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Manja Wilde 18.07.2017 07:02 Uhr
Red. Fürstenwalde, fuerstenwalde-red@moz.de

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Die Backstube bleibt kalt

Hangelsberg (MOZ) Im Laden ist es dunkel, die Tür ist verschlossen, die Brötchenkörbe sind leer. Bäckermeister Wolfgang Scharmer hat sein Geschäft in Hangelsberg aufgegeben. Ganz abgeschworen hat der 65-Jährige der Backerei aber nicht.

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Feierabend: Bäckermeister Wolfgang Scharmer räumt Bleche, Formen und Gerätschaften zusammen. Über Jahrzehnte fertigte er in Hangelsberg Millionen von Brötchen, Broten, Kuchen und Torten. Jetzt hat er den Laden für immer geschlossen.

© MOZ/Manja Wilde

Die Internetseite der Bäckerei & Konditorei Scharmer gibt es noch. "Hin und wieder rufen Leute an, die eine Hochzeitstorte bestellen wollen", sagt Wolfgang Scharmer. Und Berliner, die den Sommer in Hangelsberg verbringen, stehen manchmal verdutzt vor dem verschlossenen Laden. Doch die Backstube bleibt kalt.

"Ich habe vor, in Rente zu gehen", erklärt Scharmer. Seinen 65. Geburtstag hat der Bäckermeister mit dem stets freundlichen Lächeln und den weißen Haaren begangen. Dass er kürzer treten wolle, kündigte der Hangelsberger bereits vor Monaten an. Eigentlich sollte es im September so weit sein. "Aber dann hatte meine Frau einen Unfall, bei dem sie sich den Arm brach", sagt Scharmer. Und Tochter Ramona, die eine Baufirma führt, hat auch anderweitig zu tun. "Es ging nicht mehr", sagt der Bäcker.

700 bis 900 Brötchen fertigte er zuletzt pro Tag. Um 1 Uhr endeten die Nächte. "Ich war für das Grobe zuständig, Frau und Tochter für Kuchen und Torten", erklärt er. So ging es über Jahre.

Der Duft von Backwerk durchzog das Haus in der Hauptstraße lange bevor Scharmers dort 1980 das Gewerbe eröffneten. "Es hat eine eigene Geschichte", sagt der Meister. 1842 ließ Eisengießer Wöhlert das Gebäude errichten. Später übernahm es die Gemeinde. "Wo meine Backstube war, befanden sich ein Bethaus und die Schule", weiß Scharmer. 1902 richtete sich Richard Boldt eine Backstube ein. Später übernahm Theodor Adam den Betrieb. Dann kamen Scharmers. Und eigentlich sollte ein weiteres Bäckerei-Kapitel folgen.

"Wir hatten einen Nachfolger, aber der sprang ab", bedauert Wolfgang Scharmer. Inzwischen orientierte sich das Paar um. In Neu Mönchwinkel entsteht der Alterssitz. Der Bäcker ist voll eingespannt. "Heute Morgen musste ich die Fenster halten", sagt der 65-Jährige, der seit 2004 sogar Obermeister der Bäcker- und Konditoreninnung "Germania" ist. Das Amt behält er auch noch. Notgedrungen. "Wir haben keinen, der das machen will", sagt Scharmer. Der Beruf sei nicht attraktiv für junge Leute. Von 21 Bäckern, die es etwa in Fürstenwalde gab, existieren noch fünf.

Scharmer bleibt dem Handwerk treu. In Mönchwinkel will er auf dem Gelände des Heimatmuseums einen öffentlichen Backofen errichten. "Dort gebe ich dann Seminare", kündigt er an. Im Fürstenwalder Museum hilft er, eine Ecke zum Bäckerhandwerk einzurichten.

Scharmers Hilfsbereitschaft schätzen auch Kollegen. "Er hat mir sogar das Rezept für die geflammte Käsetorte gegeben", erinnert sich Bäckermeister Uwe Mahlkow. "Das war das bestgehütetste Geheimnis im Raum Fürstenwalde zu DDR-Zeiten", ergänzt er. Scharmer selbst, seit langem Diabetiker, macht sich aus Kuchen nicht viel. "Mein Brot backe ich aber auch weiter selbst", verrät er. Ein Stück Streuselkuchen oder Brötchen besorge er sich bei Bäckermeisterin Judy Härchen. Die junge Frau, die einst bei ihm ihre Ausbildung beendete, wäre auch seine Wunschnachfolgerin für den Innungsobermeisterposten.

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