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Felix Schönfelder 18.07.2017 07:45 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Vom Ackerland zur blühenden Oase

Zepernick (MOZ) Mit einem rauschenden Sommerfest begingen Vereinsmitglieder, Gartenfreunde, Ehemalige und Anwohner am Sonnabend das 40. Jubiläum des Kleingartenvereins "An der Dranse". Bei Musik und Tanz wurde ausgelassen gefeiert. Dabei kam manche Anekdote aus der Geschichte der Anlage in Erinnerung.

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Marlies Richter (l.), die ihren Garten seit sieben Jahren "An der Dranse" hat, mixt und experimentiert gern mit Kräutern.

© Felix Schönfelder

Der eigene Garten als paradiesische Wohlfühl-Oase ist ein Bild, das mindestens so alt ist wie die Bibel. Besonders in den zurückliegenden Jahren fällt auf, dass die Idee der grünen Idylle wieder mehr Zulauf erfährt - von der jungen Familie, über den Selbstversorger bis hin zu jungen Leuten, die den Garten der Eltern übernehmen. Aber auch gestresste Städter suchen die Ruhe.

In Zepernick findet sich eine solche Ruheoase für 112 Gartenfreunde. Mit jungen 40 Jahren seit der Gründung steht der Kleingartenverein "An der Dranse" zwar im Schatten einer über 200 Jahre alten Tradition, einen guten Grund zum Feiern bietet solch ein Jubiläum aber allemal. Zumal die Kleingartenanlage, die einst in der DDR gegründet wurde, im Laufe ihres Bestehens einiges erlebt hat - und mit ihr die vielen Pächter, die in dieser Zeit kamen, blieben oder gingen.

Zu Letzteren gehört auch Jürgen Jock. "Ich habe meinen Garten Anfang des Jahres abgegeben", erzählt der Witwer. "Alles allein zu machen, ist mittlerweile doch etwas beschwerlich." Die 81 Jahre sieht man ihm zwar nicht an, vielleicht auch, weil sich 40 davon unter anderem auf dem Gartengrundstück in Zepernick abspielten. Doch 1977 gehörte Jock zu den Glücklichen, die per Losverfahren eine der schon damals begehrten Parzellen ergattern konnten. "Damals war das hier ja noch alles brach liegendes Ackerland", erinnert sich Jock.

Die Gründung der Kleingartenanlage geht auf eine DDR-Initiative zurück. Unzureichend genutztes Ackerland wurde damals an Berliner Großbetriebe vergeben, die selbiges zur Erholung der Beschäftigten nutzten. Doch bevor es mit dem eigentlichen Gärtnern losgehen konnte, galt es, "alles einzuzäunen und urbar zu machen".

"Wir standen hier jedes Wochenende mit dem Spaten in der Hand", erinnert sich Jock. In Hunderten von Stunden der Gemeinschaftsarbeit wurden Wasser- und Stromleitungen verlegt und "auf jeder Parzelle das Fundament für die Häuschen gelegt. Danach war jeder selbst verantwortlich", erzählt der Senior.

Seitdem hat sich vieles getan. Vergessen sind der Mitgliederschwund Anfang der 1990er-Jahre oder der Prozess um den Status zum Erhalt als Kleingartenanlage im Jahr 1996.

"Wir gehören ja zum Bezirksverband Weißensee, der rund 500 Parzellen verwaltet, und unsere Warteliste ist lang", weiß Detlef May zu berichten. Als zweiter Vorsitzender des Vereins "An der Dranse" ist auch May beinahe seit Anbeginn dabei. "Seit 1978, mir fehlt also noch ein Jahr für das 40-jährige Jubiläum", scherzt er. Zufrieden betrachtet der 69-Jährige vor dem Vereinshaus, was in den 40 Jahren aus der ehemaligen Ackerfläche geworden ist. Es wurden Wege befestigt und ein Ökoteich als Wasserablauf eingerichtet. "Die Gartenarbeit hält schon fit, und es ist ein Hobby, dass ich seit der Rente noch intensiver betreibe", gesteht May. Nicht nur bei den gemeinschaftlichen Arbeitseinsätzen mache sich der Zustrom an neuen Gärtnern bemerkbar - "es ist auch gut für die Gemeinschaft".

"Der eigentliche Wert des Kleingartens ist das soziale Miteinander", findet auch Holger Thymian, seines Zeichens erster Vorsitzender des Bezirksverbands Weißensee. Ein Punkt, in dem er die Kleingärten an der Dranse auf einem guten Weg weiß. Ob Radwanderungen, Vereinsbowling, Spieleabende oder Tanzkurse - "viele Kleingarten untypische Aktivitäten bereichern hier das Vereinsleben". Das war auch für Pankows Bezirksbürgermeister 2015 Grund genug, um den Verein an der Dranse als besten Kleingartenverein auszuzeichnen.

Der Zusammenhalt zeigt sich an der regen Beteiligung bei diesem Fest. Zur Kaffeezeit sind die Tische und Bänke fast restlos belegt. Auf dem Programm stehen Tanzdarbietungen der Cheerleader-Truppe "Blue White Swans" und Livemusik, Hüpfburg und Kinderspiele dürfen nicht fehlen.

Mehrere Kleingärtner haben auch eigene Stände bezogen, so wie Marlies Richter. "In meinem Garten kann ich mich richtig ausleben und meiner Gestaltungswut freien Lauf lassen", gesteht die Bernauerin. Dabei spielt auch Interesse an Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie eine Rolle. "Ich bin vor sieben Jahren zu meinem Garten gekommen und nutze ihn sehr für den Kräuteranbau." So kommt es auch, dass sie an ihrem Stand Bücher und Infomaterial über die Anwendungsmöglichkeiten von Gartenkräutern ausgelegt hat und dazu getrocknete Salbei-Brennessel-Chips und andere natürliche Snacks kredenzt.

Panketals Bürgermeister Rainer Fornell (SPD) schaut gern bei den Gartenfreunden vorbei. "Ich habe im Kleingarten meiner Eltern zwischen Baumhaus, Schaukel und Flusslauf die schönste Zeit meiner Kindheit verbracht", erinnert sich Fornell. Ein Satz, den die rund 300 Anwesenden so oder so ähnlich sofort unterschreiben würden.

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