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Rote Flora distanziert sich von Gewalt - Polizei reagiert empört

Seit 28 Jahren ist die «Rote Flora» im Schanzenviertel, ein Zentrum des Anti-G20-Protests, nun schon von Linksautonomen besetzt.
Seit 28 Jahren ist die «Rote Flora» im Schanzenviertel, ein Zentrum des Anti-G20-Protests, nun schon von Linksautonomen besetzt. © Foto: dpa
08.07.2017, 19:53 Uhr
Hamburg (dpa) In einer wüsten Gewaltorgie zieht der schwarze Block plündernd und brandschatzend durch das Hamburger Schanzenviertel. Das ist selbst den Aktivisten der Roten Flora zuviel. Dennoch äußern sie eine gewisse Verständnis.

Das autonome Zentrum Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel hat sich von den Gewaltausbrüchen während des G20-Gipfels in der Nacht zum Samstag distanziert. "Wir sagen immer, dass die bewusste Regelübertretung Teil autonomer Politik sein muss", sagte Sprecher Andreas Blechschmidt. "Aber wir sagen auch, es gibt Kriterien dafür und auch rote Linien. Die Art und Weise, wie letzte Nacht hier agiert worden ist, hat aus unserer Sicht diese rote Linie überschritten." Die Rote Flora sei an Gewalttaten nicht beteiligt gewesen. Die Polizei wies die Distanzierung zurück und nannte die Rote-Flora-Vertreter "geistige Brandstifter". Das Zentrum stand hinter der Demonstration "Welcome to Hell" am Donnerstag.

Der andere Sprecher der Roten Flora, Andreas Beuth, sprach von "sinnfreier Gewalt". "Wenn man anfängt, die kleinen Läden zu zerlegen und die Autos der Anwohner, dann habe ich da kein Verständnis für." Die Bewohner des Schanzenviertels hätten die Gewalttäter wüst angepöbelt. "Die Leute verstehen nicht, dass ihre Autos angezündet und ihre Läden geplündert werden; die Läden, in denen wir einkaufen."

Beide Sprecher der Roten Flora machten jedoch vorrangig die Polizei für die Gewalttaten verantwortlich. "Wir haben hier eine Hamburger Polizei erlebt, die immer wieder auch gewalttätig operiert hat", sagte Blechschmidt. "Ich glaube, dass letzte Nacht auch eine Rolle gespielt hat, dass es Menschen gab, die gesagt haben, das werden wir jetzt auch heimzahlen."

In einer Pressemitteilung des Zentrums hieß es: "Die Rote Flora distanziert sich nicht von militantem Aktivismus an und für sich, aber dieser muss zielgerichtet und auf allen Ebenen vermittelbar bleiben." Blechschmidt sagte dem NDR: "Wir haben den Eindruck gehabt, dass sich hier etwas verselbstständigt hat, dass hier eine Form von Militanz auf die Straße getragen wurde, die sich so ein bisschen an sich selbst berauscht hat - und das finden wir politisch und inhaltlich falsch."

Polizeisprecher Timo Zill reagierte empört auf die Aussagen der Sprecher. "Wir haben es hier mit Extremisten zu tun, die auch Propagandaarbeit machen", sagte er. "Das sind für uns die geistigen Brandstifter, die sich in der Öffentlichkeit anders darstellen. In Wirklichkeit haben genau diese Menschen das organisiert." Blechschmidt hatte vor der "Welcome to Hell"-Demonstration erklärt: "Es ist ja klar, dass wir nicht die katholische Pfadfinderjugend versammeln."

Nach der Gewaltnacht glaubt Beuth nicht, dass die Rote Flora die Duldung durch die Stadt verliert. "Wir haben in der letzten Nacht die Türen zugemacht. Es konnte niemand - bis auf Verletzte - in die Rote Flora fliehen." Das sei ein eindeutiges Zeichen. Die Gewalttäter seien nicht im Umfeld der Roten Flora zu suchen.

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