehaus geschickt werden, weil die Leitungen überlastet waren, berichtet Gemeindebrandmeister Marco Rutter. "Von dort gingen sie direkt an die Fahrzeuge, es waren einfach zu viele gleichzeitig." Deshalb musste die Einsatzleitung auch Prioritäten setzen und mancher Bürger etwas länger auf die Feuerwehr warten. Zu rund 20 Einsätzen sind knapp 40 Leute mit acht Fahrzeugen beider Ortsteil-Wehren ausgerückt. Die Tiefgarage am Eggersdorfer Markt war voll gelaufen, das in einer Senke liegende Neubaufeld Birkeneck an der Grenze zu Vogelsdorf drohte mit Schlamm voll zu laufen. Noch am Freitag mussten die tief liegenden Entladerampen von Netto und Kick in der Petershagener Lessingstraße leer gepumpt werden.

Mit zwei Einsätzen wegen einer überfluteten Straße und einem voll gelaufenen Keller seien die Hoppegartener in diesen regenreichen Stunden glimpflich davongekommen, wie Bürgermeister Karsten Knobbe auf Nachfrage mitteilte.

Die Mitglieder der Strausberger Wehr hatten eine ruhige Nacht. "Nein, keine Einsätze, keine Katastrophen", beschied Gerätewart Willi Schütz die Presseanfrage. Dafür meldete eine Anwohnerin aus dem Wohngebiet an der Ernst-Thälmann-Straße: "Unhaltbare Zustände an der Debnoer Straße!" Die ist eine Privatstraße und muss noch ausgebaut werden. Der Kommunalservice sah deshalb keinen Handlungsbedarf.Auch in Müncheberg blieb die Lage entspannt: Keine Einsätze.

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