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Wiederbelebung des Neuzeller Klosters hat gerade erst begonnen / Eröffnung des Priorats im nächsten Jahr

Die Abenteurer Gottes

Pater Simeon und Pater Kilian werden in Neuzelle von Kindern begrüßt
Pater Simeon und Pater Kilian werden in Neuzelle von Kindern begrüßt © Foto: MOZ
Janet Neiser / 28.08.2017, 19:49 Uhr
Neuzelle (MOZ) Als historischen Augenblick hat Wolfgang Ipolt, der Bischof von Görlitz, am Wochenende den Einzug der vier Zisterziensermönche ins katholische Pfarramt von Neuzelle (Oder-Spree) bezeichnet. Doch die Wiederbelebung des einstigen Klosters hat damit erst begonnen.

"Ich habe sehr gut geschlafen, bin halb zehn ins Bett gegangen und um vier Uhr aufgestanden. Alles ist wunderbar." Pater Simeon kommt gerade von seinem vierten Gebet an diesem Tag - mit einem beseelten Lächeln im Gesicht -, dabei ist es gerade einmal kurz nach neun. "Eine himmlische Stille ist hier noch", freut sich der 52-Jährige, der im Stift Heiligenkreuz Prior, Kantor und Novizenmeister war - und auch in Neuzelle der Chef ist. Mit mehr als 100 weiteren Mönchen hat er in Österreich zusammengelebt - in Neuzelle sind sie zunächst zu viert. "Es ist etwas Neues für uns. Es beginnt ein Abenteuer", betont Pater Simeon. Aber er sei durchaus schon angekommen nach der ersten Nacht. "In dem Moment, wo man im Gebet und bei Gott ist, ist man überall zu Hause."

Dieses neue Zuhause besteht aus je einem Privatraum für die Neuankömmlinge, ein paar Gemeinschaftsräumen im katholischen Pfarrhaus sowie aus der katholischen Kirche. Und die scheint mit der Ankunft der Mönche wieder richtig zu atmen. Acht Mal am Tag erklingen dort Gebete, und zwar öffentlich. Acht Mal am Tag treten die Zisterzienser dort in einen Dialog mit Gott, so wie bis zum Jahr 1817, als die letzten Mönche das damalige Neuzeller Kloster aufgrund der Säkularisation verlassen mussten. Nun sind sie wieder da, auf Initiative und Einladung des Bischofs vom Bistum Görlitz.

"Dass die Mönche nach so langer Zeit wieder da sind, ist toll. Damit hat doch keiner mehr gerechnet", sagt Maritta Meusel, die wie viele andere zur Begrüßung am Sonntag gekommen ist: "Das ist ein tolles Erlebnis und bestimmt positiv für unser Gemeindeleben." Auch Dietmar Baesler, Bürgermeister von Neuzelle, betont: "Das ist etwas ganz Besonderes, so etwas passiert nicht alle Tage."

Plötzlich ist der Ort, der 2300 Einwohner hat und auch Wallfahrtsort ist, in aller Munde. Dort, wo Kloster draufsteht - obwohl das ganze historische Areal einer staatlichen Stiftung gehört, ist nun auch wieder Klosterleben drin. "Das ist ein schöner und wichtiger Tag für unser Bistum", sagt Bischof Wolfgang Ipolt, der erklärt, dass im kommenden Jahr die offizielle Eröffnung des Zisterzienser-Priorats in Neuzelle stattfinden soll. Der Weg zu einem selbstständigen Kloster jedoch dauert wesentlich länger, Jahrzehnte vielleicht.

Das wissen auch Pater Simeon und die drei anderen Abenteurer Gottes. Aber Zeit spielt für sie keine Rolle. Und an ein Scheitern der Wiederbelebung des Klosters verschwenden sie keinen Gedanken: "Wir würden nicht kommen, wenn wir nicht daran glauben würden, dass es gelingt", sagt Pater Kilian.

In den nächsten Tagen werden die vier erst einmal ihre Kisten und Koffer auspacken. "Vor allem Bücher und Sachen haben wir mit", erklärt Frater Aloysius. Sein Zimmer in Heiligenkreuz sei komplett leer. "Ich bin da raus und habe meinen Schlüssel steckenlassen", sagt der Mittzwanziger, der sich vor allem um die Haushaltsbelange der Mönche kümmern wird, während Pater Kilian der Mann der Zahlen ist und die Finanzen im Blick behält. Dann ist da noch Pater Philemon, der in der katholischen Grundschule in Neuzelle unterrichten wird. Und vor allem Prior Simeon soll auch seelsorgerische Tätigkeiten wahrnehmen. Das klingt nach Alltag, nach Abenteuer und einer neuen Ära.

Mehr zu diesem Thema: www.moz.de/neuzelle

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