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Sonderschau im DDR-Museum zeigt futuristische Objekte

Zurück in die Zukunft

Immer auf der Suche nach Leihgaben: Sören Marotz zeigt das Spielzeugfahrzeug "Mondraupe". Mit einer kleinen kostenlosen Sonderschau im DDR-Museum will der Ausstellungsleiter die technischen Utopien in der DDR beleuchten.
Immer auf der Suche nach Leihgaben: Sören Marotz zeigt das Spielzeugfahrzeug "Mondraupe". Mit einer kleinen kostenlosen Sonderschau im DDR-Museum will der Ausstellungsleiter die technischen Utopien in der DDR beleuchten. © Foto: dpa
Maria Neuendorff / 18.07.2017, 07:16 Uhr
Berlin (MOZ) Lufttaxis, Wolkenkratzer und eine eigene Flugzeug-Industrie - so stellte man sich in der DDR in den 50er und 60er-Jahren die Zukunft vor. Die Sonderausstellung "Aufbruch nach Utopia" im DDR-Museum zeigt futuristische Objekte aus dem Sozialismus.

Der rote "Heckflossen-Bus" hat nur ein Rad, dafür aber zwei Lenkräder. Auf dem Cover der Zeitschrift "Jugend und Technik" von 1954 rauscht das Hai-artige Gefährt eine Brücke im Elbsandsteingebirge entlang. Der Stadtbus, der dagegen den Strausberger Platz in Berlin überquert und in dem der Fahrer über den Passagieren in einer Kapsel sitzt, hat Ähnlichkeit mit einem Wal. Ganz anders als das kastenartige ungarische "Ikarus"-Model, das tatsächlich im Berliner Verkehr eingesetzt wurde und nun als Spielzeugversion in der Vitrine steht.

Fiktion und Realität, Wunsch und Wirklichkeit driften in der neuen kleinen, aber dafür kostenlosen Sonderschau auseinander, die Historiker im Foyer des DDR-Museums in Mitte aufgebaut haben.

Während es in Ost-Berlin schwer war, überhaupt ein Taxi zu bekommen, träumte man in der FDJ-Zeitschrift des Verlags Junge Welt in den 50er-Jahren von Lufttaxen. Die Autos auf den mehrspurigen Autobahntrassen glichen dagegen amerikanischen Schlitten. "Man hetzte in seinen Zukunftsvisionen der kapitalistischen Konsumgesellschaft hinterher, die man aber nie einholen konnte", erklärt Kurator Stefan Wolle. Der Historiker zeigt auf ein futuristisches Hochhaus im Hauptstadtmodell von 1952. Auch das ähnelt einem New Yorker Wolkenkratzer. Es wurde nie gebaut. An der Stelle entstand der Palast der Republik, der im Nachwende-Deutschland keine Zukunft hatte.

Interessant ist auch ein Plan von 1959 eines erweiterten Flughafens Schönefeld. Zwar dampft es auf der Ansicht noch aus einer Lokomotive, aber es gibt sogar einen Hubschrauberlandeplatz. "In den Ausmaßen ist das ungefähr die Größe des heutigen BER", erklärt Sören Marotz, Ausstellungsleiter des DDR-Museums. Auf dem erweiterten Flughafen, der bis heute nicht fertig ist, sollte damals auch die erste deutsche Passagiermaschine "Made in GDR" landen. "Man hat Ende der 50er-Jahre vier Milliarden Mark in die Entwicklung gesteckt", hat Marotz recherchiert.

Als der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow im März 1959 die Leipziger Frühjahrsmesse besuchte, wollte Walter Ulbricht einen Werbeflug für ihn veranstalten. Anscheinend zu früh, denn das silberne Modell des Typs 152, das auch nach dem Konstrukteur Baade 152 genannt wurde, stürzte bei Dresden auf ein Feld. Der Traum von der DDR-Luftfahrtindustrie sollte aber erst 1961 platzen, als das Geld dringender für ein neues Chemieprogramm und den Mauerbau gebraucht wurde.

Das "Kettenfahrzeug Polar" aus gestanztem Blech vom VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg konnte man dagegen tatsächlich für 38,50 Mark kaufen. Wie das "Tauchboot Delfin" funktionierte es mit elektrischem Antrieb. Das U-Boot á la Jules Verne verfügte sogar über eine Zeitschaltung. So tauchte es immer wieder aus dem See auf, wenn es sich nicht gerade in Schlingpflanzen verheddert hatte.

"Mit den Spielzeugen und Kinderzeitschriften wollte man die junge Generation für Technik begeistern und zu guten Leistungen in den Naturwissenschaften anspornen", erklärt Kurator Wolle. In den 50er- und 60er-Jahren hätte eine regelrechte Zukunfts-Euphorie geherrscht. So konnten Kinder wie im Loriot-Sketch aus einer Zeitschriften-Beilage ein Atomkraftwerk bauen. "Den Bauplan haben wir da, die entsprechende Ausgabe von ,Jugend und Technik' dazu fehlt uns aber leider noch", erklärt Marotz, der auf weitere Leihgaben hofft.

Die Sonderausstellung "Aufbruch nach Utopia" im DDR-Museum an der Karl-Liebknecht-Straße 1 ist von morgen bis zum 3. Oktober kostenlos im Foyer zu sehen. Das Museum hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

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