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Verträge gekündigt: Walls Not mit der Notdurft

Da war die Welt noch in Ordnung: Berlins Ex-Regierender Klaus Wowereit (re.) eröffnet eine City Toilette von Wall.
Da war die Welt noch in Ordnung: Berlins Ex-Regierender Klaus Wowereit (re.) eröffnet eine City Toilette von Wall. © Foto: Kristin Hoell
Roland Becker / 18.07.2017, 06:16 Uhr
Velten/Berlin (rol) "Wir wünschen uns, dass wir so weitermachen können. Wir fühlen uns hier in Velten extrem wohl." Wall-Geschäftsführer Patrick Möller war voll des Lobes über Velten, als er am Freitag Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber  (SPD) durchs Werk führte (wir berichteten). Während Möller auf Velten gut zu sprechen ist, dürfte er das auf die Hauptstadt weniger sein. Berlin hat nämlich zwei für Wall wichtige Verträge gekündigt: den zum Betreiben der WC-Anlagen und den Werberechtsvertrag. Bei ersterem stellt Wall der Hauptstadt kostenlos 200 Toiletten zur Verfügung. Wall darf dafür in Berlin in bestimmtem Umfang Werbung platzieren. Mit dem zweiten Vertrag hat die Firma das Werberecht auf Berlins öffentlichen Flächen.

Die Verträge seien zu sehr miteinander verwoben und seien intransparent. Niemand in der Verwaltung wisse, wie viel Gewinn Wall aus diesem Geschäft ziehe. "Das hat auch der Landesrechnungshof kritisiert", begründet Matthias Tang, Sprecher des Berliner Verkehrssenats, die noch vom SPD/CDU-Senat 2016 beschlossene Vertragskündigung.

Berlins Grüne treten dabei durchaus in die rot-schwarzen Fußstapfen der Vorgängerregierung. "An welchen Orten öffentliche Toiletten stehen, muss von den Bedarfen der Bürgerinnen und Bürger abhängen und nicht davon, ob ein Unternehmen gute Werbeflächen wittert", hieß es jüngst in einer Pressemitteilung. Tang räumt allerdings ein, dass Berlin schon beeinflussen könne, wo die WC-Anlagen stehen. Nur deren Zahl hänge davon ab, wie viel Werbung die einzelnen Stadtbezirke dem Stadtmöblierer Wall einräumen.

"Wir wollen natürlich unsere Machtposition verteidigen", sagt Wall-Sprecherin Frauke Bank. Daher hat sich Wall an den bisherigen drei Ausschreibungen auch beteiligt. Eine vierte zum Werberecht steht noch aus. Das Geschäft mit den Toiletten hingegen wird erst im Herbst ausgeschrieben. Vielleicht kommt es aber auch gar nicht dazu. Denn der Berliner Senat überlegt auch, ob er diese nicht selbst betreibt beziehungsweise die Aufgabe an eine städtische Tochter abgibt. In diesem Fall könnte kurzfristig nochmal viel Arbeit auf Wall zukommen. Denn wenn Berlin die Toiletten nicht übernehmen will, muss das Unternehmen sie samt und sonders abbauen.

Wie viele Arbeitsplätze verloren gingen, falls in Velten nicht mehr die Werbeplakate für die Hauptstadt gedruckt werden, kann oder will Bank nicht sagen. Offener ist sie beim Toiletten-Auftrag. Von diesem hängen laut Bank 50 Jobs ab. "Wir überlegen, wie wir die Arbeitsplätze erhalten können, indem die Mitarbeiter andere Aufgaben erhalten", sagt Bank. Ein bislang ungelöstes Problem, das noch schwerer wiegen wird, falls auch die Verträge zum Werberecht nicht wiedererlangt werden.

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