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Hunderte Firmen suchen Azubis / Motivation oft wichtiger als Noten

Viele Lehrstellen noch unbesetzt

© Foto: Gerrit Freitag
Jörg Schreiber / 17.07.2017, 18:52 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wenige Wochen vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres sind deutschlandweit noch Zehntausende Lehrstellen unbesetzt. Auch viele brandenburgische Betriebe suchen händeringend nach Auszubildenden.

"Aktuell haben wir noch 483 freie Plätze in der Lehrstellenbörse für das neue Ausbildungsjahr", sagte am Montag Michael Völker, Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg in Frankfurt (Oder). Im Westen Brandenburgs gibt es sogar noch knapp 1000 unbesetzte Ausbildungsplätze, wie Wolfgang Spieß, Geschäftsführer für Bildung bei der IHK Potsdam, erklärte. Hinzu kommen jede Menge freie Lehrstellen bei den Handwerkskammern.

Es sei völlig unrealistisch zu glauben, dass alle freien Plätze bis zum im August/September beginnenden Ausbildungsjahr besetzt werden können, weil es einfach nicht ausreichend Bewerber in der Region gebe, sagte Völker. Andererseits seien viele Jugendliche, die derzeit die Schule abschließen, noch unentschlossen, und würden überlegen, beispielsweise erst einmal ein soziales Jahr einzulegen.

"Jetzt wäre die Chance, sich in Betrieben zu bewerben", sagte Völker. Natürlich hätten Schüler mit guten Noten die besten Chancen auf eine Lehrstelle. Aber bei vielen Unternehmen seien inzwischen auch Kandidaten mit etwas schlechteren Zensuren gern gesehen. Die Noten seien nicht alles, wichtig sei vor allem die Motivation der Bewerber, betonte er. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe in Ostbrandenburg ist laut IHK gegenüber dem Vorjahr sogar leicht auf 1095 angestiegen.

Bislang wurden nach Völkers Angaben zwischen Uckermark und Oder-Spree-Region knapp 600 Lehrverträge für das neue Lehrjahr geschlossen. Besonders beliebt seien diesmal Ausbildungen zum Industriemechaniker (53 neue Verträge) und zu Kaufleuten für Büromanagement (52). Viele offene Lehrstellen gebe es dagegen noch in den Bereichen Elektrotechnik, Handel sowie Hotellerie und Gastronomie.

Völker verwies darauf, dass die Chance auf eine Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung so gut wie nie zuvor sei: Im letzten Lehrjahr seien rund 70 Prozent der Jugendlichen übernommen worden. Auf der Suche nach Lehrlingen seien einige Betriebe zudem bereit, zusätzliche Anreize zu bieten. Das reiche etwa von Zuschüssen für die Fahrt zur Berufsschule bis zur Zahlung einer übertariflichen Ausbildungsvergütung.

Die Kammern empfehlen Schülern, sich frühzeitig über mögliche Ausbildungsberufe zu informieren. "Eine gute Möglichkeit, für Jugendliche in den Berufsalltag herein zu schnuppern, sind Ferienjobs", sagte Völker. Ab dem Alter von 13 Jahren seien stundenweise Jobs zulässig, ab 15 Jahren dann Vollzeitferienjobs für die Dauer von bis zu vier Wochen.

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