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Ein ängstliches Kamel und ein wehrhaftes Stachelschwein haben beim Zoofest ihre Namen bekommen

Doppelte Taufe zum Geburtstag

Simon Rayß / 13.08.2017, 21:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) Kinder basteln Elefantenmasken, junge Tänzerinnen zeigen ihr Können, ein Cocktail-Mixer wirbelt seine Mischbecher durch die Luft: Beim Zoofest am Sonnabend bekommen die knapp 1500 Besucher viele menschengemachte Attraktionen zu sehen. Doch der Tier-Nachwuchs stiehlt wieder allen die Schau.

Josi Plewka meint es ernst. Fast die ganze Piccolo-Flasche Wasser kippt sie Emil über den Kopf. Doch der anderthalbjährige Kamelhengst weiß sich zu helfen. Er wischt seinen nassen Schopf einfach an der Hüfte einer Artgenossin trocken. Sehr zur Freude seiner Patin Josi, die sich für die Taufe extra in die Kamelanlage gewagt hat.

Emil selbst ist nicht der Mutigste. Eigentlich sollte er anlässlich des Zoofestes bis zur Bühne vorm Urwaldhaus geführt werden. "Aber wir haben nur den halben Weg geschafft", sagt Direktor Bernd Hensch. "Dann wollte er zu seinen Mädchen zurück" - zu den drei Kamel-Stuten, die mit Emil die Anlage teilen, seit er im Frühjahr nach Eberswalde gekommen ist.

Doch bevor die siebenjährige Josi ihr Patenkind taufen darf, musste sie sich erst gegen die Mitbewerber durchsetzen: Vor der Bühne lässt Hensch die Besucher ihre Namensvorschläge abgeben - Paul, Horst, Freddy, Otto. Nach einer kurzen Applausprobe ist alles klar: Emil macht das Rennen. Der gleiche Name, den auch der dreijährige Bruder von Josi trägt. "Er hat Angst vor großen Tieren", erklärt die junge Besucherin aus Schleswig-Holstein.

Als gefährlicher stellt sich jedoch das zweite Jungtier heraus, das am Sonnabend einen Namen bekommt: Das sieben Wochen alte Stachelschwein weiß sich zu wehren. Dabei hat sich Tierpfleger Uwe Fanke extra dicke Lederhandschuhe angezogen, um den Nachwuchs in eine Transportkiste zu bugsieren. Doch die Stachel sind bereits derart spitz, dass sie einfach durch die Handschuhe dringen. Fanke trägt leichtere Stichwunden und kommentiert den Zwischenfall mit einem Augenzwinkern: "Ich hab eigentlich keinen Bock mehr."

Zum festlichen Akt selbst bleibt das Stachelschwein in seiner Kiste, auch als es der neunjährige Julius Lindemann aus Eberswalde auf den Namen Lisa tauft. "Wir haben es nur kurz von der Mutter entführt und nehmen es nicht auf den Arm", erklärt ihm Bernd Hensch. Wie die Kamel-Paten bekommen auch die Lindemanns eine Familienjahreskarte geschenkt.

Der Zoo verteilt also an seinem eigenen Geburtstag Präsente: Die Anlage wird am Sonnabend nämlich 88. So viele Jahre sind vergangen, seit auf dem Gelände die erste tiergärtnerische Anlage entstanden ist. Erst sollte in diesem Jahr schon der 89. begangen werden, doch die Zoo-Leitung hat sich im Vorfeld entschieden, einen Irrtum in der Zeitrechnung zu korrigieren.

Es verspricht in jedem Fall ein ereignisreiches Jahr für die städtische Einrichtung zu werden. Gleich mehrere Bau- und Umbaumaßnahmen werfen ihre Schatten voraus. So soll nach den Sommerferien die Pinguinanlage saniert werden. "Das ist ganz schön anspruchsvoll", sagt Hensch.

Ähnlich fordernd werden auch die Arbeiten am Urwaldhaus. Nicht nur an der Heizungsanlage, an der noch "ein paar Kinderkrankheiten" zu beseitigen sind, wie der Zoo-Leiter sagt. Auch der Austausch der Frontscheiben stellt das Team vor Herausforderungen. "Wir können mit den Tieren nicht raus", erklärt er. Also behelfen sie sich damit, erst neue Scheiben anderthalb Meter vor die alten zu setzen, bevor sie die alten wegnehmen.

Die Vorbereitungen für den neuen Innenraum-Spielplatz im "Braunen Bär" treibt der Zoo ebenfalls voran. "Wir machen gerade das Brandkonzept für die Gaststätte", berichtet Hensch. "Wir sind auf einem guten Weg." Auch, was den sogenannten Eiszeit-Erlebnispfad betrifft, der künftig die Gaststätte mit der Eberswalder Innenstadt verbinden soll. "Das ist unser größtes Vorhaben", sagt der Direktor. Eins, das mit 750 000 Euro aus EU-Mitteln gefördert wird.

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