to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Mittwoch, 20. September 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

Jens Sell 18.07.2017 07:30 Uhr
Red. Strausberg, strausberg-red@moz.de

artikel-ansicht/dg/0/

Sechs Schulen unter einem Dach

Strausberg (MOZ) Die Leiterin des Oberstufenzentrums Märkisch-Oderland, Gudrun Thiessenhusen, beobachtet mit Sorge eine wachsende Geringschätzung der dualen Ausbildung unter den Schulabgängern. Immer mehr streben das Abitur an, immer weniger eine praktische Ausbildung im Betrieb.

artikel-ansicht/dg/0/1/1589663/
 



© Johann Müller

Vor zehn Jahren hatte das Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland noch 3800 Schüler, und die gymnasiale Oberstufe lief dreizügig. Nach dem Schülerrückgang auf 1940 hat das berufliche Gymnasium heute fünf Parallelklassen. Schulleiterin Gudrun Thiessenhusen sieht diese Entwicklung mit Sorgenfalten auf der Stirn: "Wenn 50 bis 60 Prozent der Grundschüler auf das Gymnasium gehen, halte ich das für ein ungesundes Verhältnis."

Früher hatte das OSZ in seiner Berufsschule zwei parallele Kochklassen, es gab reine Tischler-, Maurer- oder Straßenbauerklassen. Zwei Berufsschulklassen mussten für Friseurinnen und zwei für Floristen eingerichtet werden. Die Masse der Schüler des Oberstufenzentrums kam nur zu ihrer theoretischen Ausbildung aus dem Ausbildungsbetrieb, von ihrem Lehrmeister, in die Schule. Die Schülerzahl sank, weil die Zeit der geburtenstarken Jahrgänge vorbei war, doch nicht nur deshalb mussten bald alle Bauberufe in die letzte verbliebene Klasse zusammengefasst werden. Für Köche reicht jetzt eine Klasse, für Friseure und Floristen gab es im zurückliegenden Ausbildungsjahr gar keine. Dafür blähte sich die gymnasiale Oberstufe auf. Fünfzügig bereiten sich 335 Schüler auf das Abitur vor. Zwei Klassen gibt es im Schwerpunkt Sozialwesen, zwei in Wirtschaft und eine in Technik-Richtung. Die Schüler kommen von den Oberschulen und Gymnasien. "Wir haben mit dem Niveau der Bewerber auch sehr differenzierte Erfahrungen", sagt Gudrun Thiessenhusen. In diesem Jahr gab es für das berufliche Gymnasium im Strausberger Schulteil 180 Bewerbungen. Zum ersten Mal ließ die Schulleitung einen Online-Mathematik-Test schreiben. Dazu musste jeder Bewerber an einen PC im OSZ einheitliche Aufgaben lösen. Da wurden schnell Defizite sichtbar.

Gudrun Thiessenhusen freut sich, dass sie im vergangenen Jahr erstmals wieder zwei Bau-Klassen im ersten Lehrjahr bilden konnte. Da sind alle Bauberufe gemischt vertreten. "Der Zuwachs von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hat uns da geholfen." Noch bildet die Berufsschule mit ihren 1025 Schülern in der dualen Ausbildung und 120 im berufsvorbereitenden Jahr die größte Schule im Kombinat Oberstufenzentrum.

Doch wachsen weiter die vollzeitschulischen Bildungsgänge, also jene, die ganz ohne Ausbildungsbetrieb auskommen.So werden 205 junge Leute in der Fachschule ausgebildet. In Strausberg sind das 185 in der Fachrichtung Sozialwesen, die den Abschluss als staatlich anerkannte Erzieher anstreben. 20 lernen in einer Seelower Klasse Bautechnik. Dieser Bildungsgang wird mit zahlreichen Praktika in Kindertagesstätten und Jugendeinrichtungen sowie Baubetrieben ergänzt.

Ein ganz neuer Teil des OSZ ist die Berufsfachschule Grundbildung plus, in der 105 Schüler mit Migrationshintergrund zusammengefasst sind. Drei Klassen lernen in Strausberg, fünf in Seelow zuerst einmal die deutsche Sprache. Die Klassen umfassen zehn bis 16 Schüler. Nach zwei Jahren in der Grundbildung plus sollen die meist unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge die einfache Berufsbildungsreife erreichen, praktisch der Abschluss der 9. Klasse, der zur Teilnahme an der Berufsausbildung berechtigt.

Sehr gut angewählt wird aber auch die Fachoberschule. Derzeit absolvieren 180 Schüler den zwei Jahre dauernden Bildungsgang in den Spezialisierungen Sozialwesen, Wirtschaft und Technik, um am Ende die Fachhochschulreife zu erreichen. Gerade beim Sozialwesen ist das für die meisten das Sprungbrett zur Ausbildung als staatlich anerkannter Erzieher in der Fachschule Sozialwesen nebenan.

In der Berufsfachschule für Sozialwesen können sich Absolventen der 10. Klassen in zwei Jahren zum Sozialassistenten ausbilden lassen. Auch da ist kein Ausbildungsbetrieb einbezogen. Vor allem Mädchen wählen diese Schule an und ergreifen danach eine pädagogisch-betreuende, hauswirtschaftliche oder sozialpflegerische Aufgabe, bzw. wechseln anschließend ebenfalls in die Fachschule Sozialwesen.

Den Überblick über diese Vielfalt an Schulen und Bildungsgängen muss Gudrun Thiessenhusen immer behalten. Um die Schule weiterzuentwickeln, findet sie die Reflexion der eigenen Arbeit wichtig, stellt sie sich und Absolventen solche Fragen wie: "Was vermissen Sie an unserer Schule, woran erinnern Sie sich in Ihrer Schulzeit, was würden Sie sich wünschen?" Und es gibt ein anonymisiertes Schüler-Lehrer-Feedback online, bei dem sich die Lehrer selbst beurteilen und durch die Schüler eingeschätzt werden. Das sind Fragen wie: "Gestaltet der Lehrer einen interessanten Unterricht? Ist er immer pünktlich? Gibt er zu viele Hausaufgaben auf?" Fragen, bei denen Lehrer und Schüler selten einer Meinung sind.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion