Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Biokräuterei Oberhavel ertrinkt nach Starkregen

Antje Jusepeitis / 12.07.2017, 22:51 Uhr
Oberhavel (MOZ) Die BioKräuterei Oberhavel lädt am Sonntag, 16. Juli, von 14 bis 18 Uhr in die Tiergartensiedlung am Ruppiner Kanal (Kuhbrücke 14) in Oranienburg ein. Höhepunkt ist die Eröffnung der fertiggestellten Boden-Umweltstation um 15 Uhr. "Genehmigte" Grafitti mit riesigem (natürlich Bio-)Gemüse zieren die Station und locken Neugierige und Interessierte von fern und nah.

Die Boden-Umweltstation, ein Lernort in Ökologie, konnte unter anderem mit Landesmitteln errichtet werden. Ihre Bildungsangebote vermitteln Schülerinnen, Schülern und interessierten Personen die Bedeutung des Schutzgutes Boden und der Bodenfruchtbarkeit.

Die hier gewonnenen Erkenntnisse können auch unmittelbar in einen Bezug zum Anbau von Lebensmitteln umgesetzt werden.

2015, im internationalen Jahr des Bodens, wurde die BioKräuterei mit dem Preis "BodenWertschätzen" der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für ihr Engagement im Bildungsbereich ausgezeichnet - und 2011 bereits als Dekadeprojekt der Unesco-Dekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung".

Mit der nun fertiggestellten Boden-Umweltstation erfährt diese Bildungsarbeit eine wesentliche Vervollständigung. Es gibt einigess mehr zu erleben und erfahren am Tag der offenen Tür: über Konzeption und Methoden des ökologischen Anbaus sowie über die sorgfältige Entwicklung und Auswahl des Saatgutes, um die regional angepasste Biodiversität bei Kulturpflanzen und besonderen Wildsorten von Kräutern und Salaten weiter auszubauen.

Neben den aufklärenden Informationsstationen gibt es dann auch vieles zu verkosten, so die breite Palette von Pesti aus eigenem Anbau, Wildkräuter-Smoothies, Kräuter-Cocktails und weitere wohlschmeckende Kräuterzubereitungen.

2006 vom Biologen Matthias Anders gegründet, wird die BioKräuterei in ihrem Anliegen unterstützt durch die 2012 gegründete Genossenschaft Oberhavel e.G. und kann dadurch 143 Vertragspartner aus Oberhavel und Berlin regelmäßig mit Gemüse und Kräutern im Rahmen einer Vertragslandwirtschaft (CSA/SoLaWi) versorgen.

Die frischen Schnittkräuter, Wildkräuter, essbaren Blüten, Salate, Gemüse und schmackhaften Kartoffeln werden auf acht Hektar Boden angebaut. Der Anbau unterliegt den Richtlinien und Kontrollen des Verbund Ökohöfe Nordost e.V. und der EU.

Kurzinfo Biokräuterei

(mae) Die BioKräute rei Oberhavel (siehe Infokasten) lädt am 16. Juli, von 14 bis 18 Uhr in die Tiergartensiedlung am Ruppiner Kanal in Oranienburg ein. Die Stimmung ist jedoch getrübt. Seit dem Starkregen vom 29. Juni steht auf den Feldern Wasser. Mehr als 80 Prozent der Ernte sind verloren. Das ist Existenz bedrohend.

"Komplett abschreiben müssen wir die Kartoffeln für die Einkellerung auf einem Hektar. Die etwa 25 Tonnen sind nicht mehr verwertbar." Heike Bernhardt zeigt Knollen, die wie angefressen aussehen und zu faulen beginnen, die Blätter werden braun. Den Pflanzenwurzeln fehlt die Luft. Unangenehmer Geruch steigt aus der übernässten Erde, in der sich unter der Restwasseroberfläche tote Regenwürmer sammeln.

Zwei Pumpen laufen permanent. Mehr als fünf Tage stand das Wasser auf dem Acker kniehoch, hat die Erdäpfel ertränkt, ebenso wie Möhren, rote Beete, die meisten Kohlpflanzen und Kräuter. Kleine Aussaten hatweggespült. "Die Feuerwehr hat uns am Regentag nicht helfen können. Der Grundwasserspiegel ist einfach zu hoch. Das Wasser wäre immer wieder gleich zurückgeflossen auf unsere Beete. So, wie in den umliegenden Häusern."

Sieben Hektar Land bewirtschaftet die Biokräuterei. Nur ein Gewächshaus und ein etwas höher gelegenes Beet blieben weitgehend verschont. "Wir rechnen mit einem Schaden rund 100000 Euro", überschlägt Heike Bernhardt die bevorstehenden Ernteausfälle.

"Das Problem ist, wir können nur wenig nachpflanzen, weil der Boden zunächst trocknen muss und die Setzlinge Zeit zum Wachsen benötigen, die wir nicht haben." Der Verlust ist doppelt dramatisch und tatsächlich Existenz bedrohend für den Betrieb, den Geschäftsführer Matthias Anders vor elf Jahren gründete. Fünf Gärtnerinnen und Gärtner und ein Auszubildender der Biokräuterei versuchen, auf den Anbaufläche zu retten, was möglich ist. "Die Rüben gehen gerade noch, vielleicht erholt sich der Spinat", schätzt die Oranienburgerin. Denn die Gärtnerei versorgt per Vertrag über eine solidarische Landwirtschaft etwa 400 Verbraucher ganzjährig mit regionalem Gemüse. "Sie haben dafür schon bezahlt und wir hoffen sehr, dass sie nicht im kommenden Jahr abspringen", so Heike Bernhardt. Zwar habe die Biokräuterei eine Versicherung gegen Regen-, Hagel- und Sturmschäden, jedoch keine Elementar-Versicherung. "Die ist einfach zu teuer für uns als kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Wir brauchen wirklich Unterstützung und haben noch keine Rückmeldung, ob die Versicherung etwas zahlen wird". Im Laufe der Woche listete Heike Bernhardt die entstandenen Schäden auf und meldet sie an Holger Mücke vom Landwirtschaftsamt in Oberhavel.

Der Landkreis und das Land Brandenburg haben insgesamt 400000 Euro Krisengeld zur Verfügung gestellt. "Aber nicht nur für landwirtschaftliche Betriebe, sondern für alle Schäden", hält die Gemüsegärtnerin es für unwahrscheinlich, dass der Ernteverlust auch nur halbwegs gedeckt werden kann.

Viele Haushalte in Leegebruch, Germendorf, Velten und Oranienburg traf der Sturzflutregen heftig. Die Folgen sind für die betroffenen Familien und Häuser zum Teil dramatisch. Da das Abwassersystem Leegebruchs nicht funktionierte, konnten weder WCs noch Bäder oder Waschmaschinen genutzt werden. Unterstützungsangebote kommen aus dem gesamten Landkreis. Beim Wasserfest in Fürstenberg wurde an den Kassen um Spenden gebeten. Unter anderem organisiert CDU-Politiker Bommert mit dem Spargelhof Kremmen für den 22. Juli ein Benefizkonzert auf dem Spargelhof, das auch von der Bäckerei Plentz unterstützt wird. "Das Geld stellen wir den Hochwasseropfern zur Verfügung", sagte Bommert. Es werden Bands und Musiker gesucht:

? (0171) 651 48 02.

Unterstützung kommt aus dem Norden des Landkreises. teilte das Organisationskomitee am Dienstag in Fürstenberg mit.

Steuerrechtliche Hilfen für die von den Unwettern betroffenen Gebiete:

Aufwendungen für Hausrat und Kleidung, die durch den Starkregen beschädigt wurden, können als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgezogen werden, sofern die Grenze der zumutbaren Eigenbelastung überschritten ist. Dass für den Eintritt solcher Schäden keine Elementarversicherung abgeschlossen wurde, darf den Betroffenen nicht zum Nachteil gereichen. Für den Nachweis der Schäden gelten die allgemeinen Regelungen.

Sollten Handwerkerleistungen zur Beseitigung der Schäden notwendig werden, kann der Steuerabzugsbetrag des § 35 a Einkommensteuergesetz genutzt werden. Für den Abzug sind eine Rechnung und die Bezahlung per Bankkonto erforderlich. Dann werden in der nächsten Steuererklärung 20 % der Arbeitsleistung bei der Einkommensteuer berücksichtigt.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG