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Anstoß zur Integration

In Torlaune: Als das Spiel fürs Foto unterbrochen wurde, stand es 3:1. Für welche Mannschaft? Das ist der bunt zusammengewürfelten Truppe ziemlich egal. Jede Woche wird neu gemischt.
In Torlaune: Als das Spiel fürs Foto unterbrochen wurde, stand es 3:1. Für welche Mannschaft? Das ist der bunt zusammengewürfelten Truppe ziemlich egal. Jede Woche wird neu gemischt. © Foto: MZV
Roland Becker / 16.08.2017, 06:12 Uhr
Hennigsdorf/Velten (HGA) "Gut!" hallt es über den Platz, oder auch "Weiter, weiter!" Hans-Dieter Werner und Jürgen Golisch vom Hennigsdorfer Stadtsportverband lächeln und verraten: "Auch die deutschen Schimpfwörter können sie schon gut." Gemeint sind damit die an diesem Montag 23 Flüchtlinge aus sechs Nationen, die auf dem Gemeindeacker - offiziell Anlage III - an der Tucholskystraße Fußball spielen.

Mehr als 50 Flüchtlinge (und ein Spanier) stehen auf Werners Liste, die binnen eines Jahres immer weiter gewachsen ist. Die Idee, Flüchtlinge mit Sport aus ihrem tristen Heimalltag zu holen, sei ihm am Frühstückstisch gekommen. Im Verband stieß die Idee sofort auf Sympathie. Und wenig später hieß es: "Wir fangen einfach mal an." Die vom Landkreis sehr streng ausgelegte Heimordnung erlaubte es zwar nicht, dass Vertreter des Stadtsportverbands in Stolpe-Süd für ihre Idee werben konnten. Doch sie sprach sich in Windeseile rum.

Das Angebot beschränkt sich nicht nur auf den Fußball, der ist sozusagen nur Eintrittskarte in Hennigsdorfs Sportwelt. "Wir wollen Begabungen herauskristallisieren", beschreibt Werner das Ziel. Eine Reihe junger Männer haben sie zum Boxen, in Rugby- oder Handballclubs weitergeleitet. "Nur der Rudersportclub ist ein bisschen reserviert", ärgern sich Golisch und Werner.

Unter den Fußballern haben bereits einige Talente besonderes Talent gezeigt, vor allem Kameruner. Kein Wunder, immerhin gilt das Land als erfolgreichste Fußballnation auf dem afrikanischen Kontinent. Einige Spieler sind bereits an Mannschaften wie den FC 98 oder an die Eintracht nach Oranienburg vermittelt worden. Manchmal streiten sich die Vereine sogar schon um die Talente.

Doch Werner und Golisch kommt es mit ihrem Projekt "Wir sind am Ball" nicht nur darauf an, ein Freizeitvergnügen anbieten zu können. Sie haben mehr vor: Integration. So kümmern sie sich darum, dass Flüchtlinge Deutschkurse belegen, eine Wohnung oder einen Ausbildungsplatz finden. Stolz berichtet Werner: "Zweimal ist uns das mit einer Lehrstelle schon gelungen." Siyen Wially Priso aus dem Kamerun lernt seit diesem Monat Straßenbauer in Oranienburg, Ahmed Izaak Diriyej aus Somalia begann eine Lehre als Restaurantfachmann.

Das Spiel soll dennoch nicht zu kurz kommen. Am 28. August wird um 18.30 Uhr die Partie gegen SC Oberhavel Velten II angepfiffen. Danach findet ein Grillabend statt - mit möglichst vielen Deutschen. Wegen der Integration.

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