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Brandanschlag auf Flüchtlingsheim: 21-Jähriger legt Geständnis ab

Blick auf ein beschädigtes Fenster der Flüchtlingsunterkunft in Jüterborg.
Blick auf ein beschädigtes Fenster der Flüchtlingsunterkunft in Jüterborg. © Foto: dpa
17.07.2017, 13:39 Uhr - Aktualisiert 17.07.2017, 14:44
Potsdam (dpa) Ein Brandanschlag mit zwei Molotowcocktails versetzt 20 junge Flüchtlinge in einem Brandenburger Heim in Angst und Schrecken. Nun muss sich ein 21-jähriger Mann aus Jüterbog wegen Mordversuchs verantworten.

Zum Auftakt des Prozesses um einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Jüterbog (Teltow-Fläming) hat der 21-jährige Angeklagte ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Der junge Mann gab am Montag vor der 2. Strafkammer des Potsdamer Landgerichts zu, dass er in der Nacht zum 1. Oktober vergangenen Jahres zwei Brandsätze auf das Heim für minderjährige Flüchtlinge geworfen habe. Als Grund gab er an, dass ihm ein Asylbewerber aus dem Heim eine Woche zuvor das Portemonnaie gestohlen habe. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann versuchten Mord an den 20 minderjährigen Flüchtlingen vor, die in dem Heim lebten. Ein Brandsatz traf damals das halb geöffnete Fenster eines Abstellraums und setzte eine Gardine in Brand. Betreuer konnten das Feuer aber schnell löschen, so dass niemand zu Schaden kam.

Doch der Täter habe damit rechnen müssen, dass die jungen Flüchtlinge bei einem Brand des Heims im Schlaf überrascht würden und ums Leben kämen, erklärte die Staatsanwältin. Daher handele es sich bei dem Anschlag um versuchten Mord, heimtückisch und grausam mit gemeingefährlichen Mitteln. 

"Ich war betrunken und sauer, dass ich bestohlen wurde", versuchte der 21-Jährige seine Tat zu erklären. Im Nachhinein könne er sein Handeln aber nicht mehr begreifen, beteuerte der Angeklagte. "Ich hatte nie die Absicht, Menschen zu töten oder zu verletzten." Vielmehr habe er den angeblichen Dieb nur erschrecken wollen. Auch eine rechte Gesinnung stritt der 21-Jährige ab. In der Vernehmung bei der Polizei hatte der junge Mann laut dem Protokoll dagegen fremdenfeindliche Motive genannt. Die Ermittler hatten den 21-Jährigen durch Aussagen von Zeugen ausfindig gemacht.

Der Angeklagte schilderte vor Gericht, dass er vor der Tat an einer Tankstelle mit Kanistern Benzin geholt habe. Anschließend bereitete er in der Garage seines Vaters zwei Molotowcocktails in Bierflaschen vor, die er anschließend auf die Rückfront des Heims schleuderte. Dabei will er gewusst haben, dass er die Fenster eines Abstellraums und nicht eines Schlafraums traf.

Auf kritische Nachfragen des Gerichts, dass ihm doch die mögliche Wirkung der gefährlichen Brandsätze bewusst gewesen sein müsse, antwortete der 21-Jährige wiederholt: "Darüber habe ich in dem Moment nicht richtig nachgedacht." 

Der Angeklagte befindet sich seit Februar in Untersuchungshaft. Eine Anregung des Verteidigers, die Haft seines Mandanten auszusetzen oder wenigstens Erleichterungen beim Besuchsrecht zu gewähren, lehnte der Vorsitzende Richter Jörg Tiemann zunächst ab. "Nach Aktenlage hatte der Angeklagte eindeutig Kontakte zur rechtsextremen Szene", sagte Tiemann zur Begründung. Daher werden überwachte Besuche nur auf Antrag etwa der Mutter erlaubt. Für den Prozess sind noch fünf Verhandlungstage bis Mitte September angesetzt.

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