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Andrea Linne 18.07.2017 08:00 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Teures stilles Örtchen

Panketal (MOZ) Ein teures Hobby ist das stille Örtchen am S-Bahnhof Zepernick, das die Gemeinde auf Wunsch zahlreicher Einwohner 2015 aus dem Bürgerbudget finanzierte. Sogar denkmalgeschützte Türen zieren das Örtchen, das seither immer wieder Ziel brachialer Gewalt ist.

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Das öffentliche Örtchen im Bahnhof Zepernick ist kaputt. Bürgermeister Rainer Fornell reicht es.

© MOZ/Andrea Linne

Rainer Fornell, Bürgermeister der Gemeinde Panketal und bekennender Mann der Zahlen, hat sich einmal hingesetzt und genau ausgerechnet, wie die Investition quasi centweise durch die Hände des Kämmerers bröckelte.

60 000 Euro hat das gute Stück gekostet, angeblich unzerstörbar mit metallenen Pissoirs, stabilen Waschbecken und regelmäßiger Reinigung. Doch scheint manchen reisenden Zeitgenossen das Örtchen im S-Bahnhof Zepernick, der der Gemeinde gehört, immer wieder derart zu stören, dass er intensiv Hand anlegen muss - und zwar mit brachialer Gewalt und sinnloser Wucht.

Im ganzen Jahr 2016 haben nur 1600 Menschen das öffentliche Bahnhofs-WC aufgesucht. Das sind ganze vier Gäste am Tag, wie schon Adam Ries im 17. Jahrhundert hätte errechnen können. Doch Bürgermeister Fornell hat noch viele weitere Argumente dafür gesammelt, warum es sinnvoll wäre, von der öffentlichen Bahnhofstoilette Abstand zu nehmen. Denn diese vier Nutzer am Tag zahlen - so das Klo gerade funktioniert - pro Gang 50 Cent. Die Klimperlinge fallen in eine Münzbox, die an der Tür angebracht ist. Erst dann öffnet sich - Simsalabim - per Knopfdruck die schöne Holztür zur Schüssel der Begierde.

Im Moment ist Drücken aussichtslos, weil besagte Münzbox, die mit 1100 Euro pro Ersatz den Gemeindehaushalt belastet, einmal mehr aufgebrochen wurde. Dreimal wurde allein schon in diesem Jahr das gute Stück gequält und derart zerstört, dass eine Reparatur nicht mehr möglich war. "Gestohlen wurden insgesamt 22,90 Euro", hat Rainer Fornell errechnet. Er ist übrigens überzeugt davon, dass es rund um den Bahnhof genügend Toiletten gibt - unter anderem auch im Amtshaus - und in umliegenden Gasthäusern. Deren Willen vorausgesetzt wäre auch hier das Benutzen gewisser Örtlichkeiten sicherlich gegen einen geringen Obolus möglich.

Doch das wollten die Gemeindevertreter nicht, sie schufen das Örtchen im Bahnhof, das allein 2017 schon für 3500 Euro an Reparaturkosten sorgte. Der Anlaufpunkt mit Wasseranschluss muss auch regelmäßig gereinigt werden. Das schlägt mit 4500 Euro jährlich ins Kontor. Allein diese Kosten umgelegt, müsste die Blasenentleerung schon 3,14 Euro für einen Gang kosten. Schlägt man Reparaturkosten noch auf, wären es sogar schon gut sieben Euro pro Toilettenbesuch. Dafür müsste das Becken dann aber aus Gold sein - eigentlich.

Fehlen noch die Heizkosten, die der Bürgermeister nicht mehr ausgerechnet hat, weil es irgendwann sogar einem Rechenmeister reicht. Schließlich darf im Winter nichts einfrieren, die Schäden im Fall eines Rohrbruchs wären noch größer.

Insgesamt wurden 2016 in Panketal 94 Sachbeschädigung vermerkt, das sind fast 20 Prozent aller Straftaten. Auch in diesem Jahr wurden unzählige Vorfälle angezeigt. Zuletzt brachen Unbekannte drei Kameras vom Rathaus Panketal ab, die dem Sicherheitswunsch viele Einwohner Rechnung tragen sollten.

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