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Eberswalde sperrt von Biber heimgesuchten Wanderweg / Endgültige Entscheidung fällt in zwei Jahren

Spaziergänge auf eigenes Risiko

Sven Klamann / 18.07.2017, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) An Idylle lässt sich der Wanderweg entlang des Herthafließes und der Schwärze kaum übertreffen. Doch aus Sicherheitsgründen ist die Strecke schon seit Ende Juni gesperrt. Vermutlich für immer, auch wenn die endgültige Entscheidung darüber noch nicht getroffen wurde.

Die auf Augenhöhe an etlichen Buchen angebrachten Zettel sind nicht zu übersehen. In Druckbuchstaben wird darauf hingewiesen, dass der Weg wegen der vielen Biberschäden nicht mehr benutzt werden darf. "Achtung Lebensgefahr!!!" endet die schriftliche Warnung, die Eberswaldes Stadtförster Mattes Krüger immer wieder ersetzen lässt, wenn sich wieder einmal ein Souvenirjäger an den zu Papier gebrachten Botschaften vergriffen hat.

Der nahezu Narrenfreiheit genießende Biber, der nicht bejagt und höchstens behutsam vergrämt werden darf, hat in diesem Bereich, der zum Naturschutzgebiet Nonnenfließ-Schwärzetal gehört, ganze Arbeit geleistet. 32 Buchen, zum Teil 180 bis 200 Jahre alt, weisen Fraßspuren auf. Die rundherum abgenagte Rinde ist das sichere Todesurteil für die Riesen, die irgendwann umfallen werden. Sie vorbeugend zu entfernen, klappt vor allem aus zwei Gründen nicht. "Bei den Fällarbeiten müssten wir schwere Technik einsetzten. Das wäre bei dem durch Täler und Hügel geprägten Areal ungemein aufwendig", sagt der Stadtförster, dem 1500 Hektar Wald unterstehen. Und die Verwüstungen, die durch die Holzerntemaschinen entstehen würden, wären gerade im Naturschutzgebiet fatal.

So ist es dazu gekommen, dass der Wanderweg gesperrt wurde. Das sei den erholungssuchenden Wanderern schon deshalb zuzumuten, weil oberhalb der mit Warnzetteln reich bestückten Strecke nahezu parallel der Zoowanderweg verläuft und von den Spaziergängern fast ohne Umweg genutzt werden könne, sagt Katrin Heidenfelder, die den Bauhof der Stadt Eberswalde leitet. Die Festlegung, den vom Biber besonders stark betroffenen Abschnitt offiziell aus dem Verkehr zu ziehen und die stark beschädigten Bäume sich selbst zu überlassen, sei mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt, fügt die Amtsleiterin hinzu. "Auch der Kreiswegewart weiß Bescheid", sagt sie.

Für den Stadtförster und seine Vorgesetzten im Eberswalder Rathaus geht es bei der Anordnung auch um die Verkehrssicherheitspflicht. Nicht zufällig wurde der Weg entlang des Herthafließes und der Schwärze gesperrt, nachdem auf einem Rastplatz am Liepnitzsee bei Bernau eine 44 Jahre alte Berlinerin von einem herabstürzenden Ast getötet worden war. "Falls es um einen offiziell ausgewiesenen Wanderweg geht oder sich dort auch nur eine einzige Sitzbank befindet, die zum Verweilen einlädt, hat der Eigentümer des Waldes schlechte Karten, sollte etwas passieren", betont der Stadtförster. Wer jetzt auf dem gesperrten Wanderweg laufe, trage für alle denkbaren Folgen selbst die Verantwortung.

Ob der Wanderweg dauerhaft entwidmet wird, soll in zwei Jahren feststehen. Rathausintern gelte die Verabredung, so lange zu beobachten, wie es mit dem Biber weitergehe und danach die abschließende Entscheidung zu treffen, verrät die Amtsleiterin.

Der Stadtförster gibt zu, dass er nicht an eine Kehrtwende glaubt. "Warum sollte sich der Biber hier plötzlich nicht mehr wohlfühlen?", fragt er.

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Ralf H. Janetschek 20.07.2017 - 21:47:32

Der Biber als Schädling im Oderbruch

Der beste Schutz für die Landschaft des Oderbruches und natürlich auch der kostengünstigste ist die Wiederausrottung des Bibers im Oderbruch. Um es mit Goethe zu sagen: "Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist." Es kommt letztendlich darauf an, auch den letzten Biber im Oderbruch wieder auszurotten. Da hier der Spezialfall für die kritische Masse – zur Herbeiführung des maximal anzunehmenden Störfalls, der Flutung des Oderbruches – bei EINS liegt, gemeint ist eine Biberröhre im Deich, und für den Bau genau dieser einen Biberröhre ein einziger Biber völlig hinreichend ist, ergibt sich daraus zwingend, dass ein Biber im Oderbruch exakt ein Biber zu viel ist. Wer etwas anderes behauptet, lebt in einer Phantasiewelt. Nur ein paar Biber weniger lösen das Problem überhaupt nicht. Des weiteren ist natürlich ganz wichtig, den Naturschützer und den Biberfreund von allfälligen Entscheidungen betreffend des Bibers im Oderbruch konsequent auszuschließen. Wer Teil eines Problems ist, kann nicht Teil der Lösung sein (Zitat von Eldrige Cleaver). Der Biber gehört nicht in das Oderbruch! Ralf H. Janetschek, Letschin

Michael Drews 20.07.2017 - 19:52:27

Undifferenzierte Toleranz?

Wie lange soll das mit den Problembibern noch so weiter gehen, warum gibt es im Land "Bibermanager"? Was machen diese eigentlich, die nächsten zwei Jahre warten, bis der gesamte alte Forst geschreddert ist? Zitat: "32 Buchen, zum Teil 180 bis 200 Jahre alt, weisen Fraßspuren auf. Die rundherum abgenagte Rinde ist das sichere Todesurteil für die Riesen, die irgendwann umfallen werden." Pro Jahr bindet eine Buche ca.12,5 Kilo des Treibhausgases CO2, bei 200 Jahren sind wir schon bei 2,5t, und das werfen wir wegen eines "Parasiten" weg und machen einfach nichts! Das ist eine hervorragende Idee (Ironie off). Was spricht denn hier gegen eine Umsiedlung? Noch verwunderlicher ist, dass sich keiner der sonst bei jedem falschen Baumschnitt aufschreienden (Grünen) Baumfreunde traut, sich für den Erhalt diesen wunderschönen Waldes zu engagieren.

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