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Zoll kontrollierte An- und Abreisende einer Party, die in einem polnischen Dorf bei Frankfurt (Oder) stattfand

600 Drogenfunde bei Musikfest

Verschärfte Kontrolle: Die Anreisenden zu dem Festival mussten ihr Gepäck aus den Bussen räumen. Dieses wurde unter Einsatz von Zollhunden und Röntgengeräten untersucht.
Verschärfte Kontrolle: Die Anreisenden zu dem Festival mussten ihr Gepäck aus den Bussen räumen. Dieses wurde unter Einsatz von Zollhunden und Röntgengeräten untersucht. © Foto: Hauptzollamt Frankfurt (Oder)
Dietrich Schröder / 12.08.2017, 07:55 Uhr
Frankfurt/Garbicz (MOZ) Genau 602 Strafverfahren überwiegend wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz hat der Zoll anlässlich eines Musik- und Kunstfestivals eingeleitet, das 35 Kilometer östlich der Oder in Polen stattfand.

Das "Garbicz-Festival", das nach einem Dörfchen benannt ist, welches gerade mal 270 Einwohner hat und bis 1945 "Görbitsch" hieß, gilt als ausgefallenes Kleinod in der Festivalszene. "Wir touren viel durch die ganze Welt, aber das Garbicz-Festival ist für uns eines der besten, auf denen wir bis jetzt spielen durften", schrieb etwa das Reggae- und Elektronik-Duo "Soukie & Windish" nach seinem Auftritt dort. Und im "Everfest Magazine" heißt es anerkennend: "Etwas Außergewöhnliches mit tiefem Respekt für die natürliche landschaftliche Umgebung. Hier gab es hausgemachte Ingwerteigkekse von Polens Gewinner unter den Meisterköchen bis hin zu handgemachten Holzkonstruktionen."

In diesem Jahr fand das Festival vom 3. bis 6. August statt und hatte knapp 7000 Besucher, die laut den Veranstaltern aus 60 Ländern kamen. Eine Sprecherin der Veranstaltung, die nur ihren Vornamen Maria verrät, berichtet, "dass wir ganz viel Wert auf Klima- und Umweltschutz legen und zur internationalen Verständigung beitragen wollen". So würde etwa ein Teil des Erlöses an das Dorf gespendet, um damit die Gemeinde und eine Weihnachtsfeier zu unterstützen.

Ganz anders liest sich eine Pressemitteilung, die das Hauptzollamt Frankfurt (Oder) jetzt verschickte: "Anlässlich des Musikfestivals führte das Hauptzollamt eine Schwerpunktkontrolle durch", heißt es darin trocken. Vom 3. bis 8. August seien 120 Beamte im Einsatz gewesen, "die insgesamt circa 160 Reisebusse und 70 sonstige Fahrzeuge einer Personen- und Transportmittelkontrolle unter Einsatz von Zollhunden, Röntgengerät und Videoendoskopen unterzogen".

"Die Kontrollen fanden bei der An- und auch bei der Abreise auf deutschem Territorium statt, und zwar auf dem Stauplatz an der A12 kurz vor der Grenze", ergänzt die stellvertretende Sprecherin des Amts, Nadja Severin. Obwohl bei einer ähnlichen Aktion im vergangenen Jahr schon mehr als 450 Strafverfahren eingeleitet wurden und bekannt gewesen sein dürfte, dass der Zoll auch in diesem Jahr intensiv kontrollieren würde, "wurden teilweise gut versteckte Drogen und Substanzen gefunden, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen".

Von Crystal Meth bis Kokain sei "so gut wie alles dabei gewesen", berichtet Severin. Als Beispiele für die insgesamt gefundenen Mengen einzelner Drogen zählt sie auf: "285 Gramm Amphetamine, 493 Gramm Marihuana, elf Gramm Haschisch." Im Ergebnis wurden 602 Strafverfahren eingeleitet, davon eine ganze Reihe gegen Unbekannt, weil man die gefundenen Drogen nicht genau ihren Besitzern zuordnen konnte.

Wie man sich fühlt, wenn man den Reisebus verlassen, sein Gepäck ausbreiten und dieses von einem Hund beschnüffeln lassen muss, hatte ein Besucher schon im vergangenen Jahr im Internet etwas ironisch beschrieben: "Mich bringt ja sonst nur wenig aus der Ruhe. Aber da hätte ich gern meine Mama dabei gehabt." Die Sprecherin des Festivals meint freilich nur: "Wir sind grundsätzlich gegen Drogengebrauch und raten auch niemandem dazu. Was die Leute dabei haben, ist aber deren Privatsache."

In der Regel wird Drogenbesitz bereits ab kleineren Mengen mit Geldstrafen und wenn man wiederholt damit angetroffen wird, auch mit Haft geahndet. Was letztlich aus den Verfahren wurde, die schon im vergangenen Jahr eingeleitet wurden, konnte am Freitag aber weder der Zoll noch die Frankfurter Staatsanwaltschaft sagen.

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