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Der Traum von der eigenen Wohnung

Nur Mut! Hans-Dieter Werner ist sich sicher, dass Ahmed Izaak Diriyej nicht nur auf dem Fußballplatz klarkommen wird.
Nur Mut! Hans-Dieter Werner ist sich sicher, dass Ahmed Izaak Diriyej nicht nur auf dem Fußballplatz klarkommen wird. © Foto: MZV
Roland Becker / 17.08.2017, 18:41 Uhr
Hennigsdorf/Oranienburg (HGA) Wenn Ahmed Izaak Diriyej montags dem Ball auf dem Sportplatz an der Tucholskystraße hinterher hechtet, vergisst er seine Alltagssorgen. Für diese Partie Fußball kommt er eigens von Oranienburg nach Hennigsdorf.

Der 26-Jährige mit dem schmalen Oberlippenbart genießt es, wenn Helmut Kostorz vom Stadtsportverband montags Punkt 18.30 Uhr das Spiel anpfeift, zu dem sich stets mehr als 20 Flüchtlinge treffen. Hier kann er seiner Leidenschaft nachgehen. "Im Bürgerkrieg war es nicht gut möglich, Fußball zu spielen", erzählt der Somali über seine Heimat. In dem Land ist es kaum möglich, so etwas wie ein Alltagsleben zu führen. Martin Keßler, Leiter der Katastrophen-Projekte der Diakonie, sagte in dieser Woche den Stuttgarter Nachrichten, dass Somalia das schwierigste von allen Ländern sei, in dem das evangelische Hilfswerk aktiv ist.

Die Flucht, die den damals 22-Jährigen nach Deutschland führte, sollte es ihm ermöglichen, endlich ein Leben ohne Angst führen zu können. Und es fügte sich in der Tat nach und nach alles zum Guten. Der junge Mann hatte den Ehrgeiz, die deutsche Sprache zu lernen und eine Ausbildung zu absolvieren. Als 2016 auch seiner Frau, die er 2010 in der Heimat geheiratet hatte, die Flucht nach Deutschland gelungen war, stellte sich sozusagen das kleine private Glück ein, eigentlich sogar ein ganz großes. Denn Ahmed Diriyej fand im Herbst 2016 eine Lehrstelle als Restaurantfachmann im Hennigsdorfer Fairplay. "Die Arbeit war sehr gut. Und mein Chef auch", lobt er. Er würde nicht nur die besten Tore auf dem Fußballplatz schießen, "sondern hat im Restaurant auch die besten Burger gemacht", wirft Hans-Dieter Werner vom Stadtsportverband ein.

Als am 24. Dezember Rayan das Licht der Welt erblickte, schien das Glück der mittlerweile anerkannten Flüchtlingsfamilie perfekt. Doch die Freude währte nur kurze Zeit. Der Vater zieht mehrere Blätter mit ärztlichen Attesten hervor, auf denen so komplizierte Fachbegriffe stehen wie Chronische Niereninsuffizienz Grad V bei zystischer Nierenerkrankung. Man kann es auch einfacher ausdrücken: Seine Tochter ist schwer nierenkrank. Ahmed Diriyej wusste nicht mehr, wo ihm der Kopf steht: Job in Hennigsdorf, Berufsschule in Neuruppin, das Baby in der Charité. Und eine Mutter, die es nicht übers Herz bringt, ihrem zarten Nachwuchs Infusionen zu geben. Also hat sich der Vater in einem Lehrgang beibringen lassen, wie er dabei vorzugehen hat. Um die Tochter betreuen und zu Behandlungen nach Berlin begleiten zu können, hat er - in Abstimmung mit seinem Chef und der IHK - die Lehre vorerst unterbrochen. Man merkt es ihm an, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen ist. Schließlich möchte er niemandem auf der Tasche liegen und seine Familie selbst ernähren können.

Jetzt sitzt er viel zu Hause bei seinem Kind. In einem einzigen Zimmer. Wohnverbund nennt Kreissprecher Ronny Wappler diese Unterkunft an der Bernauer Straße in Oranienburg, in der 39 Flüchtlinge in Wohngemeinschaften mit gemeinsamem Bad leben. Das Problem ist gleich ein doppeltes: Mit dem kranken Kind ist es eigentlich nicht zumutbar, unter diesen Umständen zu leben. Und eigentlich dürfte die Familie dort auch gar nicht mehr wohnen. Denn diese Plätze sind für Flüchtlinge vorgesehen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. "Wir wissen aber, wie schwer es ist, bezahlbare Wohnungen zu finden", sagt Wappler. Genau an diesen Schwierigkeiten ist Familie Diriyej bislang gescheitert. Auch die Mitstreiter vom Stadtsportverband, die sich sehr um die Bewältigung solcher Probleme kümmern, fanden keine Lösung. Selbst die in solchen Fällen hilfsbereite Hennigsdorfer Wohnungsbaugesellschaft konnte nicht helfen.

Ahmed Izaak Diriyej hat die Hoffnung nicht aufgegeben, für seine Familie eine Bleibe zu finden. Trotz aller Probleme ist er dankbar, hier in Frieden zu leben: "Ich bekomme hier Hilfe, kann eine Ausbildung machen und habe Spaß am Fußball."

Wer einen Wohnungstipp für Familie Diriyej hat, melde sich bitte unter 0162 7672 644 bei Hans-Dieter Werner.

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